Icom hat in der vergangenen Nacht auf der Tokyo Ham Fair 2026 den neuen IC-7110 offiziell vorgestellt.
Damit ist auch endlich klar, was sich hinter dem in den vergangenen Monaten immer wieder angeteaserten Projektnamen X-026 versteckt hat.
Und ja: Der Name ist kein Zufall.
Der IC-7110 ist ganz klar als Nachfolger des beliebten IC-7100 gedacht, der viele Jahre lang eine ziemlich interessante Sonderstellung hatte: HF, 50 MHz, 2 Meter und 70 Zentimeter in einem einzigen Allmode-Gerät – dazu ein abgesetztes Bedienteil.
Genau dieses Konzept greift Icom jetzt wieder auf, modernisiert es aber ziemlich gründlich.
HF bis 70 Zentimeter in einem Gerät
Der neue IC-7110 deckt praktisch alles ab, was man bei einem klassischen Allband-Transceiver erwartet.
Unterstützt werden:
- HF
- 50 MHz
- 70 MHz bei der europäischen Version
- 144 MHz
- 430 MHz
Bei den Betriebsarten sieht es ebenfalls ordentlich aus.
Vorgesehen sind unter anderem:
SSB, CW, AM, FM, RTTY und natürlich D-STAR Digital Voice.
Damit ist der IC-7110 sowohl für klassische Kurzwellen-QSOs als auch für VHF/UHF-Betrieb und digitale Sprache geeignet.
Bis zu 100 Watt auf Kurzwelle
Beim normalen IC-7110 liegt die maximale Ausgangsleistung bei:
100 Watt auf HF und 50 MHz
sowie
50 Watt auf 144 und 430 MHz.
In Japan sollen außerdem mehrere Leistungsvarianten angeboten werden.
Genannt wurden dort:
IC-7110S
mit 10 Watt auf HF und 20 Watt auf den höheren Bändern,
IC-7110M
mit 50 Watt auf allen Bändern,
und der normale IC-7110
mit 100 Watt auf HF/50 MHz und 50 Watt auf 144/430 MHz.
Welche Varianten davon tatsächlich offiziell nach Deutschland beziehungsweise Europa kommen, muss man noch abwarten.
Das Bedienteil erinnert deutlich an den IC-705
Beim ersten Blick auf den neuen IC-7110 fällt sofort auf, dass Icom das Bedienkonzept deutlich modernisiert hat.
Das Display erinnert stark an den IC-705.
Verbaut ist ein 4,3 Zoll großes Farb-Touchdisplay.
Dazu gibt es eine Echtzeit-Spektrumanzeige und natürlich einen Waterfall.
Wer bereits einen IC-705 oder einen neueren Icom kennt, dürfte sich deshalb ziemlich schnell zurechtfinden.
Die Bedienoberfläche wirkt wesentlich moderner als beim inzwischen doch etwas in die Jahre gekommenen IC-7100.
Das abgesetzte Bedienteil bleibt
Ich fand das Konzept des IC-7100 eigentlich schon immer interessant.
Funkgerät und Bedienteil sind getrennt.
Genau dabei bleibt Icom auch beim IC-7110.
Das eigentliche Funkgerät kann beispielsweise unter dem Tisch oder im Fahrzeug verschwinden, während nur das Bedienteil sichtbar montiert wird.
Verbunden werden beide über ein Kabel.
Laut ersten Informationen gehört ein Kabel mit etwa 3,5 Metern Länge zum Lieferumfang.
Zusätzlich soll ein etwa 5 Meter langes Kabel als Zubehör verfügbar werden.
Damit eignet sich das Gerät natürlich besonders gut für den mobilen Einbau.
Endlich ein Lautsprecher im Bedienteil
Eine kleine Änderung finde ich tatsächlich ziemlich praktisch.
Icom hat direkt in das Bedienteil einen Lautsprecher eingebaut.
Beim mobilen Betrieb bedeutet das:
Das eigentliche Funkgerät kann irgendwo versteckt eingebaut werden und trotzdem kommt der Ton direkt aus dem Bedienteil.
Das Mikrofon wird ebenfalls vorne am Controller angeschlossen.
Gerade im Auto dürfte das eine ziemlich saubere Lösung ergeben.
Tastenbeleuchtung für den mobilen Betrieb
Auch die physischen Tasten sind beleuchtet.
Die Beschriftungen leuchten weiß.
Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, ist beim mobilen Betrieb nachts aber durchaus sinnvoll.
Wer schon einmal versucht hat, im dunklen Fahrzeug irgendeine schlecht beleuchtete Funktionstaste zu finden, weiß ziemlich genau, warum.
