Live-Ausbreitungsbedingungen auf 2 m und 70 cm: Die besten Karten und Dienste für Deutschland

Auf Kurzwelle gehört ein Blick auf die aktuellen Ausbreitungsbedingungen für viele Funkamateure ganz selbstverständlich zum Stationsbetrieb. Auf 2 m und 70 cm sieht das häufig anders aus. Dabei kann es gerade auf 144 und 432 MHz ausgesprochen spannend werden, wenn sich die Bedingungen verändern.

Plötzlich ist eine Station zu hören, die normalerweise weit außerhalb der eigenen Reichweite liegt. Eine sonst kaum wahrnehmbare Bake kommt deutlich herein. Auf FT8 erscheinen Stationen aus mehreren hundert Kilometern Entfernung oder auf DX-Karten tauchen ungewöhnlich lange Verbindungen quer durch Deutschland und darüber hinaus auf.

Aber wo kann man eigentlich nachsehen, ob auf 2 m oder 70 cm gerade wirklich etwas geht?

Ich habe mir dafür verschiedene Dienste angesehen. Wichtig ist dabei eine Unterscheidung: Manche Seiten zeigen tatsächlich beobachtete Funkverbindungen nahezu in Echtzeit, andere berechnen anhand von Wetterdaten, wo gute troposphärische Bedingungen entstehen könnten. Beides zusammen ist wesentlich aussagekräftiger als eine einzelne Karte.

Dieser Artikel richtet sich deshalb nicht nur an erfahrene VHF-/UHF-DXer. Auch wer bislang hauptsächlich über lokale Relais oder in FM gearbeitet hat, bekommt einen verständlichen Einstieg.

Warum verändern sich die Bedingungen auf 2 m und 70 cm überhaupt?

Unter normalen Bedingungen breiten sich Signale auf 144 und 432 MHz überwiegend annähernd in Sichtweite beziehungsweise etwas darüber hinaus aus. Antennenhöhe, Gelände, Bebauung, Leistung und natürlich die verwendeten Antennen spielen dabei eine erhebliche Rolle.

Die Atmosphäre hält sich allerdings nicht immer an unsere normalen Reichweitenerwartungen.

Bestimmte Wetterlagen können dazu führen, dass sich VHF- und UHF-Signale über wesentlich größere Entfernungen ausbreiten. Besonders interessant ist dabei die troposphärische Überreichweite, kurz Tropo.

Temperatur, Luftdruck und Feuchtigkeit verändern den Brechungsindex der Atmosphäre. Unter geeigneten Bedingungen können sich Schichten bilden, in denen Funkwellen stärker als gewöhnlich zur Erdoberfläche zurückgebogen oder regelrecht geführt werden. Dann sind auf 2 m und 70 cm Verbindungen über mehrere hundert Kilometer möglich. Bei außergewöhnlichen Bedingungen können die Entfernungen noch deutlich größer werden.

Daneben gibt es weitere Ausbreitungsarten wie Sporadic-E, Aurora, Meteor Scatter oder Flugzeugreflexionen. Nicht jeder der hier vorgestellten Dienste erkennt oder prognostiziert alle diese Effekte. Genau deshalb sollte man wissen, was die jeweilige Karte eigentlich darstellt.

Live-Beobachtung und Vorhersage sind zwei verschiedene Dinge

Das ist für die Interpretation der folgenden Seiten entscheidend.

Eine Vorhersage sagt sinngemäß:

Die meteorologischen Bedingungen könnten in dieser Region eine verbesserte troposphärische Ausbreitung ermöglichen.

Eine Live-Karte kann dagegen zeigen:

Zwischen diesen beiden Regionen wurden gerade tatsächlich ungewöhnlich große Funkstrecken beobachtet oder gemeldet.

Die Prognose kann also hervorragend aussehen, ohne dass auf dem eigenen Band gerade viel Aktivität herrscht. Umgekehrt kann eine interessante Verbindung auftauchen, obwohl man sie anhand einer einfachen Wetterkarte nicht erwartet hätte.

Am interessantesten wird es deshalb, wenn Prognose, Live-Spots, digitale Empfangsmeldungen und der eigene Empfänger dasselbe Bild ergeben.

