Meteore leuchten nicht nur am Nachthimmel auf – man kann sie auch hören und im Funkspektrum sichtbar machen. Möglich macht das die sogenannte Meteorscatter-Beobachtung: Man empfängt nicht den Meteor selbst, sondern die kurze Reflexion eines weit entfernten Senders an der ionisierten Luftsäule, die ein verglühender Meteor in der Atmosphäre hinterlässt. Das Ergebnis sind charakteristische kurze „Pings“, die man sowohl akustisch als auch im Wasserfalldiagramm eines SDR-Empfängers beobachten kann.
Gerade jetzt lohnt sich das Ausprobieren besonders: Mitte August erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt, und in den frühen Morgenstunden ist mit deutlich mehr Pings zu rechnen als sonst.
Das Prinzip in Kürze
Ein Meteor selbst sendet kein Funksignal aus. Was man wahrnimmt, ist Vorwärtsstreuung („forward scatter“): Ein starker, weit entfernter Sender wird für den Bruchteil einer Sekunde bis zu einigen Sekunden an der Ionisationsspur des Meteors „gespiegelt“ und dadurch am eigenen Empfangsort hörbar bzw. sichtbar, obwohl der Sender selbst normalerweise außer Reichweite liegt (VHF-Ausbreitung ist normalerweise auf Sichtweite begrenzt).
Der in Europa gebräuchlichste Bezugssender dafür ist das französische Weltraumüberwachungsradar GRAVES bei Dijon. Es sendet rund um die Uhr mit hoher Leistung auf 143,050 MHz und ist von Deutschland aus zuverlässig per Meteorscatter empfangbar – deshalb hat es sich als Standard-Bake für Hobby-Meteorbeobachter und Funkamateure in ganz Mitteleuropa etabliert.
Was du brauchst
- Einen VHF-Empfänger oder SDR-Dongle – ein einfacher RTL-SDR-Stick (ca. 20–30 €) reicht für den Einstieg völlig aus.
- Eine Antenne für 2 m – schon ein einfacher Dipol oder eine kleine Yagi funktioniert; eine Richtantenne bringt spürbar mehr Pings.
- Einen PC oder Raspberry Pi zum Auswerten des Signals.
- Freie Software zum Empfangen und Sichtbarmachen (siehe unten).
Eine Sendelizenz wird für den reinen Empfang nicht benötigt – jeder darf zuhören und mitschneiden.
Alternative: Empfang ganz ohne eigene Hardware (WebSDR)
Wer erst einmal reinschnuppern möchte, braucht nicht einmal einen eigenen SDR-Stick. Weltweit gibt es hunderte öffentlich zugängliche WebSDR- und KiwiSDR-Empfänger, die sich kostenlos direkt im Browser fernsteuern lassen – Frequenz, Modus und Lautstärke stellt man einfach auf der Webseite ein.
Besonders praktisch: Der WebSDR der Sternwarte CAMRAS in Dwingeloo (Niederlande) ist extra für die Meteorbeobachtung eingerichtet. Einfach im Browser websdr.camras.nl:8901 aufrufen, das 2-m-Band wählen, die Frequenz auf 143.048 MHz (bzw. 143,050 MHz) stellen und den Modus USB einstellen – schon sind die GRAVES-Meteor-Pings live zu hören und im Wasserfall des WebSDR zu sehen, ganz ohne eigene Hardware.
Weitere Empfänger – etwa näher an Frankreich für noch bessere Bedingungen – lassen sich über Verzeichnisse wie websdr.org oder kiwisdr.com finden, dort kann man nach Standort und abgedecktem Frequenzbereich filtern.
Ein Hinweis für alle, die automatisch mitzählen oder aufzeichnen lassen wollen (z. B. mit Echoes oder Spectrum Lab, siehe unten): Das Audio des WebSDR lässt sich über eine virtuelle Audio-Kabel-Software (z. B. VB-Cable) in die Auswertesoftware auf dem eigenen PC einspeisen – so funktioniert die automatische Trigger- und Log-Funktion auch ganz ohne eigenen Empfänger.

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Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wer lieber mit eigener Hardware startet, findet hier die komplette Einrichtung von SDR-Stick bis Antenne:
1. Antenne ausrichten
Von Berlin (JO62PL) aus liegt GRAVES bei Dijon in Richtung Südwest, etwa 230°. Wer eine Richtantenne (Yagi) verwendet, richtet sie grob auf diesen Azimut aus. Mit einer Rundstrahlantenne (Dipol, Groundplane) funktioniert es auch, nur mit etwas weniger Empfindlichkeit.