Direktabtastender Empfänger
Technisch interessant wird es beim Empfänger.
Der IC-7110 verwendet laut den bisher veröffentlichten Angaben eine Direct-Sampling-Architektur, ähnlich wie beim IC-705.
Das bedeutet vereinfacht gesagt:
Das empfangene HF-Signal wird möglichst früh digitalisiert und anschließend weitgehend digital verarbeitet.
Dieses Prinzip verwendet Icom inzwischen bei mehreren aktuellen Geräten.
Damit dürfte der IC-7110 gegenüber dem alten IC-7100 auch auf der Empfangsseite einen deutlichen Sprung machen.
Wie gut der Empfänger tatsächlich ist, werden allerdings erst unabhängige Messungen zeigen.
Zwei Bänder gleichzeitig hören
Eine der interessantesten Neuerungen ist Dualwatch.
Der IC-7110 kann zwei unterschiedliche Bänder gleichzeitig empfangen.
Zum Beispiel:
HF und 144 MHz,
HF und 430 MHz,
oder 144 und 430 MHz.
Auch gleichzeitiger Empfang verschiedener digitaler beziehungsweise analoger Signale ist vorgesehen.
Das macht das Gerät gerade beim mobilen Betrieb interessant.
Man könnte beispielsweise auf Kurzwelle unterwegs sein und gleichzeitig den lokalen 2-Meter-Kanal oder einen Repeater überwachen.
D-STAR natürlich inklusive
Bei einem Icom-Allbandgerät dieser Klasse darf D-STAR natürlich nicht fehlen.
Der IC-7110 unterstützt D-STAR Digital Voice und kann unter anderem D-STAR-Repeater überwachen.
Durch die integrierte Netzwerkverbindung können außerdem entsprechende Daten aktualisiert werden.
Damit bleibt Icom seinem eigenen digitalen Sprachsystem erwartungsgemäß treu.
Wi-Fi ist direkt eingebaut
Interessant wird es bei der Konnektivität.
Der IC-7110 besitzt integriertes Wi-Fi.
Dadurch sind unter anderem Remote-Funktionen möglich.
Icom nennt unter anderem die Nutzung mit RS-BA1, der eigenen Remote-Control-Software.
Noch interessanter finde ich allerdings eine andere Funktion.
Über die Internetverbindung kann das Funkgerät offenbar direkt Aktualisierungen herunterladen.
Dazu gehören beispielsweise:
Firmware-Updates
und
D-STAR-Repeaterlisten.
Das Funkgerät bekommt damit zunehmend Eigenschaften, die man sonst eher von Computern oder modernen Smart-Geräten kennt.
Bluetooth 5.3
Bluetooth ist ebenfalls eingebaut.
Icom nennt ausdrücklich Bluetooth 5.3.
Damit lassen sich unter anderem drahtlose Headsets oder andere Audiogeräte verwenden.
Gerade im Fahrzeug dürfte das interessant sein.
Man muss also nicht zwingend mit einem klassischen Lautsprechermikrofon arbeiten.
GPS ebenfalls integriert
Auch ein GPS-Empfänger ist eingebaut.
Damit kennt das Funkgerät seine Position.
Das ist beispielsweise für D-STAR-Funktionen, Positionsdaten oder mobile Anwendungen interessant.
Bei einem Gerät, das ausdrücklich auch für den mobilen und portablen Einsatz gedacht ist, macht das durchaus Sinn.
USB-C statt alter USB-Anschlüsse
Auch hier ist Icom endlich in der Gegenwart angekommen.
Der IC-7110 bekommt einen USB-Type-C-Anschluss.
Darüber dürften wieder mehrere Dinge laufen können:
CAT-Steuerung,
digitale Betriebsarten,
Audioverbindung zum Computer
und vermutlich verschiedene Datenfunktionen.
Die endgültige technische Dokumentation steht allerdings noch aus.
SD-Karte direkt am Controller
Ein SD-Kartenslot befindet sich ebenfalls am Bedienteil.
Das dürfte unter anderem für Einstellungen, Aufzeichnungen und Firmware beziehungsweise Datenverwaltung genutzt werden.
Auch hier kennen wir das Prinzip bereits von anderen aktuellen Icom-Geräten.
CW-Decoder eingebaut
CW-Freunde bekommen ebenfalls eine interessante Funktion.
Der IC-7110 besitzt einen integrierten CW-Decoder.
Diese Funktion kennen wir bereits vom IC-7300MK2.
Empfangene Morsezeichen können damit direkt auf dem Display dargestellt werden.
Für Einsteiger oder zum Kontrollieren des eigenen Mitschreibens kann das durchaus praktisch sein.