Die wichtigsten Dienste im Vergleich

Dienst2 m70 cmLive / PrognoseStärkenSchwächenMeine Bewertung
DXMAPSJaJaLive / SpotsSehr schneller Überblick über aktuelle Verbindungen, getrennte Karten für 144 und 432 MHz, Europa sehr gut nutzbarAbhängig von gemeldeten Spots und Aktivität; keine reine Messung der Atmosphäre★★★★★
PSK ReporterJaJaNahezu LiveTatsächlich dekodierte Signale, hervorragender Indikator für digitale Aktivität, Filter nach Band, Rufzeichen und ZeitraumZeigt vor allem digital gemeldete Empfangsberichte; auf 70 cm deutlich weniger Beobachter als auf 2 m★★★★★
TropocastJaJaPrognoseSpeziell für troposphärische VHF-/UHF-Ausbreitung, europäische Wettermodelle, bis drei Tage VorschauKeine Garantie für tatsächlich mögliche QSOs; Karte zeigt Ausbreitungspotenzial und keine konkrete Signalstärke★★★★★
VHF Real Time Propagation MapJaNicht direktLive-IndikatorNutzt reale APRS-Verbindungen nahe 144 MHz, ungewöhnliche Reichweiten schnell erkennbarKein vollwertiger 70-cm-Indikator und abhängig von APRS-Aktivität★★★★☆
ON4KSTJaJaLive / CommunityDirekter Austausch mit aktiven VHF-/UHF-DXern, gut für Skeds und außergewöhnliche BedingungenKeine klassische automatische Ausbreitungskarte; für Einsteiger zunächst weniger intuitiv★★★★☆
VHF-/UHF-BakenJaJaEigene Live-BeobachtungUnabhängiger und sehr zuverlässiger Vergleich der tatsächlichen Bedingungen am eigenen StandortMan muss geeignete Baken kennen; Betriebsstatus einzelner Baken kann sich ändern★★★★★

1. DXMAPS – mein erster Blick auf die aktuelle Lage

URL:
https://www.dxmaps.com/spots/mapg.php

Wenn ich schnell wissen möchte, ob auf 2 m oder 70 cm gerade irgendwo in Deutschland oder im europäischen Umfeld etwas Außergewöhnliches passiert, gehört DXMAPS zu den interessantesten Anlaufstellen.

Unter „VHF & up“ lassen sich unter anderem 144 MHz und 432 MHz getrennt auswählen. Die Karte wird automatisch aktualisiert. Dadurch kann man sehr schnell erkennen, wenn ungewöhnlich lange Verbindungen auftauchen.

Für deutsche Stationen ist die Europa-Darstellung besonders interessant. Wer beispielsweise in Berlin sitzt, sollte nicht ausschließlich auf Berlin selbst schauen. Interessanter ist die Frage, welche Strecken sich rund um Nord- und Ostdeutschland entwickeln.

Entstehen beispielsweise vermehrt längere Verbindungen in Richtung Polen, Tschechien, Dänemark, Schweden oder Niederlande, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Band.

Für Stationen im Westen Deutschlands sind naturgemäß Belgien, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien besonders interessant. Im Süden kommen unter anderem Österreich, Schweiz, Tschechien, Frankreich und – bei entsprechenden Bedingungen – weitere Regionen in Betracht.

Das Entscheidende ist also nicht eine bestimmte Richtung, sondern eine plötzliche Häufung ungewöhnlich langer Verbindungen.

Vorteile von DXMAPS

  • 144 und 432 MHz separat auswählbar
  • sehr schnelle Übersicht
  • Europa hervorragend darstellbar
  • ungewöhnliche Funkstrecken sind visuell schnell zu erkennen
  • für Einsteiger nach kurzer Eingewöhnung leicht verständlich
  • auch für erfahrene DXer ein sehr praktischer Schnellcheck

Nachteile von DXMAPS

  • die Darstellung lebt von vorhandenen Spots und Meldungen
  • wenig Aktivität bedeutet nicht automatisch schlechte Bedingungen
  • eine dargestellte Verbindung beweist nicht, dass dieselbe Strecke mit der eigenen Station funktioniert
  • Antennen, Leistung, Standort und Betriebsart der beteiligten Stationen müssen berücksichtigt werden

Fazit: Für mich gehört DXMAPS zu den besten Seiten, wenn man innerhalb weniger Sekunden sehen möchte, ob auf 2 m oder 70 cm gerade ungewöhnliche Aktivität vorhanden ist.

