Eigentlich wollte ich nur kurz nachsehen, wie viele Funkamateure es in Deutschland aktuell gibt. Herausgekommen ist eine Frage, die mich seitdem beschäftigt: Nur etwa jeder zweite lizenzierte Funkamateur ist Mitglied im DARC – dem größten Amateurfunkverband des Landes. Rund 30.000 OMs und YLs funken also ohne den Club. Woran liegt das?
Die Zahlen
Zum 31. Dezember 2025 hat die Bundesnetzagentur 61.105 personengebundene Amateurfunkzulassungen gezählt – 210 weniger als im Jahr davor. Mit Clubstationen und Sonderrufzeichen sind es 70.238 vergebene Rufzeichen. Der Stand vom 23. Oktober 2026 liegt laut 12db.de bei 60.977.
| Klasse | Ende 2025 | Oktober 2026 |
|---|---|---|
| A | 51.155 | 50.458 |
| E | 9.133 | 9.331 |
| N | 817 | 1.188 |
| Gesamt | 61.105 | 60.977 |
Die Gesamtzahl bleibt damit seit Jahren ziemlich stabil bei rund 61.000. Interessant ist aber, wie sie sich verschiebt: Die Klasse A verliert Jahr für Jahr, während die Einsteigerklassen E und vor allem N wachsen. Die 2024 eingeführte Klasse N hat sich also schon gelohnt – 2025 haben allein 753 Leute die N-Prüfung bestanden.
Dem stehen beim DARC rund 31.600 Mitglieder gegenüber (2023: 32.217, 2024: 31.623). Rechnerisch ist das ein Organisationsgrad von knapp 52 %. In Wirklichkeit liegt er sogar etwas niedriger, denn der DARC zählt auch Kurzwellenhörer (SWL) und Mitglieder ohne eigene Lizenz mit.
Warum nicht mehr im DARC sind
Eine offizielle Austrittsbefragung des DARC habe ich nicht gefunden. Was sich aus Statistiken, Erfahrungsberichten und Forendiskussionen ablesen lässt, sind vor allem diese sechs Punkte die man im Netz findet:
- Demografie – Das Durchschnittsalter im DARC liegt bei etwa 60 Jahren, rund 35 % der Mitglieder sind älter als 65. Es scheiden mehr Mitglieder altersbedingt aus, als junge nachkommen. Besonders dünn besetzt ist die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen.
- Stille Ortsverbände – Der Ortsverband (OV) ist für die meisten das Gesicht des Clubs. Schon 2014 hieß es in einem Protokoll des Distrikts Nordrhein, etwa die Hälfte der OVs sei praktisch inaktiv. Wer vor Ort niemanden trifft, sieht wenig Grund, beizutreten.
- Beitrag und Gegenwert – Viele fragen sich, was sie für ihr Geld konkret bekommen. Kritiker bemängeln, dass nur ein kleiner Teil des Beitrags – genannt werden etwa 12 % – zurück in den OV fließt. Beitragserhöhungen haben in der Vergangenheit spürbare Kündigungswellen ausgelöst.
- Es geht auch ohne – Was früher nur der Club bieten konnte, gibt es heute anderswo: Fachwissen im FUNKAMATEUR, QSL-Bestätigungen über eQSL oder LoTW, Austausch in Foren, auf Discord und YouTube. Das Hobby funktioniert auch ohne Mitgliedsausweis.
- Vereinskultur – In kritischen Stimmen tauchen immer wieder dieselben Vorwürfe auf: Die Verbandsführung sei weit weg von der Basis und nehme Kritik nicht an. Gruppendruck im OV und Strukturen wie der Amateurrat stoßen manche ab.
- Hürden beim Austritt – Wer geht, verliert seine Mitgliedsjahre und darf das DARC-Logo, zum Beispiel auf QSL-Karten, nicht mehr verwenden. Ein DE-Rufzeichen für SWLs verfällt ebenfalls. Das hält nicht vom Austritt ab, sorgt aber für Verbitterung bei denen, die gehen.
Einordnung
Die Punkte 3, 5 und 6 stammen überwiegend aus Quellen, die dem DARC ausgesprochen kritisch gegenüberstehen. Sie zeigen, was an der Basis gärt – eine neutrale Analyse sind sie nicht. Und die düsteren Prognosen von damals haben sich nicht bewahrheitet: 2015 wurde in Foren noch vorhergesagt, der DARC werde 2025 nur noch rund 15.000 Mitglieder haben. Tatsächlich sind es mehr als doppelt so viele.
Trotzdem bleibt die Frage spannend. Der DARC vertritt unsere Interessen gegenüber der Bundesnetzagentur, den Ministerien und der IARU – und zwar die Interessen aller, auch derer, die keinen Beitrag zahlen. Je kleiner der Anteil der Mitglieder, desto schwächer wird diese Stimme. Die vielen neuen N- und E-Lizenzen wären eine echte Chance, wenn der Club die Neulinge dort abholt, wo sie heute unterwegs sind.
Wie seht ihr das? Seid ihr Mitglied, ausgetreten oder nie eingetreten – und warum? Ich freue mich über jeden Kommentar und den Austausch dazu. Und wenn nicht öffentlich auch gerne als direkte Mail.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Amateurfunk-Statistik 2025 (PDF)
- DARC: Amateurfunk in Zahlen 2025 – Positive Entwicklung bei Klasse N und E (14.01.2026)
- 12db.de: Rufzeichen-Statistik Amateurfunk
- amateurfunkpraxis.de: DARC-Mitgliederstatistik
- amateurfunkpraxis.de: Wie der DARC e.V. seine Mitglieder gängelt
- Funk-Telegramm-Forum: DARC spricht schon selbst über die Auflösung des DARC (2015/16)
- Wikipedia: Deutscher Amateur-Radio-Club
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