IFA 2026 in Berlin: Zwischen Wi-Fi 7, Balkonkraftwerk und ziemlich viel KI

Die IFA 2026 läuft noch bis zum 8. September auf dem Berliner Messegelände. Rund 2.000 Aussteller und Marken zeigen dort Fernseher, Computer, Netzwerktechnik, Smart-Home-Geräte, Energiespeicher und natürlich jede Menge Produkte, die inzwischen irgendwie mit künstlicher Intelligenz zu tun haben.

Für mich sind vor allem die Neuheiten interessant, die technisch tatsächlich etwas zu bieten haben. Deshalb geht es hier weniger um den nächsten Kühlschrank mit Display, sondern um Netzwerktechnik, mobile Stromversorgung, Balkonkraftwerke, Smart Home und Computer.

FRITZ!: Wi-Fi 7 und 10-Gigabit-Netzwerk

Bei FRITZ! gibt es auf der IFA einiges zu sehen. Interessant ist insbesondere der neue FRITZ!Repeater 6700 Pro. Er arbeitet mit Wi-Fi 7 über 6 GHz, zweimal 5 GHz und 2,4 GHz. FRITZ! gibt eine theoretische Gesamtdatenrate von bis zu 18 GBit/s an.

Fast interessanter sind die Netzwerkanschlüsse. Vorhanden sind ein 10-GBit/s- und ein 2,5-GBit/s-LAN-Port. Damit kann der Repeater auch in einem entsprechend schnellen kabelgebundenen Heimnetz sinnvoll eingesetzt werden.

Neu ist ebenfalls die FRITZ!Box 5630 XGS für Glasfaser. Sie unterstützt XGS-PON und damit Anschlüsse bis 10 GBit/s. Passend dazu gibt es einen 10-GBit/s-WAN/LAN-Port.

Eine ganz andere Richtung schlägt die FRITZ!Box 6835 5G ein. Sie unterstützt 5G und 4G, Wi-Fi 7, eSIM und Nano-SIM. Strom bekommt die Box über USB-C und laut FRITZ! funktioniert sogar der Betrieb an einer USB-C-Powerbank.

Das könnte beispielsweise als mobiler Internetzugang oder als Reserve interessant sein, wenn DSL, Kabel oder Glasfaser ausfallen.

Mit FRITZ!OS 8.50 kommen unter anderem DNS-Filterung, automatische Priorisierung des Datenverkehrs und Erweiterungen beim Ausfallschutz. Für die FRITZ!Box 5690 Pro ist eine Matter-Bridge vorgesehen. Damit lassen sich kompatible FRITZ!-Smart-Home-Geräte auch in andere Smart-Home-Systeme einbinden.

Balkonkraftwerke bekommen immer größere Speicher

Solar und Stromspeicher nehmen auf der IFA 2026 ziemlich viel Platz ein. Auffällig ist, wie stark sich die Systeme für Balkonkraftwerke weiterentwickelt haben.

EcoFlow zeigt etwa die Stream 2. Je nach Ausführung stehen 3 bis 5 kWh Speicher zur Verfügung. Das System kann bis zu 5.000 Watt Solarleistung aufnehmen und bis zu 3.000 Watt abgeben. Vier MPPT-Eingänge erlauben den Anschluss von Solarmodulen mit unterschiedlicher Ausrichtung.

Anker zeigt mit der Solix Solarbank Max ein noch größeres System. Die Basis bietet 7 kWh Speicher und soll sich auf bis zu 42 kWh erweitern lassen. Über drei MPPT-Eingänge können bis zu 10.000 Watt Solarleistung angeschlossen werden. Mit einem klassischen kleinen Balkonkraftwerk hat das dann allerdings nicht mehr besonders viel zu tun.

Auch DJI steigt stärker in diesen Bereich ein. Die Power 2000 soll Teil eines kompletten Balkonsolar-Systems werden. Dazu gehören eigene Solarmodule und ein Mikro-Wechselrichter. Deutschland soll zu den ersten Märkten gehören. Preise und die endgültige Konfiguration waren zur IFA noch nicht vollständig bekannt.

Bluetti zeigt ebenfalls neue Lösungen. Mit Balco 260 und Balco 500 gibt es Systeme für Balkon- beziehungsweise Dachsolar. Je nach Modell sind bis zu 2.400 beziehungsweise 4.300 Watt Solar-Eingangsleistung vorgesehen.