2. PSK Reporter – das riesige Netz aus Empfangsstationen

URL:
https://www.pskreporter.info/pskmap.html

PSK Reporter dürfte vielen bereits von FT8 auf Kurzwelle bekannt sein. Der Dienst ist aber auch für 2 m und 70 cm ausgesprochen interessant.

Das Prinzip ist genial einfach: Empfangsprogramme können automatisch melden, welche digitalen Signale sie dekodiert haben. Dadurch entsteht ein großes Netz aus Empfangsbeobachtungen.

Für die Beurteilung der Ausbreitung ist das äußerst wertvoll, denn hier sieht man nicht nur, was jemand manuell in einen DX-Cluster eingetragen hat. Man sieht tatsächlich erfolgte Dekodierungen.

PSK Reporter unterstützt dabei ausdrücklich unter anderem 2 m und 70 cm.

Besonders interessant ist 2 m FT8. Wenn plötzlich Stationen über Entfernungen dekodiert werden, die am eigenen Standort normalerweise ungewöhnlich sind, kann das ein sehr deutlicher Hinweis auf verbesserte Bedingungen sein.

So würde ich PSK Reporter für Deutschland benutzen

Zunächst das gewünschte Band auswählen, beispielsweise 2 m. Anschließend sollte man den Zeitraum relativ kurz halten. Wer die aktuelle Situation beurteilen möchte, interessiert sich weniger dafür, was vor 24 Stunden funktioniert hat.

Dann Deutschland und die angrenzenden Länder betrachten.

Für Berlin ist beispielsweise interessant, ob Stationen in Berlin oder Brandenburg plötzlich regelmäßig Signale aus größeren Entfernungen empfangen. Noch aussagekräftiger wird es, wenn mehrere Empfänger ähnliche Strecken melden.

Eine einzelne 700-km-Dekodierung ist interessant. Wenn aber plötzlich mehrere Stationen in Nordostdeutschland gleichzeitig Signale aus derselben weit entfernten Region empfangen, wird die Sache wesentlich spannender.

Vorteile von PSK Reporter

  • reale Empfangsmeldungen
  • sehr große Datenbasis
  • Filter nach Band, Betriebsart, Rufzeichen und Zeitraum
  • ideal für FT8 und andere digitale Betriebsarten
  • eigene Aussendungen lassen sich hervorragend kontrollieren
  • gut geeignet, um eine beginnende Öffnung zu erkennen

Nachteile von PSK Reporter

  • kein klassischer SSB-/FM-Ausbreitungsmonitor
  • abhängig von aktiven digitalen Empfangsstationen
  • auf 70 cm gibt es erheblich weniger aktive Reporter als auf populären Kurzwellenbändern und auch weniger als auf 2 m
  • eine FT8-Dekodierung bedeutet nicht automatisch, dass eine SSB- oder FM-Verbindung möglich wäre

Fazit: Für digitale Betriebsarten ist PSK Reporter praktisch unverzichtbar. In Kombination mit DXMAPS wird daraus ein hervorragendes Werkzeug zur Live-Beobachtung.

3. Tropocast – wo könnte sich Tropo entwickeln?

URL:
https://tropocast.eu/

Tropocast verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Hier werden nicht in erster Linie gemeldete QSOs dargestellt. Der Dienst berechnet anhand numerischer Wettermodelle das Potenzial für troposphärische VHF-/UHF-Ausbreitung.

Für uns in Deutschland ist besonders interessant, dass Tropocast unter anderem Daten des DWD-Modells ICON-EU verwendet. Daneben wird das globale GDPS-Modell des kanadischen ECCC verarbeitet.

