In Berlin sollen hochauflösende Erdbeobachtungssatelliten entstehen, eine deutsche Rakete soll sie von Norwegen aus ins All bringen. Hinter dem Vorhaben von Planet und Isar Aerospace steht eine größere Frage: Wie viel Kontrolle gewinnt Europa über seinen Blick auf die Erde?
Der Weg ins All beginnt im Reinraum. In Berlin-Mitte hat Planet am 22. September 2026 eine neue Satellitenfertigung eröffnet. Hier sollen künftig Pelican-Satelliten gebaut werden – Erdbeobachter der 300-Kilogramm-Klasse, für die das Unternehmen eine Bildauflösung der 30-Zentimeter-Klasse angibt. Der erste Satellit soll noch vor Jahresende fertig werden. Für Anfang 2027 ist der Start der ersten Berliner Exemplare mit einer Spectrum-Rakete von Isar Aerospace vorgesehen. So steht es in der aktuellen Unternehmensmitteilung von Planet.
Satellitenfertigung in der Hauptstadt, Raketenentwicklung bei München, Startplatz in der norwegischen Arktis: Das Vorhaben verbindet mehrere europäische Standorte zu einer Transport- und Beobachtungskette. Genau darin liegt seine Bedeutung.
Eine Fabrik für den Blick auf die Erde
Die neue Berliner Anlage umfasst 5.700 Quadratmeter. Satelliten sollen dort gebaut, getestet und für den Transport vorbereitet werden. Planet will rund 70 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen; bisher beschäftigt das Unternehmen knapp 150 Menschen in Berlin.
Bemerkenswert ist die geplante Größenordnung: Die Fertigung soll sich auf bis zu 60 Satelliten pro Jahr ausbauen lassen. Noch ist das ein Ziel. Zunächst stehen der Produktionsbeginn im Herbst und die Fertigstellung des ersten Satelliten an. Zwischen einer eröffneten Fabrik und einer verlässlich laufenden Serienproduktion liegt die nächste Bewährungsprobe. Quelle: Planet
Für Planet ist Berlin längst mehr als eine Vertriebsadresse. Die deutschen Wurzeln reichen zur Übernahme des Erdbeobachtungsunternehmens RapidEye im Jahr 2015 zurück. Heute gehören Entwicklung, Missionsbetrieb und Datenverarbeitung zu den Aufgaben am Standort. Mit der Fertigung kommt ein weiterer entscheidender Schritt hinzu: Europa soll die Satelliten nicht nur betreiben und ihre Bilder auswerten, sondern auch selbst produzieren. Quelle: Planet-Hintergrundbericht
Die Rakete hat bereits geliefert
Den Startvertrag schlossen Planet und Isar Aerospace am 2. Juli 2026. Die ursprüngliche Ankündigung sah zunächst einen Pelican-Satelliten vor, weitere sollten folgen. Als frühester Startzeitpunkt galt damals Ende 2026. Inzwischen nennt Planet Anfang 2027. Gestartet werden soll vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen. Quelle: Ankündigung von Isar Aerospace
Spectrum hat unterdessen einen entscheidenden Nachweis erbracht: Am 5. September 2026 brachte die Rakete laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt fünf Kleinsatelliten und ein Experiment erfolgreich in ihre Zielumlaufbahnen. Die Rakete ist 28 Meter lang und soll im regulären Betrieb bis zu 1.000 Kilogramm in eine niedrige Erdumlaufbahn transportieren können. Quelle: DLR
Damit ist allerdings auch eine griffige Schlagzeile überholt: Der geplante Planet-Start wäre nicht pauschal der erste deutsche Satellit auf einer deutschen Rakete. Bereits beim Septemberflug war CyBEEsat der TU Berlin an Bord. Die Universität meldete anschließend erfolgreichen Funkkontakt. Die eigentliche Neuigkeit ist die Verbindung der neuen Berliner Pelican-Fertigung mit dem Startangebot von Isar Aerospace. Quelle: TU Berlin
Wie unabhängig ist „Made in Germany“?
Die politische Hoffnung dahinter ist nachvollziehbar: Wer Satelliten bauen, starten und betreiben kann, gewinnt Handlungsspielraum. Das DLR verfolgt ausdrücklich das Ziel, Europas Zugang zum All auf mehrere Trägersysteme zu verteilen. So soll der Ausfall eines einzelnen Anbieters weniger schwer wiegen. Quelle: DLR
Bei Erdbeobachtung kommt eine weitere Frage hinzu: Wer entscheidet, was aufgenommen wird und wer die Daten erhält? Planet selbst beschreibt Souveränität als Verbindung von technischen Fähigkeiten und tatsächlicher Kontrolle über Betrieb, Daten und Infrastruktur. Quelle: Planet
Die Konzernmutter sitzt weiterhin in San Francisco. Eine Fabrik in Berlin allein beantwortet daher noch nicht alle Fragen zur europäischen Unabhängigkeit. Dafür zählen auch vertragliche Zugriffsrechte und die Kontrolle im Krisenfall. Quelle zu Unternehmensstruktur und Hauptsitz: Planet
Anfang 2027 könnte sich zeigen, wie gut die neue Kette funktioniert: vom Reinraum in Berlin über die Startrampe in Norwegen bis zum ersten Bild aus dem Orbit. Der eigentliche Erfolg wäre, wenn daraus ein verlässlicher Alltag wird.
Stand: 23. September 2026. Produktions- und Starttermine sind angekündigte Planungen.
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