Ruuvi Air im Wohnzimmer – Luftqualität auf einen Blick


Werbung – Der RuuviAir wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gab keine Bezahlung und keine Vorgaben zum Inhalt. Dies ist mein persönlicher Erfahrungsbericht.

Eigentlich war der Plan ganz unspektakulär: Sensor auspacken, an den Strom hängen, mit der App auf dem Smartphone verbinden – fertig.
Der kleine weiße Würfel aus Finnland sollte mir einfach zeigen, wie gut oder schlecht die Luft in meinem Wohnzimmer ist. Kaum lief er, zeigte sich aber etwas, das mich als Funkamateur sofort mehr interessiert hat als jeder CO₂-Wert: Das Bluetooth-Signal reicht erstaunlich weit.

Aber der Reihe nach.

Was ist der Ruuvi Air?

Der Ruuvi Air ist ein Luftqualitäts-Monitor für Innenräume des finnischen Herstellers Ruuvi Innovations – bekannt vor allem durch die kleinen RuuviTag-Sensoren, die in vielen Bastler- und Smart-Home-Setups stecken. Gebaut wird er in Finnland, der Listenpreis liegt bei 149 €.

Im Inneren arbeiten im Wesentlichen drei Bausteine:

  • Sensirion SEN66 – ein kompaktes Sensormodul, das CO₂, Feinstaub, VOC, NOₓ, Temperatur und Luftfeuchte in einem Gehäuse vereint, samt kleinem Lüfter, der Raumluft durch die Messkammer zieht
  • Infineon DPS368 – ein präziser Luftdrucksensor
  • Nordic nRF52840 – der Funkchip, der die Messwerte per Bluetooth Low Energy aussendet

Der Würfel misst rund 62 × 62 × 72 mm und wiegt 70 g. Versorgt wird er über USB-C, ein Netzteil liegt bei – einen Akku gibt es nicht, der Lüfter will dauerhaft Strom. Mit typisch unter 24 dB(A) ist er im Wohnzimmer nicht zu hören. Ein Display hat der Ruuvi Air nicht, dafür eine mehrfarbige Status-LED, die den Luftqualitäts-Index auf einen Blick anzeigt. Firmware, Apps und Schaltplan sind Open Source.

Was gemessen wird

Sieben Messgrößen in einem Gerät – und dazu ein zusammenfassender Index. Die Werte laut Hersteller-Datenblatt:

MessgrößeBereichGenauigkeit (typ.)Was sie verrät
CO₂0–40.000 ppm±(50 ppm + 2,5 %) bis 1.000 ppmwie verbraucht die Luft ist – der beste Lüftungsanzeiger
Feinstaub PM1 / PM2,5 / PM4 / PM100–1.000 µg/m³PM2,5: ±5 µg/m³ + 5 %Kochen, Kerzen, Staub, Pollen, Außenluft
VOC-Index1–500–Ausdünstungen aus Putzmitteln, Möbeln, Küche
NOₓ-Index1–500–Verbrennungsgase: Gasherd, Kerzen, Verkehr
Temperatur–±0,45 °CRaumklima
Luftfeuchte–±4,5 % rFWohlfühlbereich, Schimmelrisiko, dazu Taupunkt und absolute Feuchte
Luftdruck500–1.155 hPa±1 hPa absolutWettertrend – auch im Wohnzimmer

Zwei Werte brauchen eine kurze Erklärung, weil sie nicht in ppm oder µg/m³ angegeben werden:

  • VOC-Index (flüchtige organische Verbindungen) – ein relativer Wert, den der Sensor selbst lernt. 100 entspricht dem Durchschnitt der letzten 24 Stunden in genau diesem Raum. Liegt der Wert darüber, dünstet gerade mehr aus als sonst – etwa beim Kochen oder Putzen.
  • NOₓ-Index (Stickoxide) – hier ist 1 der saubere Normalfall. Steigt der Wert, brennt irgendwo etwas oder Abgase ziehen von draußen herein.

Man kann sich den VOC-Index wie ein Ohr vorstellen, das sich an die Grundlautstärke gewöhnt: Veränderungen hört es sofort, eine dauerhaft hohe Grundbelastung irgendwann nicht mehr. Für die Frage „Sollte ich lüften?“ bleibt CO₂ deshalb der verlässlichere Wert.

Aus Feinstaub und CO₂ berechnet Ruuvi zusätzlich einen Indoor Air Quality Score von 0 bis 100 – genau den zeigt die LED am Gerät in Ampelfarben an.

Die App: Ruuvi Station

Das Wichtigste vorweg: Der Ruuvi Air braucht kein Smart Home, keinen Server und keine Cloud. Er arbeitet völlig autark. Die kostenlose App Ruuvi Station für Android und iOS zeigt alle Messwerte direkt an – bei mir läuft sie auf einem Google Pixel.

Das Prinzip ist einfach: Der Sensor sendet seine Werte als sogenannte BLE-Advertisements (kurze Bluetooth-Rundsendungen, vergleichbar mit einer Bake) einfach in den Raum. Jedes Gerät in Reichweite kann mithören – eine feste Kopplung im klassischen Sinn ist dafür nicht nötig.