Zwei Antennenanschlüsse
Der IC-7110 besitzt laut Icom zwei Antennenanschlüsse.
Das ist bei einem Gerät, das von Kurzwelle bis 70 Zentimeter arbeitet, natürlich sinnvoll.
Man kann damit entsprechende Antennensysteme sauber voneinander trennen.
Die genaue Zuordnung und Schaltlogik wird man in der endgültigen Bedienungsanleitung sehen.
Kein eingebauter Antennentuner
Eine Sache sollte man allerdings direkt wissen:
Ein automatischer Antennentuner ist nicht eingebaut.
Das entspricht dem Konzept des alten IC-7100.
Icom empfiehlt als externe Lösung unter anderem den AH-6.
Wer ohnehin resonante Antennen verwendet, wird das vermutlich kaum vermissen.
Für den portablen HF-Betrieb mit Drahtantennen sollte man einen externen Tuner allerdings mit einplanen.
Wie groß ist der IC-7110?
Offizielle Abmessungen wurden zum Zeitpunkt der Vorstellung noch nicht veröffentlicht.
Das japanische Amateurfunkportal hamlife.jp hat die ausgestellten Geräte allerdings grob vermessen.
Demnach liegt das Bedienteil ungefähr bei:
198 × 83 × 39 mm
und das eigentliche Funkgerät ungefähr bei:
168 × 58 × 240 mm.
Diese Werte sind ausdrücklich noch keine offiziellen Herstellerangaben.
Trotzdem bekommt man damit bereits einen guten Eindruck.
Das Gerät selbst ist erfreulich kompakt.
Ist der Controller alleine nutzbar?
Nein.
Das ist vielleicht wichtig, weil nach den ersten X-026-Bildern durchaus spekuliert wurde, ob im Bedienteil vielleicht ein kleiner eigenständiger QRP-Transceiver steckt.
Das ist nicht der Fall.
Der Controller benötigt immer die Verbindung zur eigentlichen Funkgeräte-Einheit.
Im Grunde bleibt es also das klassische Remote-Head-Konzept.
Wird daraus ein Satellitenfunkgerät?
Hier würde ich momentan noch vorsichtig sein.
Durch den gleichzeitigen Empfang verschiedener Bänder wird natürlich sofort das Thema Amateurfunksatelliten interessant.
Allerdings gibt es derzeit noch widersprüchliche beziehungsweise nicht vollständig bestätigte Informationen darüber, welche Kombinationen tatsächlich gleichzeitig beim Senden und Empfangen möglich sind.
Icom hat in der ersten offiziellen europäischen Meldung Dualwatch bestätigt, aber noch keine vollständige technische Dokumentation veröffentlicht.
Deshalb würde ich momentan noch nicht behaupten, der IC-7110 sei automatisch ein Ersatz für beispielsweise einen IC-9700 im Satellitenbetrieb.
Das muss sich zeigen.
Wann kommt der IC-7110?
Und damit kommen wir zur wahrscheinlich wichtigsten Frage.
Ein offizielles Lieferdatum gibt es bisher nicht.
Icom hat ausdrücklich erklärt, dass derzeit noch keine bestätigten Angaben zu Produktion und Auslieferung veröffentlicht wurden.
Interessant ist allerdings eine Aussage vom Messestand in Japan.
Dort wurde gegenüber hamlife.jp angegeben, dass im Icom-Werk in Wakayama bereits Vorbereitungen für die Serienproduktion laufen.
Das spricht zumindest dafür, dass wir nicht erst irgendwann Ende 2027 über ein Seriengerät sprechen.
Wann die ersten Geräte tatsächlich bei europäischen Händlern stehen, bleibt aber abzuwarten.
Und der Preis?
Auch hier gilt derzeit:
Noch nicht bekannt.
Icom hat bisher keinen offiziellen Preis veröffentlicht.
Im Internet kursieren natürlich bereits Vermutungen.
Teilweise wird über eine Größenordnung zwischen ungefähr 1.800 und 2.500 US-Dollar diskutiert.
Das sind momentan aber reine Spekulationen und keine offiziellen Angaben.
Deshalb würde ich mich an dieser Stelle auch nicht auf irgendeinen vermeintlichen Straßenpreis festlegen.
Sobald Icom Europe beziehungsweise die ersten deutschen Händler offizielle Preise nennen, wird es deutlich interessanter.
Der eigentliche Nachfolger des IC-7100
Für mich ist das wahrscheinlich die wichtigste Einordnung.
Der IC-7110 versucht offensichtlich nicht, irgendein komplett neues Gerätekonzept zu erfinden.
