QSL ohne Papier

Die Frage, ob man im 21. Jahrhundert noch an einer Papier QSL-Karten festhalten sollte, muss jeder für sich selbst beantworten.
Für viele Funkamateure ist die QSL-Karte der krönende Abschluss eines QSOs.
Gerade noch nicht so lange lizensierte, sind meistens große QSL-Karten Fans.
Aber auch viele lange lizensierte finden es besonders wichtig, eine QSL-Karte nach einem Funkgespräch zu erhalten und entsprechend eine eigene QSL-Karte zu verschicken.

Für mich als jemand der 1979 seine Amateurfunk-Lizenz gemacht hat und tausende von QSL-Karten in Schuhkartons gesammelt hat, verhält sich das ein wenig anders.
Ich habe vor einem knappen Jahr meine sämtlichen QSL-Karten mit einem Dokumenten-Scanner eingescannt.
Das ganze ging mit diesem Gerät recht einfach und schnell.

Dabei sind mir einige Dinge besonders aufgefallen.
Ältere QSL-Karten sind meistens viel persönlicher gestaltet, sie haben mehr Liebe zum Detail.
Es mag daran liegen, das heute die Druck-Möglichkeiten viel einfacher geworden sind und man schnell mit einem Klick im Internet neue QSL-Karten bestellen kann.
Dabei wird dann vielfach einfach aus den Standard-Motiven ausgewählt.
Ergebnis, eine Karte wie sie viele haben.
Das merkt man besonders schnell, wenn man sich mit den Karten einmal genauer beschäftigt. Man denkt oft, das man die Karte für QSO mehrfach erhalten hat, Tatsache ist, es ist nur das gleiche Karten-Motiv, welche unterschiedlich OMs benutzen.
Ich finde das extrem langweilig und einfallslos.
OK, als Grafiker sehe ich das evtl. noch einmal ganz anders. Aber Tatsache ist das die Karten aus älteren Zeiten einfach mehr Charme besitzen. Man gab sich einfach viel mehr Mühe.

Zum anderen hatte ich beim Einscannen, viele Karten das erste Mal nach Jahrzehnten wieder in der Hand. Sie wurden damals angeschaut und in den Karton gepackt. Das war es.
Seit dem liegen die Karten dann sorgsam im Schuhkarton verpackt.
Irgendwie ist das nicht so sinnvoll..oder?

Nun gehöre ich auch nicht „mehr“ zu den Leuten, die sich QSL-Karten an die Wand hängen, schon gar nicht irgendwelche Diplome, deren Design oftmals an Eisenbahn-Optionen aus dem 18. Jahrhundert erinnern.
Früher, so vor 30 Jahren war das auch bei mir anders. Mein damaliges Shack war voll mit Karten an den Wänden.

Auch wenn ich heute den Luxus habe, einen eigenen Raum für mein Shack zu besitzen und ich hier machen kann was ich möchte, so verspüre ich nicht den Drang, mir die Wände mit QSL-Karten voll zu kleistern.

Die Frage die sich dann für mich stellt, brauche ich eine Papier QSL-Karte denn überhaupt noch?
Auch aus Umwelt-Aspekten ist eine Papier QSL-Karte nicht sonderlich etwas was man durchführen muss.
Und dann ist da noch die Vermittlung – die im Grund nur über eine Mitgliedschaft im DARC funktioniert.
Reicht da nicht eine elektronische Bestätigung eines tollen QSOs?

Es gibt in den letzten Jahren immer mehr Befürworter, die auf eine Papier QSL-Karte verzichten wollen.
Aber was gibt es für Möglichkeiten, im 21. Jahrhundert doch zu einer QSO-Bestätigung zu kommen?

Als erstes haben wir dort einmal eQSL.

eQSL.cc ist ein Dienst der bereits sind ca. 2003 existiert.
Leider hat sich das Design seit dem tatsächlich nur unwesentlich verändert.
Und auch die Bedienung ist dementsprechend noch sehr altbacken, was aber nichts mit der eigentlichen Funktion zu tun hat.
Denn der Dienst tut das war er soll, QSOs bestätigen.
Ich würde behaupten das mittlerweile ca. 40-50% aller QSOs darüber bestätigt werden.
Karten werden elektronisch zugestellt. Auch kann das Design dort selbst erstellt werden oder man benutzt eine der Standard Vorlagen, was allerdings oft sehr lieblos wirkt.
Da kann es dann durchaus vorkommen, das man aus Sibirien eine Karte mit einem Palmen-Motiv von einer Südsee-Insel erhält.
Nicht sonderlich einfallsreich aber der OM zeigt damit dann wohl seinen geheimen Traum 😉

Bei QSOs mittels Digitaler-Betriebsart ist eQSL mittlerweile beinahe zu 99% die Art, QSL-Karten zu vermitteln.
Sollte man dabei das Wort „QSL-Karten“ verwenden?
Ich sage mal klar JA! Denn jede Karte die man über eQSL erhält kann der Empfänger auch ohne Probleme ausdrucken.
So hat er dann wieder eine Papier-Karte in der Hand. Ist das dann etwas anderes als eine über das Büro verschickte Karte?
Auch können mittlerweile zahlreiche Diplome dort beantragt werden.

Man muss aber auch sagen, das nur 40-50% der QSO-Partner bei eQSL Mitglied sind und darüber ihre eQSL versenden.
Nur wie schaut es dort beim DARC aus? Wer mal nachprüft, wie viele Rückläufer man von seinen verschickten Karten erhält, merkt schnell das 10-25% an Karten nicht zustellbar sind.
Warum auch immer, sei es eine fehlende Mitgliedschaft in einem Amateurfunk-Verein oder etwas anderes.
Rechnen wir mal…40-50% sind bei eQSL vermittelbar – 10-25% sind bei Papierkarten Rückläufer. Dann ist die Differenz rund 30% an Karten die man durch eQSL nicht bekommt.
Sicherlich haben solche „Pi mal Daumen“ Rechnungen immer irgendwie Fehler und sind recht ungenau. Ich möchte mich auch nicht auf dieses Zahlen genau einlassen. Sie zeigen allerdings die Richtung in welche eine Argumentation gehen kann.

eQSL ist am Anfang etwas wirr und man muss ich ein wenig damit beschäftigen um damit klar zu kommen.
Anleitungen gibt es dazu im Netz und bei eQSL selbst.

Mir persönlich gefällt eQSL recht gut und wenn man sich mit seinen eigenen eQSL-Karten Mühe gibt, ist es eine tolle Sache.
Es geht schnell und ist letztendlich unkompliziert.

Dieser Artikel wird fortgesetzt….

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