Morgen, am Mittwoch, 12. August 2026, lohnt es sich nicht nur, den Blick in Richtung Himmel zu richten. Auch für Funkamateure dürfte die Sonnenfinsternis ausgesprochen interessant werden.
Während in Teilen Europas sogar eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten ist, wird die Sonne in Deutschland zu einem sehr großen Teil vom Mond bedeckt.
Für mich bei DL7AG in JO62PL ist allerdings noch etwas anderes spannend:
Was passiert während der Sonnenfinsternis auf unseren Amateurfunkbändern?
Denn eine Sonnenfinsternis ist nicht nur ein optisches Schauspiel. Innerhalb relativ kurzer Zeit verändert sich die Sonneneinstrahlung auf einen großen Teil der Atmosphäre – und damit auch die Ionosphäre, die für unsere Kurzwellenverbindungen entscheidend ist.
Genau deshalb werde ich morgen neben dem Himmel auch die Funkbedingungen und insbesondere WSPR im Auge behalten.

Was passiert bei einer Sonnenfinsternis?
Eigentlich ist der Vorgang recht einfach.
Bei einer Sonnenfinsternis befinden sich Sonne, Mond und Erde nahezu auf einer Linie. Der Mond bewegt sich zwischen Erde und Sonne und wirft dabei seinen Schatten auf die Erde.
Dabei entstehen unterschiedliche Schattenbereiche.
Im sogenannten Kernschatten – der Umbra – verdeckt der Mond die Sonne vollständig. Dort erlebt man eine totale Sonnenfinsternis.
Sehr viel größer ist der Halbschatten – die Penumbra. Dort wird nur ein Teil der Sonnenscheibe verdeckt und man erlebt eine partielle Sonnenfinsternis.
Am 12. August 2026 zieht die Totalitätszone unter anderem über Grönland, Island, den Nordatlantik und Spanien. Ein kleiner Teil Portugals liegt ebenfalls innerhalb dieser Zone.
Große Teile Europas erleben dagegen eine partielle Sonnenfinsternis.
NASA-Karte und Informationen:
https://science.nasa.gov/eclipses/future-eclipses/total-solar-eclipse-on-august-12-2026
Was sehen wir bei DL7AG / JO62PL?
Mein Standort JO62PL liegt im Raum Berlin/Brandenburg und damit deutlich außerhalb der Totalitätszone.
Trotzdem wird die Sonnenfinsternis hier ausgesprochen deutlich ausfallen.
Für Berlin werden ungefähr folgende Werte angegeben:
Beginn: ca. 19:15 Uhr MESZ
Maximum: ca. 20:08 Uhr MESZ
Bedeckung der Sonnenfläche: ca. 84,9 Prozent
Magnitude: ca. 0,874
Das bedeutet: Zum Maximum bleibt nur noch ein vergleichsweise kleiner Teil der Sonnenscheibe sichtbar.
Eine Besonderheit ist die Uhrzeit.
Die Sonne steht bereits sehr tief am westlichen Horizont. Wer die Finsternis beobachten möchte, benötigt deshalb möglichst freie Sicht nach Westen.
Je nach genauer Position geht die Sonne noch während der ausklingenden partiellen Phase unter.
Weitere Berechnungen:
https://www.timeanddate.com/eclipse/in/germany/berlin?iso=20260812
Für Berlin ist es übrigens die stärkste Sonnenfinsternis seit langer Zeit. Die Stiftung Planetarium Berlin nennt ebenfalls rund 85 Prozent Bedeckung beim Maximum gegen 20:08 Uhr.
Jetzt wird es für Funkamateure interessant
Der eigentliche Grund, warum die Sonnenfinsternis auch auf DL7AG.de gehört, befindet sich ungefähr 60 bis mehrere hundert Kilometer über unseren Köpfen.
Die Ionosphäre wird wesentlich durch die Strahlung der Sonne beeinflusst.
UV- und Röntgenstrahlung ionisieren dort Atome und Moleküle. Dadurch entstehen freie Elektronen und verschiedene ionisierte Bereiche, die wir Funkamateure normalerweise vereinfacht als D-, E- und F-Schichten bzw. Regionen bezeichnen.
Und genau diese Ionisation ermöglicht beziehungsweise beeinflusst die Ausbreitung unserer Kurzwellen.
