Wetter-Apps, Regenradar und Satellitenbilder sind heute für viele von uns völlig selbstverständlich. Man schaut morgens kurz aufs Smartphone und weiß ungefähr, ob am Nachmittag Regen kommt oder ob sich vielleicht ein Gewitter zusammenbraut.
Damit solche Vorhersagen überhaupt möglich sind, braucht es allerdings jede Menge Messdaten. Ein wichtiger Teil davon kommt aus dem Weltraum.
Am 27. August 2026 ist mit MTG-I2 ein weiterer neuer europäischer Wettersatellit gestartet. Er gehört zur dritten Generation der Meteosat-Satelliten und trägt künftig den Namen Meteosat-14.
Mit seinem Start ist nun das erste Trio der neuen Meteosat-Generation komplett.
Start mit einer Ariane 6
MTG-I2 wurde vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Als Trägerrakete kam eine Ariane 6 zum Einsatz.
Der Satellit ergänzt die bereits gestarteten Satelliten MTG-I1 und MTG-S1.
Das klingt zunächst einmal nach vielen Abkürzungen. Vereinfacht gesagt erfüllen die Satelliten unterschiedliche Aufgaben.
Die sogenannten Imager machen gewissermaßen hochauflösende Wetterbilder der Erde. Die Sounder können zusätzlich verschiedene Schichten der Atmosphäre untersuchen und beispielsweise Informationen über Temperatur und Luftfeuchtigkeit liefern.
Gemeinsam entsteht daraus ein ziemlich leistungsfähiges Beobachtungssystem.
Europa alle 2,5 Minuten im Blick
Besonders interessant ist die Geschwindigkeit.
Das neue Meteosat-System kann Europa künftig im Abstand von nur etwa 2,5 Minuten vollständig erfassen.
Gerade bei schnell entstehenden Gewittern und Unwettern können wenige Minuten einen erheblichen Unterschied machen.
Wetterdienste können dadurch unter anderem besser erkennen, wie sich große Gewitterzellen entwickeln, wohin sie ziehen und wie schnell sie stärker werden.
Die Daten helfen deshalb nicht nur dabei, die Wettervorhersage für die nächsten Tage zu verbessern. Vor allem sehr kurzfristige Warnungen vor gefährlichen Wetterlagen können genauer und schneller werden.
Deutlich mehr Daten als bisher
Gegenüber den bisherigen Meteosat-Satelliten gibt es einen ordentlichen technischen Sprung.
Die dritte Meteosat-Generation liefert eine höhere räumliche und zeitliche Auflösung und insgesamt eine hundertfach höhere Datenrate als die Vorgängergeneration.
Das bedeutet vereinfacht gesagt:
Mehr Messwerte, mehr Details und häufigere aktuelle Bilder.
Wer sich selbst regelmäßig Satellitenbilder anschaut, dürfte von der neuen Generation also ebenfalls profitieren. Wolkenfelder und deren Veränderungen können wesentlich genauer verfolgt werden.
Auch Blitze werden aus dem Weltraum beobachtet
Eine weitere interessante Neuerung ist der sogenannte Lightning Imager.
Damit können Blitze aus dem Weltraum erfasst werden.
Das ist besonders bei der Beobachtung schwerer Gewitter interessant. Eine plötzlich stark zunehmende Blitzaktivität kann insbesondere ein Hinweis darauf sein, dass sich eine Gewitterzelle kurzfristig verstärkt.
Die Kombination aus Satellitenbildern, Blitzmessungen, Radar und den klassischen Wetterstationen am Boden gibt Meteorologen damit ein wesentlich genaueres Bild davon, was gerade in unserer Atmosphäre passiert.
Nicht nur für die Wetter-App
Wettersatelliten sind natürlich nicht nur dafür da, damit wir morgens wissen, ob wir einen Regenschirm mitnehmen sollten.
Die Daten spielen inzwischen in vielen Bereichen eine wichtige Rolle.
Feuerwehren und Katastrophenschutz können früher vor Unwettern gewarnt werden. Auch Luftfahrt, Schifffahrt, Landwirtschaft, Energieversorgung und Küstenschutz sind auf möglichst zuverlässige Wetterinformationen angewiesen.
Gerade bei Starkregen, Sturm oder schweren Gewittern kann eine frühere Warnung ganz konkrete Auswirkungen haben.
Auch langfristige Veränderungen unseres Klimas lassen sich durch die kontinuierlichen Messreihen der Satelliten beobachten.
Eine lange Meteosat-Geschichte
Ganz neu ist Meteosat natürlich nicht.
Bereits 1977 begann mit Meteosat-1 die kontinuierliche europäische Wetterbeobachtung aus dem Weltraum.
Seitdem wurde die Technik immer weiter verbessert.
Nach der ersten Generation folgte ab 2002 die zweite Meteosat-Generation. Jetzt erfolgt nach und nach der Wechsel auf Meteosat Third Generation – MTG.
Insgesamt besteht die neue Baureihe aus sechs Satelliten.
Geplant sind vier Satelliten mit bildgebenden Instrumenten und zwei sogenannte Sounder. Sie werden nicht alle gleichzeitig gestartet, sondern nach und nach in Betrieb genommen und sollen über viele Jahre für kontinuierliche Wetterdaten sorgen.
Die weiteren Satelliten der Serie sollen bis etwa 2040 gestartet werden.
Auch viel deutsche Technik an Bord
An dem europäischen Programm ist Deutschland stark beteiligt.
Nach Angaben des DLR liegt der deutsche Anteil an der Entwicklung der MTG-Satelliten bei etwa 30 Prozent.
Unter anderem baut OHB die Plattformen der Satelliten und ist an den Infrarot-Soundern beteiligt. Airbus Defence and Space arbeitet am Sentinel-4-Instrument, mit dem unter anderem die Luftqualität über Europa untersucht werden kann.
Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist an der Verarbeitung und Auswertung entsprechender Daten beteiligt.
Hinter einem Wettersatelliten steckt also wesentlich mehr europäische und deutsche Technik, als man beim schnellen Blick auf eine Wetter-App vielleicht vermuten würde.
Mein Fazit
Ich empfinde solche Projekte als interessant, weil sie hervorragend zeigen, welchen direkten Nutzen Raumfahrt im ganz normalen Alltag haben kann.
Ein neuer Wettersatellit klingt zunächst nach einem relativ weit entfernten technischen Thema. Am Ende landen seine Messungen aber möglicherweise wenige Minuten später in Wettermodellen, Warnsystemen und irgendwann auch in den Karten und Apps, die wir selbst benutzen.
Gerade die Möglichkeit, Europa etwa alle 2,5 Minuten neu zu erfassen, dürfte bei schnell entstehenden Gewittern und Unwettern einen deutlichen Fortschritt bringen.
Und für alle, die wie ich gerne selbst Wetter-, Satelliten- und Radarbilder beobachten, bedeutet die neue Meteosat-Generation vor allem eines:
Mehr Daten, aktuellere Bilder und einen noch genaueren Blick auf das Wetter über unseren Köpfen.
Weitere Informationen und Quellen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Meldung zum Start von MTG-I2:
Informationen des DLR zu EUMETSAT und den Meteosat-Satelliten:
https://www.dlr.de/de/ar/themen-missionen/erde-klima/klima/eumetsat
EUMETSAT – Meteosat Third Generation:
https://www.eumetsat.int/meteosat-third-generation
EUMETSAT:
Europäische Weltraumorganisation ESA:
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