Stattdessen nimmt Icom das ziemlich clevere Konzept des IC-7100 und bringt es technisch ins Jahr 2026.
Also wieder:
Kurzwelle,
6 Meter,
4 Meter in Europa,
2 Meter,
70 Zentimeter,
Allmode,
D-STAR,
abgesetztes Bedienteil.
Dazu kommen jetzt aber moderne Dinge wie:
großes Farbdisplay,
Waterfall,
Direct Sampling,
Dualwatch,
Wi-Fi,
Bluetooth,
GNSS,
USB-C
und deutlich modernere Netzwerk- und Updatefunktionen.
Mein erster Eindruck
Ich muss sagen:
Der IC-7110 könnte ziemlich interessant werden.
Gerade für Funkamateure, die nicht fünf verschiedene Geräte im Shack oder im Fahrzeug haben möchten, trifft Icom damit eigentlich eine ziemlich interessante Nische.
Ein Gerät von HF bis 430 MHz, dazu Allmode und D-STAR, 100 Watt auf Kurzwelle und ein abgesetztes modernes Bedienpanel – das hat durchaus seinen Reiz.
Besonders spannend finde ich Dualwatch.
Während eines Kurzwellen-QSOs gleichzeitig einen lokalen 2-Meter- oder 70-Zentimeter-Kanal hören zu können, wäre im Alltag tatsächlich praktisch.
Was am Ende entscheidet, wird allerdings vermutlich der Preis sein.
Liegt der IC-7110 in einer vernünftigen Region, könnte er ein sehr attraktiver Allrounder werden.
Wird er dagegen deutlich oberhalb der klassischen Mittelklasse positioniert, muss man schon genauer vergleichen, welche Geräte man für dasselbe Geld alternativ bekommt.
Noch wichtiger wird für mich aber der Blick auf die echten Empfangsdaten.
Wenn der Empfänger tatsächlich auf dem Niveau moderner Direct-Sampling-Icoms liegt, könnte der Sprung vom alten IC-7100 ziemlich groß sein.
Noch ist nicht alles bekannt
Man sollte bei dieser ersten Vorstellung eines nicht vergessen:
Der IC-7110 wurde heute erst offiziell enthüllt.
Ein vollständiges Datenblatt liegt noch nicht vor.
Icom UK hat bereits angekündigt, weitere technische Daten und offizielle Produktbilder zu veröffentlichen, sobald sie aus Japan verfügbar sind.
Deshalb werden vermutlich in den kommenden Tagen noch einige Details hinzukommen.
Ich werde das auf jeden Fall weiter beobachten.
Denn ein moderner Nachfolger des IC-7100 war eigentlich längst überfällig.
Und nach dem ersten Eindruck könnte Icom mit dem IC-7110 tatsächlich einen ziemlich interessanten Allband-Allmode-Transceiver gebaut haben.
Technische Daten – bisher bestätigt
| Merkmal | Icom IC-7110 |
|---|---|
| Frequenzbereiche | HF / 50 / 70* / 144 / 430 MHz |
| Betriebsarten | SSB, CW, AM, FM, RTTY, D-STAR DV |
| HF/50 MHz Leistung | bis 100 W |
| 144/430 MHz | bis 50 W |
| Display | 4,3” Farb-Touchscreen |
| Spektrum | Echtzeit-Scope + Waterfall |
| Empfangsprinzip | Direct Sampling |
| Dualwatch | Ja |
| D-STAR | Ja |
| Wi-Fi | Ja |
| Bluetooth | Bluetooth 5.3 |
| GNSS | integriert |
| USB | USB Type-C |
| SD-Karte | Ja |
| CW Decoder | Ja |
| Bedienteil | vollständig absetzbar |
| Lautsprecher | im Bedienteil |
| Antennentuner | nicht integriert |
| Preis | noch nicht bekannt |
| Marktstart | noch nicht bestätigt |
* 70 MHz laut Icom bei der europäischen/UK-Version.
Weitere Informationen
Offizielle Icom-UK-Meldung:
https://icomuk.co.uk/Unveiled-Tokyo-Ham-Fair-2026-Introducing-the-New-Icom-IC-7110/2/5662
Icom:
Erste ausführliche Informationen von hamlife.jp:
https://www.hamlife.jp/2026/08/29/hamfair2026-icom-ic7110-release
Sobald Icom Preis, Liefertermin und vollständiges Datenblatt veröffentlicht, lohnt sich ein kurzes Update des Artikels.
Ich kann diese Daten für dich im Auge behalten und dich informieren, sobald sich bei Preis oder Verfügbarkeit etwas ändert.
Alle Angaben ohne Gewähr!
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