Was die App bietet:

  • Live-Werte aller Messgrößen auf einem übersichtlichen Dashboard, auch für mehrere Sensoren
  • Verlaufsdiagramme – der Ruuvi Air speichert selbst bis zu 10 Tage im 5-Minuten-Raster und überträgt sie beim nächsten Kontakt aufs Smartphone
  • Alarme per Push, wenn ein Wert eine selbst gesetzte Grenze überschreitet
  • Export der Messdaten
  • eigene Namen und Hintergrundbilder je Sensor, dazu Tipps zur Luftqualität

Ein Konto ist optional. Wer seine Werte auch unterwegs sehen möchte, braucht das separat erhältliche Ruuvi Gateway und die Ruuvi Cloud – für den Alltag zu Hause reicht die App vollkommen.

Erstaunliche Reichweite

Und jetzt zu dem Punkt, der mich als Funkamateur am meisten überrascht hat: Das Bluetooth-Signal des Ruuvi Air reicht extrem weit. Ich hatte mit dem üblichen Bluetooth-Radius gerechnet – ein Zimmer, vielleicht zwei. Tatsächlich empfange ich den Sensor noch an Stellen in der Wohnung, an denen ich das niemals erwartet hätte.

Ein Blick ins Datenblatt erklärt einiges:

  • Der Funkchip nRF52840 sendet mit +8 dBm – das ist für Bluetooth Low Energy am oberen Ende. Viele kleine Sensoren arbeiten mit 0 dBm oder weniger.
  • Ruuvi selbst nennt eine Reichweite von typisch 10 bis 200 m, abhängig von der Umgebung. Auf der Produktseite stehen vorsichtigere 5 bis 20 m in Innenräumen – je nach Empfänger und Hindernissen.
  • Weil der Ruuvi Air am Netzteil hängt, muss er nicht mit jedem Mikroampere geizen. Batteriesensoren senden seltener und leiser, um Strom zu sparen.
  • Zusätzlich zum klassischen Format nutzt er mit dem Datenformat E1 die erweiterten Advertisements von Bluetooth 5, die mehr Daten pro Paket transportieren.

Auf der Empfangsseite spielt natürlich mit, was zuhört: Ein Smartphone mit gutem Bluetooth-Empfänger oder ein ESP32 als Empfänger an günstiger Stelle machen einen großen Unterschied. Wer schon mal mit QRP-Leistung erstaunliche Verbindungen gefahren ist, kennt das Prinzip – am Ende entscheiden Antenne, Standort und ein ruhiges Band.

Zusätzlich: Einbindung in Home Assistant

Weil der Sensor seine Werte offen in die Luft sendet, kann neben dem Smartphone auch jeder andere Empfänger mitlesen. Bei mir ist das Home Assistant auf einem Raspberry Pi. Wichtig: Diese Einbindung ist bei mir nur eine Ergänzung. Der Ruuvi Air läuft genauso weiter in der App, beide hören parallel zu – ohne sich gegenseitig zu stören.

Die Einrichtung war in wenigen Sekunden erledigt:

  1. Voraussetzung ist eine funktionierende Bluetooth-Integration in Home Assistant. Bei mir empfängt der eingebaute Bluetooth-Chip des Pi, dazu kommt ein ESP32 als Bluetooth-Proxy (mit ESPHome) im Büro.
  2. Home Assistant erkennt den Sensor automatisch und zeigt ihn unter Einstellungen → Geräte & Dienste als „Entdeckt“ an.
  3. Ein Klick auf Hinzufügen – fertig. Die Integration heißt RuuviTag BLE und unterstützt den Ruuvi Air seit Home Assistant 2025.11. Ein Ruuvi Gateway ist dafür nicht nötig.

Danach stehen Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, CO₂, PM2,5, VOC- und NOₓ-Index als eigene Sensoren zur Verfügung. Bei mir sind sie in mein selbst gebautes Raumklima-Dashboard gewandert: Der Ruuvi Air ist dort jetzt die Hauptquelle für das Wohnzimmer, mit 24-Stunden-Verläufen und Umschalter für jede Messgröße.

Der eigentliche Mehrwert von Home Assistant liegt aber woanders: Die Werte lassen sich mit allem anderen im Haus verknüpfen. Eine Meldung, wenn der CO₂-Wert länger über 1.200 ppm liegt, läuft bei mir für einen anderen Raum bereits – so etwas ist auch fürs Wohnzimmer schnell eingerichtet.

Fazit

Der Ruuvi Air ist ein durchdachtes kleines Gerät: sieben Messgrößen auf Basis eines bewährten Sensirion-Moduls, eine schlichte Status-LED, offene Firmware und eine App, die ohne Konto und Cloud auskommt. Wer einfach nur wissen möchte, wann gelüftet werden sollte, ist damit sofort versorgt. Wer ein Smart Home betreibt, bindet ihn zusätzlich in wenigen Sekunden in Home Assistant ein.

Für mich als Funkamateur kommt die Reichweite als kleine Überraschung obendrauf. In den nächsten Tagen werde ich mir genauer anschauen, wie weit das Signal wirklich trägt und wie sich die Werte im Tagesverlauf entwickeln – beim Kochen, beim Lüften und wenn abends Besuch da ist.

Ich freue mich über eure Erfahrungen mit dem Ruuvi Air oder anderen Luftsensoren – gerne auch, wie weit euer Bluetooth reicht.

Quellen

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