Für Funkamateure ist die Entwicklung durchaus interessant. Ein vernünftig dimensionierter Speicher kann bei einem Stromausfall Router, Notebook, Ladegeräte und Funktechnik eine ganze Weile weiter versorgen. Wer das System mit Solarmodulen kombiniert, hat noch ganz andere Möglichkeiten.

Bluetti hat auf der IFA außerdem mehrere klassische Powerstations vorgestellt, darunter Elite 30 mini, Elite 100 mini, Elite 200 mini und den deutlich größeren Pioneer 5000.

Smart Home lieber lokal als komplett in der Cloud

Beim Smart Home interessiert mich inzwischen mindestens genauso sehr, wo meine Daten landen, wie die eigentliche Funktion eines Gerätes.

Ugreen zeigt auf der IFA sein HomeAgent-System. Der Hersteller ist bisher vor allem durch Ladegeräte, Powerbanks und NAS-Systeme bekannt. Mit HomeAgent soll nun ein zentraler Hub für Smart Home, Kameraspeicherung und lokale KI hinzukommen.

Kameravideos werden lokal gespeichert und direkt auf dem Gerät verarbeitet. Unterstützt werden unter anderem Matter, Wi-Fi, Zigbee, Thread, Bluetooth, NFC, ONVIF/RTSP und PoE.

Die Steuerung soll auch per natürlicher Sprache über den Assistenten Uliya möglich sein. Komplett ohne Internet kommt das System trotzdem nicht aus. Fernzugriff und Push-Mitteilungen benötigen weiterhin eine Verbindung nach draußen.

Die Richtung gefällt mir trotzdem besser als Systeme, bei denen jede Kleinigkeit zwingend über irgendeinen Cloud-Server laufen muss.

Ganz billig wird HomeAgent allerdings nicht. Für den HA100 wurden zunächst 899 US-Dollar als Kickstarter-Preis genannt. Leistungsfähigere Varianten liegen darüber. Wie die späteren Preise in Deutschland aussehen, bleibt abzuwarten.

Auch Anker arbeitet mit MindBase an einem Smart-Home-Hub mit lokaler KI-Verarbeitung, Matter 1.5 und erweiterbarem Speicher. Lokale Verarbeitung scheint damit langsam wieder stärker in den Vordergrund zu rücken.

Nvidia RTX Spark: ARM-Windows bekommt ordentlich Leistung

Bei den Computern ist Nvidias RTX-Spark-Plattform einen Blick wert.

Mit RTX Spark N1X bringt Nvidia eine Plattform für Windows-Rechner, bei der CPU, GPU und gemeinsamer Speicher eng zusammenarbeiten. Die größere Variante soll bis zu 20 CPU-Kerne, 6.144 Blackwell-RTX-Kerne und maximal 128 GB Unified Memory unterstützen.

Eine kleinere Notebook-Version arbeitet mit 18 CPU-Kernen, 5.120 RTX-Kernen und 24 oder 32 GB Speicher.

Erste Geräte werden bereits ab Oktober erwartet. Lenovo hat unter anderem das Yoga 9n angekündigt, Acer einen kompakten Desktop-Rechner.

Für Word, Browser und E-Mail braucht natürlich niemand solche Hardware. Interessant wird das Ganze bei lokaler KI, Videoverarbeitung und anderen Anwendungen, die große Datenmengen direkt im Speicher benötigen.

Da RTX Spark auf ARM basiert, bleibt allerdings eine wichtige Frage: Wie gut funktionieren vorhandene Windows-Programme, Spezialsoftware und Treiber damit im Alltag?

Lenovo experimentiert gleichzeitig weiter mit ungewöhnlichen Displays. Project Swan besitzt ein OLED-Display, das sich horizontal von ungefähr 14 auf 17 Zoll erweitern lässt.

Acer zeigt mit DualPlay Mini eine Mischung aus kleinem Notebook und Gaming-Handheld. Beides sind momentan eher Geräte zum Anschauen als Produkte, die man sofort auf die Einkaufsliste setzen müsste.

Fernseher: dünner, größer und natürlich mit KI

Auch bei den Fernsehern geht das Wettrüsten weiter.

LG zeigt seinen sehr dünnen OLED evo Wallpaper TV W6 sowie große Micro-RGB-evo-Fernseher. Zum Einsatz kommt der α11-AI-Prozessor der dritten Generation, der unter anderem für Bildverarbeitung und 4K-Skalierung zuständig ist.