Die Besonderheit morgen:
Mitten am Tag beziehungsweise frühen Abend wird die Sonneneinstrahlung plötzlich massiv reduziert.
Für einen begrenzten Bereich der Erde entsteht damit für die Ionosphäre gewissermaßen ein sehr schneller künstlicher Sonnenuntergang – und kurz danach wieder ein Sonnenaufgang.
Natürlich ist das stark vereinfacht, aber gerade deshalb sind Sonnenfinsternisse für Untersuchungen der Ionosphäre ausgesprochen interessant.

Besonders interessant: die D-Schicht
Für Funkamateure dürfte insbesondere die untere Ionosphäre interessant sein.
Die tagsüber ausgeprägte D-Region absorbiert einen Teil der Kurzwellenenergie. Besonders deutlich macht sich das auf den niedrigeren Frequenzen bemerkbar.
Nach Sonnenuntergang nimmt die Ionisation der D-Region schnell ab.
Deshalb funktionieren beispielsweise 80 Meter und 40 Meter nachts häufig wesentlich besser über größere Entfernungen als tagsüber.
Während einer Sonnenfinsternis passiert etwas Ähnliches – allerdings nur vorübergehend und räumlich begrenzt.
Durch die stark reduzierte Sonnenstrahlung kann die Ionisation der unteren Ionosphäre zurückgehen.
Historische Messungen während früherer totaler Sonnenfinsternisse haben deutliche Veränderungen der Funkwellenausbreitung gezeigt. Bereits während der europäischen Sonnenfinsternis von 1999 wurden umfangreiche Beobachtungen von Funkamateuren und wissenschaftlichen Einrichtungen gesammelt.
Genau das macht den morgigen Abend so interessant.
Was könnte auf den Amateurfunkbändern passieren?
Man sollte keine Wunder erwarten. Eine Sonnenfinsternis bedeutet nicht automatisch, dass plötzlich jedes Band offen ist.
Aber Veränderungen sind durchaus möglich.
Besonders interessant dürften für mich sein:
80 Meter
Durch eine reduzierte D-Schicht-Absorption könnten Signale früher als normalerweise am Abend über größere Entfernungen hörbar werden.
40 Meter
Auch hier könnte sich eine geringere Absorption bemerkbar machen. Gerade europäische Verbindungen beziehungsweise WSPR-Spots könnten interessant werden.
20 Meter
Hier wird es spannend, weil nicht nur die Absorption, sondern auch Veränderungen der höheren Ionosphäre eine Rolle spielen können.
15 und 10 Meter
Auf den höheren Bändern ist eine Vorhersage wesentlich schwieriger. Veränderungen der Elektronendichte können bestehende Ausbreitungswege verändern oder sogar verschwinden lassen.
Es geht deshalb weniger darum, dass die Bedingungen generell „besser“ werden.
Viel interessanter ist:
Verändern sie sich messbar?
WSPR ist dafür nahezu perfekt
Und damit kommen wir zu meinem derzeitigen Lieblingsthema auf DL7AG.de.
WSPR – Weak Signal Propagation Reporter.
Normalerweise freue ich mich natürlich darüber, wenn mein WSPR-Signal irgendwo auf der Welt mit extrem kleiner Leistung empfangen wird.
Morgen bekommt das Ganze aber einen zusätzlichen wissenschaftlichen Reiz.
WSPR liefert nämlich kontinuierlich Daten:
Empfangsstation
Entfernung
Band
Uhrzeit
Signalstärke beziehungsweise SNR
Frequenz
Damit lässt sich hervorragend beobachten, ob sich während der Sonnenfinsternis bestimmte Funkwege verändern.
Mein kleines DL7AG-WSPR-Experiment
Ich werde deshalb versuchen, die Zeit vor, während und nach der Sonnenfinsternis miteinander zu vergleichen.
Besonders interessant wird das Zeitfenster ungefähr zwischen:
18:30 und 21:00 Uhr MESZ.
Dabei werde ich insbesondere darauf achten:
Wie viele WSPR-Spots werden empfangen?
Welche Entfernungen werden erreicht?
Verändert sich das SNR bestehender Verbindungen?
Tauchen plötzlich neue Empfangsstationen auf?
Verschwinden bisher stabile Funkwege?
Gibt es Unterschiede zwischen 80, 40, 20, 15 und 10 Meter?