Die ersten 24 Stunden der Vorhersage stehen in stündlichen Schritten zur Verfügung. Danach geht die Prognose in Drei-Stunden-Schritten bis zu maximal drei Tage in die Zukunft.

Damit beantwortet Tropocast eine andere Frage als DXMAPS:

DXMAPS: Wo werden gerade interessante Verbindungen gemeldet?

Tropocast: Wo könnten die atmosphärischen Voraussetzungen für interessante troposphärische Verbindungen entstehen?

Was bedeuten die Farben?

Hier ist etwas Vorsicht nötig. Die Darstellung ist keine Feldstärkevorhersage. Eine kräftige Darstellung bedeutet also nicht: „Meine Gegenstation wird mit S9+20 dB zu hören sein.“

Tropocast berechnet das Ausbreitungspotenzial aus meteorologischen Größen wie Druck, Temperatur, Wasserdampf und Höhe. Ob daraus am eigenen Standort tatsächlich eine gute Verbindung wird, hängt zusätzlich von Frequenz, Gelände, Antennenhöhe, Antennengewinn, Sendeleistung und Störungen ab.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Berlin als Beispiel

Angenommen, Tropocast zeigt am Abend eine interessante Zone von Nordostdeutschland über die Ostsee in Richtung Dänemark oder Südschweden.

Das bedeutet noch nicht, dass eine Berliner Station automatisch Schweden auf 70 cm arbeiten kann.

Jetzt würde ich zusätzlich DXMAPS und PSK Reporter öffnen. Tauchen dort gleichzeitig ungewöhnlich lange Verbindungen auf, wird die Prognose durch reale Beobachtungen gestützt.

Danach folgt der wichtigste Test überhaupt: Empfänger einschalten und selbst hören.

Vorteile von Tropocast

  • speziell für VHF-/UHF-Tropo entwickelt
  • sehr interessant für Deutschland und Europa
  • verwendet unter anderem DWD ICON-EU
  • Prognose bis zu drei Tage
  • erste 24 Stunden mit hoher zeitlicher Auflösung
  • gut geeignet, um Aktivitäten oder Skeds im Voraus zu planen

Nachteile von Tropocast

  • es handelt sich um eine Modellrechnung und nicht um einen QSO-Nachweis
  • die Farben dürfen nicht als konkrete Signalstärke verstanden werden
  • lokale Gegebenheiten am eigenen QTH können das Ergebnis erheblich verändern
  • für absolute Anfänger ist die Interpretation zunächst etwas anspruchsvoller

Fazit: Wer Tropo auf 2 m und 70 cm gezielt nutzen möchte, sollte Tropocast unbedingt ausprobieren. Für Deutschland ist der Dienst aufgrund seines europäischen Fokus und der verwendeten Wettermodelle besonders interessant.

4. VHF Real Time Propagation Map – APRS als Ausbreitungssensor

URL:
https://vhf.dxview.org/

Die VHF Real Time Propagation Map nutzt einen interessanten Ansatz. Grundlage sind Daten von Packet-Radio- beziehungsweise APRS-Stationen aus dem APRS-IS-Netz.

Da APRS in unserem Bereich nahe 144 MHz arbeitet, lassen sich ungewöhnlich große Empfangsentfernungen als Hinweis auf verbesserte VHF-Ausbreitung verwenden.

Die Karte unterscheidet normale lokale Ausbreitung von außergewöhnlicheren Entfernungen. Verbesserte Strecken werden dadurch visuell schnell sichtbar.

Wichtig ist allerdings: Das ist kein gleichwertiger Live-Monitor für 70 cm. Die Karte ist in erster Linie als zusätzlicher Indikator für Bedingungen im Bereich um 144 MHz interessant.

Warum funktioniert APRS als Indikator?

Stellt euch zahlreiche Stationen vor, die permanent kurze Funksignale aussenden. Normalerweise werden diese nur in einem bestimmten regionalen Bereich empfangen.

Wenn plötzlich Pakete über wesentlich größere Entfernungen ankommen, hat sich offensichtlich etwas verändert. Genau diese Abweichung vom normalen Verhalten ist für uns interessant.