Samsung geht bei der IFA 2026 einen ungewöhnlichen Weg. Einen klassischen großen Samsung-Messestand auf dem IFA-Gelände gibt es nicht. Der Hersteller präsentiert seine Neuheiten stattdessen im Humboldt Carré in Berlin und ist auf der eigentlichen Messe hauptsächlich als Sponsor des Creator Hub vertreten.

Wer hauptsächlich wegen Samsung zur IFA fahren möchte, sollte das vorher wissen.

RugOne Xsnap 7 Pro: Smartphone mit abnehmbarer Kamera

Zwischen all den Fernsehern und KI-Geräten gibt es auch ein paar ungewöhnlichere Sachen.

Dazu gehört das RugOne Xsnap 7 Pro. Das Smartphone besitzt eine abnehmbare Kamera, die separat als Actioncam benutzt werden kann. Die Kamera lässt sich beispielsweise an einer Halterung oder einem Stativ befestigen und danach wieder ins Smartphone einsetzen.

Das Gerät ist nach IP68, IP69K und MIL-STD-810H ausgelegt. Für Outdoor-Einsätze ist das zumindest eine interessante Idee.

Kleine Beamer werden brauchbarer

Auch bei kompakten Projektoren tut sich etwas. Der Aurzen Zip Pro lässt sich zusammenklappen, bietet 1080p und besitzt eine Vierpunkt-Trapezkorrektur.

Solche Geräte ersetzen keinen großen Heimkino-Beamer. Für Reisen, Camping oder eine schnelle Projektion unterwegs werden die kleinen Geräte aber zunehmend interessanter.

Matter und Thread kommen langsam voran

Bei Aqara gibt es neue Thread- und Zigbee-Produkte zu sehen. Die vorgestellten Leuchten sollen über Matter unter anderem mit Apple Home, Google Home, Alexa, SmartThings, Home Assistant und Homey zusammenarbeiten.

Das ist für mich interessanter als die nächste Lampe mit noch mehr RGB-Effekten. Smart Home wird erst dann wirklich praktisch, wenn man beim Kauf eines Gerätes nicht dauerhaft an das System eines einzelnen Herstellers gebunden ist.

Was spricht für einen Besuch der IFA 2026?

Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Man kann die Technik anfassen und selbst ausprobieren. Ein großer Fernseher, ein faltbarer Rechner oder eine Powerstation wirken auf einem Foto anders als direkt vor einem.

Die Auswahl ist ebenfalls riesig. Computer, Netzwerktechnik, Solar, Audio, Smart Home und Haushaltsgeräte befinden sich auf einem Messegelände.

Ein Erwachsenen-Ticket kostete im Online-Vorverkauf 21,50 Euro, vor Ort werden 28 Euro verlangt. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren kommen kostenlos hinein.

Das Messegelände ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Kostenloses WLAN und Ladestationen gibt es ebenfalls.

Und was nervt an der IFA?

Die Größe der Messe ist gleichzeitig ihr größter Nachteil. Bei rund 2.000 Ausstellern kann man nicht morgens hineingehen und erwarten, am Abend wirklich alles gesehen zu haben.

Wer bestimmte Hersteller besuchen möchte, sollte sich vorher einen Plan machen und die entsprechenden Hallen heraussuchen.

Dazu kommen die Menschenmengen. Bei rund 220.000 erwarteten Besuchern werden bekannte Stände zwangsläufig voll. Wer sich Geräte in Ruhe ansehen und technische Fragen stellen möchte, dürfte unter der Woche bessere Chancen haben als mitten im Wochenende.

Auch sind längst nicht alle großen Technikhersteller mit einem normalen Messestand vertreten. Apple, Microsoft und Garmin gehören beispielsweise nicht zu den großen regulären Ausstellern. Samsung hat seine eigentliche Präsentation sogar aus den Messehallen herausgenommen.

Und dann wäre da noch die KI.

Gefühlt bekommt 2026 jedes zweite Gerät auf der IFA irgendwo ein „AI“ in den Namen oder auf die Verpackung. Manchmal steckt tatsächlich interessante Technik dahinter, etwa wenn Daten lokal verarbeitet werden. Bei anderen Produkten fragt man sich schon, ob die KI-Funktion wirklich einen Vorteil bringt oder ob ohne die beiden Buchstaben einfach das Verkaufsargument für 2026 fehlen würde.

https://www.ifa-berlin.com/de

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