Und vor allem:
Lässt sich eine Veränderung zeitlich mit dem Verlauf des Mondschattens in Verbindung bringen?
Da meine WSPR-Aktivität regelmäßig zwischen mehreren Amateurfunkbändern wechselt und meine Aussendungen von vielen Stationen empfangen werden, könnte daraus ein durchaus interessanter Datensatz entstehen.
DL7AG WSPR LIVE während der Sonnenfinsternis
Wer das Ganze verfolgen möchte, kann parallel meine WSPR-Daten beobachten.
Auf meiner eigens entwickelten Seite DL7AG WSPR LIVE werden aktuelle WSPR-Empfangsdaten, Bänder, Entfernungen und Empfangsstationen dargestellt.

Gerade morgen könnte es interessant sein, diese Seite während der Finsternis geöffnet zu lassen.
Vielleicht sehen wir tatsächlich live, wie sich einzelne Ausbreitungswege verändern.
Warum eine Sonnenfinsternis für Funkexperimente so interessant ist
Normalerweise verändert sich die Ionosphäre kontinuierlich.
Die Sonne geht langsam unter, die Jahreszeit verändert sich, die Sonnenaktivität schwankt und zusätzlich wirken geomagnetische Einflüsse.
Eine Sonnenfinsternis bietet dagegen ein außergewöhnliches Experiment:
Die Sonneneinstrahlung wird innerhalb sehr kurzer Zeit stark reduziert und anschließend wieder erhöht.
Und das Ganze passiert über einem geografisch genau bekannten Gebiet.
Man kennt ziemlich exakt:
den Verlauf des Mondschattens,
die Uhrzeit,
den Grad der Bedeckung
und die Geschwindigkeit, mit der sich der Schatten bewegt.
Damit lassen sich Veränderungen der Funkwellenausbreitung wesentlich besser mit einem konkreten Ereignis vergleichen.
Genau deshalb wurden Sonnenfinsternisse bereits mehrfach für wissenschaftliche Untersuchungen der Ionosphäre und Funkwellenausbreitung genutzt.
Sonnenfinsternis LIVE – diese Streams sind angekündigt
Wer selbst keine freie Sicht auf die Sonne hat oder zusätzlich die Totalität sehen möchte, kann morgen mehrere Livestreams verfolgen.
ESA – live aus Spanien
Besonders interessant dürfte die Übertragung der European Space Agency (ESA) werden.
Die ESA überträgt aus dem Observatorio Astrofísico de Javalambre in Teruel, Spanien – also direkt aus dem Bereich der Totalität.
Beginn der englischsprachigen Übertragung ist laut ESA gegen:
19:30 Uhr MESZ.
Neben Livebildern der Sonnenfinsternis soll es Erklärungen von Wissenschaftlern und Experten geben. Moderiert wird die Sendung von der Weltraumwissenschaftlerin Dame Dr. Maggie Aderin. Unter den Gästen ist unter anderem ESA-Wissenschaftsdirektorin Carole Mundell.
ESA:
https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/Watch_the_total_solar_eclipse_with_ESA_in_Leon
ESA Web TV:
https://www.esa.int/ESA_Multimedia/ESA_Web_TV
YouTube:
https://www.youtube.com/@EuropeanSpaceAgency
Hier würde ich wahrscheinlich zuerst einschalten, wenn ich neben meinen eigenen Beobachtungen nur einen Stream laufen lassen möchte.
timeanddate – mehrere Standorte entlang der Totalitätszone
Ebenfalls angekündigt ist die große Liveübertragung von timeanddate.com.
Das Team will die Sonnenfinsternis mit mehreren Kamerastandorten begleiten. Unter anderem ist ein Feed von Mallorca geplant.
Der große Vorteil dieses Streams dürfte sein, dass zwischen unterschiedlichen Beobachtungsorten gewechselt werden kann, falls an einem Standort Wolken die Sicht verhindern.
Zusätzlich werden Karten, Animationen und der aktuelle Verlauf der Finsternis eingeblendet.
Livestream-Seite:
https://www.timeanddate.com/live/eclipse-solar-2026-august-12
Direkter YouTube-Livestream:
Gerade als zweite Quelle neben der ESA dürfte dieser Stream sehr interessant werden.