Vorteile

  • basiert auf tatsächlich empfangenen Funkpaketen
  • nahezu kontinuierliche Beobachtung
  • ungewöhnliche 144-MHz-Reichweiten schnell sichtbar
  • gute Ergänzung zu DXMAPS und PSK Reporter
  • einfach verständliche visuelle Darstellung

Nachteile

  • hauptsächlich für den Bereich um 144 MHz relevant
  • kein entsprechender vollwertiger 432-MHz-Monitor
  • abhängig von APRS-Infrastruktur und Stationsdichte
  • aus einer APRS-Strecke lässt sich nicht automatisch die Qualität einer SSB-, CW- oder FM-Verbindung ableiten

Fazit: Für 2 m eine sehr schöne zusätzliche Informationsquelle. Für eine umfassende Bewertung würde ich sie aber nicht alleine verwenden.

5. ON4KST – wenn man wissen möchte, was die VHF-/UHF-DXer gerade machen

URL:
https://www.on4kst.org/

ON4KST ist etwas völlig anderes als die bisher vorgestellten Karten. Hier steht die Kommunikation zwischen Funkamateuren im Vordergrund.

Gerade im VHF-, UHF- und Mikrowellenbereich ist der Dienst seit Jahren bekannt. Für erfahrene DXer ist das ausgesprochen praktisch, weil sich dort Stationen finden, Beobachtungen austauschen und Verbindungen beziehungsweise Skeds koordinieren lassen.

Eine automatische Wetter- oder Ausbreitungskarte ersetzt ON4KST nicht. Dafür bekommt man etwas, das ein Wettermodell niemals liefern kann: die Rückmeldung anderer aktiver Funkamateure.

Wenn beispielsweise Stationen aus Norddeutschland melden, dass bestimmte Baken plötzlich ungewöhnlich stark sind, ist das eine ausgesprochen wertvolle Information.

Vorteile

  • direkter Kontakt zu aktiven VHF-/UHF-DXern
  • gut für Skeds
  • interessant bei Tropo, Meteor Scatter und anderen besonderen Ausbreitungsarten
  • Erfahrungen anderer Stationen ergänzen automatische Karten hervorragend

Nachteile

  • keine klassische Live-Ausbreitungskarte
  • für Anfänger weniger selbsterklärend
  • Informationen müssen vom Benutzer selbst eingeordnet werden
  • abhängig von den gerade aktiven Teilnehmern

Fazit: Für den schnellen Anfängercheck würde ich zunächst DXMAPS und PSK Reporter verwenden. Wer tiefer in VHF-/UHF-DX einsteigt, sollte ON4KST jedoch kennen.

6. Baken – die vielleicht unterschätzteste Live-Anzeige überhaupt

Bei all den modernen Internetkarten wird leicht vergessen, dass wir als Funkamateure einen hervorragenden Ausbreitungssensor bereits besitzen: unseren eigenen Empfänger.

Dafür sind Baken ideal.

Eine Bake sendet regelmäßig beziehungsweise dauerhaft mit bekannten Parametern. Wer bestimmte Baken häufiger beobachtet, entwickelt schnell ein Gefühl dafür, wie sie unter normalen Bedingungen am eigenen Standort zu hören sind.

Und genau dann wird es interessant.

Eine Bake, die normalerweise kaum aus dem Rauschen kommt, ist plötzlich deutlich hörbar. Eine weiter entfernte Bake taucht erstmals auf. Oder eine bekannte Bake wird innerhalb kurzer Zeit erheblich stärker.

Das ist eine reale Messung der Funkstrecke zu eurem eigenen QTH – und damit letztlich wertvoller als jede allgemeine Karte.

IARU Region 1 Beacon Database

Die IARU Region 1 koordiniert VHF-/UHF-Baken und stellt Informationen über Baken und deren Betriebsparameter bereit.

Informationen zur Bakenkoordination:
https://www.iaru-r1.org/about-us/committees-and-working-groups/vhf-uhf-shf-committee-c5/vhf-beacon-coordination/

Gerade für Deutschland sollte man nicht nur deutsche Baken speichern. Je nach Standort sind Baken in den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, Frankreich, der Schweiz und weiteren Nachbarländern mindestens genauso interessant.

