Wer auf Kurzwelle unterwegs ist, kennt die Frage: Welches Band geht gerade eigentlich?
Natürlich gibt es Sonnenfleckenwerte, Solar Flux, K-Index, MUF-Berechnungen und diverse Seiten, die aktuelle oder prognostizierte Ausbreitungsbedingungen anzeigen. Das alles ist interessant und hat seine Berechtigung.
Mich interessiert aber noch etwas anderes:
Was passiert gerade tatsächlich mit meinen eigenen Signalen?
Genau dafür habe ich DL7AG.de um ein neues Widget erweitert. Es zeigt die aktuellen Ausbreitungsbedingungen auf Grundlage meiner eigenen WSPR-Aussendungen.
Und damit basiert die Anzeige nicht auf einer theoretischen Vorhersage, sondern auf echten Empfangsberichten.
WSPR als kleiner Ausbreitungssensor
Wer meine WSPR-Seite bereits kennt, weiß, dass ich regelmäßig auf verschiedenen Amateurfunkbändern sende. Dabei werden die Bänder von 80 bis 10 Meter durchlaufen.
WSPR – Weak Signal Propagation Reporter – eignet sich hervorragend dafür, Ausbreitungsbedingungen zu beobachten. Die ausgesendeten Signale sind extrem schmalbandig und können noch bei Signalstärken decodiert werden, bei denen man auf einem normalen Empfänger vermutlich längst nichts mehr wahrnehmen würde.
Wird meine Aussendung irgendwo empfangen, landet ein entsprechender Empfangsbericht im WSPR-Netzwerk.
Und genau diese Daten sind für mich besonders interessant.
Denn wenn DL7AG innerhalb eines bestimmten Zeitraums auf 40 Meter beispielsweise 512-mal empfangen und gemeldet wurde, dann ist das keine Prognose.
Es ist tatsächlich passiert.
Das neue Widget macht daraus eine schnelle Übersicht
Ich wollte allerdings nicht jedes Mal irgendwelche Tabellen durchsuchen oder mich durch hunderte WSPR-Spots arbeiten.
Deshalb gibt es jetzt direkt auf DL7AG.de eine kompakte Anzeige der Ausbreitungsbedingungen (WSPR).
Berücksichtigt werden aktuell:
80 m · 40 m · 30 m · 20 m · 17 m · 15 m · 12 m · 10 m
Für jedes Band werden die vorhandenen Empfangsdaten ausgewertet und übersichtlich dargestellt.
Dabei sehe ich unter anderem den durchschnittlichen SNR-Wert, die Anzahl der WSPR-Empfangsmeldungen und die Anzahl unterschiedlicher Stationen, die meine Aussendungen empfangen haben.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
100 Empfangsmeldungen von vielleicht drei ständig aktiven Empfängern haben schließlich eine andere Aussagekraft als Empfangsmeldungen von zahlreichen unterschiedlichen Stationen.
So bekomme ich wesentlich schneller ein Gefühl dafür, wie aktiv ein Band tatsächlich war.
Grün, Gelb, Rot – ein Blick reicht
Ich wollte die Anzeige bewusst nicht unnötig kompliziert machen.
Deshalb gibt es zusätzlich ein einfaches Ampelsystem.
🟢 Grün zeigt gute Bedingungen beziehungsweise eine entsprechend gute WSPR-Aktivität.
🟡 Gelb signalisiert mittlere oder eingeschränkte Bedingungen.
🔴 Rot zeigt an, dass aktuell keine beziehungsweise zu wenige verwertbare Daten vorhanden sind.
Wichtig dabei: „Keine Daten“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Amateurfunkband geschlossen ist.
Es bedeutet zunächst nur, dass im ausgewählten Zeitraum keine ausreichenden eigenen WSPR-Empfangsdaten von DL7AG für dieses Band vorhanden sind.
Das Widget ist also kein Orakel für die gesamte Kurzwelle. 😉
Es zeigt ganz bewusst, was mit meinen eigenen Aussendungen passiert ist.
24 Stunden, zwei Tage oder drei Tage
Auch der betrachtete Zeitraum lässt sich direkt umschalten.
Zur Auswahl stehen:
24 Stunden · 2 Tage · 3 Tage
Gerade das finde ich interessant.
Die 24-Stunden-Ansicht vermittelt einen schnellen Eindruck der relativ aktuellen Situation. Mit zwei oder drei Tagen Daten lässt sich dagegen besser erkennen, ob ein Ergebnis nur eine kurze Momentaufnahme war oder ob sich bestimmte Bedingungen über einen längeren Zeitraum gehalten haben.
Und natürlich verändern sich die Ergebnisse permanent.
Kurzwelle lebt schließlich von Veränderungen.
Tag und Nacht, Sonnenaktivität, Ionosphäre, Jahreszeit und viele weitere Faktoren sorgen dafür, dass ein Band, das gerade noch hervorragend funktioniert hat, einige Stunden später völlig anders aussehen kann.
Was bedeutet der dB-Wert?
Neben den Empfangsmeldungen zeigt das Widget auch den durchschnittlichen SNR-Wert an.
SNR steht für Signal-to-Noise Ratio, also das Verhältnis des empfangenen Signals zum Rauschen.
Bei WSPR sind dabei deutlich negative Werte völlig normal. Ein Wert von beispielsweise -20 dB bedeutet deshalb nicht, dass nichts mehr empfangen wurde.
Ganz im Gegenteil: Genau hier zeigt WSPR seine Stärke.
Die Betriebsart wurde dafür entwickelt, extrem schwache Signale noch zuverlässig erkennen und decodieren zu können.
Ein durchschnittlicher SNR-Wert liefert mir deshalb zusammen mit der Zahl der Meldungen und der unterschiedlichen Empfangsstationen einen weiteren Anhaltspunkt dafür, wie meine Aussendungen auf einem bestimmten Band angekommen sind.
Keine Simulation, sondern echte Funkverbindungen
Genau das gefällt mir an dem neuen Widget am meisten.
Es versucht nicht vorherzusagen, ob ich theoretisch irgendwo gehört werden könnte.
Es wertet aus, ob ich tatsächlich gehört wurde.
Jeder Empfangsbericht stammt von einer realen WSPR-Empfangsstation, die meine Aussendung decodiert und gemeldet hat.
Damit entsteht aus meinen regelmäßigen Aussendungen ganz nebenbei eine Art eigener kleiner Ausbreitungsmonitor.
Je länger das System läuft und je mehr Bänder regelmäßig bedient werden, desto interessanter werden natürlich auch die Daten.
WSPR auf DL7AG.de wächst weiter
Das neue Widget ist ein weiterer Baustein meines inzwischen deutlich größeren WSPR-Projektes auf DL7AG.de.
Mein Ziel ist es, die sonst eher nüchternen WSPR-Daten so aufzubereiten, dass man auf einen Blick erkennt, was gerade auf den einzelnen Bändern passiert.
Keine endlosen Tabellen, bei denen man erst überlegen muss, was man eigentlich sieht.
Stattdessen möchte ich die vorhandenen Daten sinnvoll auswerten, visualisieren und direkt auf meiner Webseite verfügbar machen.
Und natürlich ist auch dieses Widget wieder selbst für DL7AG.de umgesetzt worden.
Für mich ist WSPR nämlich längst mehr, als nur alle paar Minuten ein schwaches Signal in die Welt zu schicken.
Es ist ein ziemlich faszinierendes Werkzeug, um die Kurzwelle praktisch zu beobachten.
Und manchmal reicht jetzt tatsächlich ein Blick auf eine kleine Ampel, um zu sehen:
Da draußen geht gerade etwas. 📡
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