2. SDR-Stick anschließen und Treiber installieren
RTL-SDR-Stick per USB anschließen. Unter Windows die Zadig-Treiber für RTL-SDR installieren, unter Linux/Raspberry Pi reicht in der Regel sudo apt install rtl-sdr. Mit rtl_test lässt sich prüfen, ob der Stick erkannt wird.
3. Empfangssoftware installieren
Für den Einstieg genügt eine einfache SDR-Software mit Wasserfalldarstellung:
- SDR++ (Windows/Linux/Mac) – kostenlos, übersichtlich, guter Wasserfall.
- GQRX (Linux/Mac) – ebenfalls kostenlos, etwas technischer.
Für automatische Erkennung, Zählung und Aufzeichnung von Pings eignet sich später:
- Echoes (Open Source, speziell für RTL-SDR und Meteorscatter entwickelt) – erkennt Pings automatisch und führt Statistiken.
- Spectrum Lab – der etablierte Klassiker in der Meteorscatter-Szene, deutlich komplexer in der Konfiguration, dafür sehr mächtig (automatische Logs, Trigger, Aufzeichnung).
Für den ersten Test reicht SDR++ oder GQRX völlig aus.
4. Frequenz einstellen
Empfänger auf 143,050 MHz einstellen, Modulationsart CW oder schmalbandiges SSB wählen (Bandbreite ca. 1–3 kHz reicht). GRAVES sendet ein gepulstes Radarsignal, das im Ruhezustand als leises, moduliertes Rauschen bzw. Knattern zu hören ist.
5. Warten und beobachten
Jetzt heißt es abwarten. Sobald ein Meteor die Sichtlinie zwischen Dijon und dem eigenen Standort kreuzt, erscheint für einen kurzen Moment ein deutlich hörbarer Ton – von einem kurzen „Blip“ bei kleinen Meteoren bis zu einem mehrere Sekunden langen, absteigenden „Pfeifen“ bei größeren Ereignissen („Feuerkugeln“/Boliden können sogar minutenlange Echos erzeugen). Im Wasserfall der Software ist das als kurzer, heller Streifen quer zur Trägerfrequenz sichtbar.
6. Aufzeichnung automatisieren (optional)
Wer nicht ständig vor dem Bildschirm sitzen möchte, richtet in Echoes oder Spectrum Lab eine Trigger-Funktion ein: Die Software zeichnet nur dann eine Audio- bzw. Bilddatei auf, wenn der Signalpegel einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. So lässt sich über Nacht oder über mehrere Tage automatisch mitschneiden und anschließend auswerten, ohne selbst zuzuhören.
Beste Beobachtungszeiten
Grundsätzlich sind die frühen Morgenstunden (nach Mitternacht bis kurz vor Sonnenaufgang) ergiebiger, weil die Erde dann mit ihrer Rotationsseite voran durch den interplanetaren Staub pflügt und dadurch mehr Meteore in die Atmosphäre eintreten. Zusätzlich lohnt sich eine Beobachtung gezielt während aktiver Meteorschauer – aktuell also während der Perseiden Mitte August, später im Jahr etwa bei den Geminiden im Dezember.
Bonus für Funkamateure: eigene Meteorscatter-Verbindungen
Das gleiche physikalische Prinzip nutzen Funkamateure aktiv, um über Meteorspuren Verbindungen auf 2 m und 6 m herzustellen. Mit dem Digimode MSK144 in WSJT-X lassen sich über die kurzen Reflexionsfenster Verbindungen über mehrere hundert Kilometer aufbauen – ein spannender nächster Schritt, wenn das reine Beobachten Spaß gemacht hat.
Fazit
Mit vergleichsweise einfachem Equipment – einem günstigen SDR-Stick, einer einfachen VHF-Antenne und kostenloser Software – lässt sich das faszinierende Phänomen der Meteore auch dann beobachten, wenn der Himmel bewölkt ist oder tagsüber Meteorschauer aktiv sind. Ein Blick (und ein Ohr) auf 143,050 MHz lohnt sich – besonders in diesen Tagen rund um die Perseiden.
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