2026 Eclipse Live – entlang des Schattenpfades
Eine weitere speziell für dieses Ereignis eingerichtete Übertragung kündigt Kameras unter anderem aus Island, Reykjavík, Nordspanien, der Region Valencia und Mallorca an.
Der Vorteil liegt auch hier in den verschiedenen geografischen Positionen. Der Mondschatten lässt sich dadurch praktisch auf seiner Reise Richtung Europa verfolgen.
Nach Angaben der Betreiber sollen die Übertragungen bereits vor der Totalität beginnen.
Mein Tipp: zwei Fenster öffnen
Wer morgen am Rechner sitzt, könnte es eigentlich genauso machen wie ich:
In einem Fenster:
DL7AG WSPR LIVE
Daneben:
ESA oder timeanddate Livestream.
Dann lässt sich gleichzeitig verfolgen, was optisch mit der Sonne passiert und was auf Kurzwelle geschieht.
Das könnte tatsächlich spannender werden als nur nach draußen zu schauen.
Bitte niemals ohne Schutz in die Sonne schauen!
Bei aller Begeisterung darf ein wichtiger Punkt nicht fehlen.
Auch wenn morgen bei uns rund 85 Prozent der Sonnenfläche verdeckt werden:
Die verbleibende Sonnensichel ist weiterhin gefährlich für die Augen.
Eine normale Sonnenbrille reicht ausdrücklich nicht aus.
Für die direkte Beobachtung müssen geeignete und zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen beziehungsweise entsprechende Sonnenfilter verwendet werden.
Das gilt auch für Kameras, Ferngläser und Teleskope. Bei optischen Geräten gehört ein geeigneter Sonnenfilter vor die Optik.
In Deutschland gibt es morgen keine Totalität. Es gibt daher während der Beobachtung keinen Zeitpunkt, an dem man gefahrlos ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne schauen kann.
Und danach kommen auch noch die Perseiden
Als wäre die Sonnenfinsternis nicht bereits genug, gibt es morgen noch eine schöne Zugabe.
In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreichen auch die Perseiden ihr Maximum.
Und 2026 passen die Bedingungen besonders gut: Die Sonnenfinsternis findet bei Neumond statt. Damit stört in der Nacht kein heller Mond die Beobachtung des Meteorstroms.
Wer also nach der Sonnenfinsternis noch nicht genug vom Himmel hat, sollte später noch einmal nach draußen gehen.
Mein Fazit
Für mich wird die Sonnenfinsternis morgen aus zwei Gründen spannend.
Natürlich möchte ich versuchen, die stark verfinsterte Sonne selbst zu sehen.
Noch interessanter finde ich aber fast die Frage:
Kann ich die Sonnenfinsternis auf Kurzwelle „hören“?
Mit WSPR besitzen wir Funkamateure heute ein hervorragendes Werkzeug, um selbst kleinste Veränderungen der Ausbreitungsbedingungen sichtbar zu machen.
Deshalb werde ich morgen ganz besonders auf meine WSPR-Daten achten.
Vielleicht entsteht daraus anschließend sogar ein zweiter Artikel:
„Was hat die Sonnenfinsternis tatsächlich mit meinen WSPR-Signalen gemacht?“
Die Daten sollten jedenfalls genügend Stoff dafür liefern.
Und genau solche Experimente zeigen für mich immer wieder, was Amateurfunk so interessant macht:
Man dreht nicht einfach nur am Funkgerät.
Man kann damit Vorgänge beobachten, die gerade mehrere hundert Kilometer über unseren Köpfen stattfinden.
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DL7AG
Quellen und weiterführende Informationen
NASA – Total Solar Eclipse 12. August 2026
https://science.nasa.gov/eclipses/future-eclipses/total-solar-eclipse-on-august-12-2026/
ESA – Sonnenfinsternis 2026
https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/Watch_the_total_solar_eclipse_with_ESA_in_Leon
ESA – Europäische Sonnenfinsternisse
https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/European_solar_eclipses
Timeanddate – Berlin
https://www.timeanddate.com/eclipse/in/germany/berlin?iso=20260812
Timeanddate – Livestream
https://www.timeanddate.com/live/eclipse-solar-2026-august-12
DL7AG WSPR LIVE
https://dl7ag.de/wspr-live/
ALLE ANGABEN ohne Gewähr!
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