Für Berlin und Brandenburg sind naturgemäß vor allem Stationen und Baken in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland sowie in Polen, Tschechien, Dänemark und im Ostseeraum interessant.

Vorteile von Baken

  • reale Funkstrecke bis zur eigenen Antenne
  • unabhängig von DX-Clustern
  • kein Internet zur eigentlichen Beobachtung notwendig
  • Signalstärke lässt sich mit normalen Tagen vergleichen
  • hervorragend für 2 m und 70 cm
  • auch kleine Veränderungen werden für regelmäßige Beobachter erkennbar

Nachteile

  • man muss geeignete Baken auswählen und kennenlernen
  • nicht jede gelistete Bake muss jederzeit tatsächlich in Betrieb sein
  • Antennenrichtung und eigener Standort beeinflussen das Ergebnis
  • für einen deutschlandweiten Überblick sind Karten komfortabler

Welche Seite ist nun die beste?

Die einfache Antwort lautet: keine allein.

Genau darin liegt der entscheidende Punkt dieses Artikels.

Ich würde für 2 m und 70 cm mindestens drei Informationsquellen kombinieren:

  1. Tropocast für die Prognose
  2. DXMAPS für aktuelle gemeldete Verbindungen
  3. PSK Reporter für tatsächlich digital dekodierte Signale

Auf 2 m kommt die VHF Real Time Propagation Map als zusätzlicher Indikator dazu.

Und wenn es wirklich interessant aussieht, folgt nicht die fünfte Webseite, sondern der eigene Empfänger.

Mein 60-Sekunden-Check für 2 m und 70 cm

Wer nicht ständig fünf Webseiten geöffnet haben möchte, kann sich eine sehr einfache Routine angewöhnen.

Schritt 1: Tropocast

Gibt es über Deutschland oder in einer für meinen Standort interessanten Richtung auffälliges Tropo-Potenzial?

URL:
https://tropocast.eu/

Schritt 2: DXMAPS

Gibt es auf 144 oder 432 MHz bereits ungewöhnlich lange Verbindungen?

URL:
https://www.dxmaps.com/spots/mapg.php

Schritt 3: PSK Reporter

Werden auf 2 m oder 70 cm tatsächlich Signale über ungewöhnliche Entfernungen dekodiert?

URL:
https://www.pskreporter.info/pskmap.html

Schritt 4: Auf 2 m zusätzlich APRS beobachten

Zeigt die VHF Real Time Propagation Map ebenfalls ungewöhnliche Strecken?

URL:
https://vhf.dxview.org/

Schritt 5: Funkgerät einschalten

Jetzt bekannte Baken kontrollieren, die digitalen Bereiche beobachten oder CQ rufen.

Wenn mehrere der vorherigen Indikatoren gleichzeitig anschlagen, würde ich nicht lange auf den Karten bleiben. Dann gehört die Zeit ans Funkgerät.

Was bedeutet das speziell für Berlin?

Berlin ist ein interessantes Beispiel, weil man von hier aus verschiedene mögliche Ausbreitungsrichtungen beobachten kann.

Für eine Berliner Station sind unter anderem Verbindungen Richtung Ostsee, Polen, Tschechien, Norddeutschland und Dänemark interessant. Bei entsprechend guten Bedingungen können natürlich auch völlig andere und wesentlich größere Entfernungen zustande kommen.

Wer in Berlin wohnt, sollte deshalb bei einer Tropolage nicht nur auf einen kleinen Kreis rund um die Hauptstadt schauen. Entscheidend ist vielmehr, wo sich ein möglicher Ausbreitungsweg entwickelt.

Das Gleiche gilt für den Rest Deutschlands.

Eine Station in Hamburg hat andere bevorzugte Richtungen als eine Station in München. Vom Ruhrgebiet aus sind Niederlande und Belgien schnell im Blick. Vom Südwesten Deutschlands aus können Frankreich und die Schweiz besonders interessant werden.

Die Karten sollten deshalb immer relativ zum eigenen QTH betrachtet werden.

Warum 70 cm besonders spannend sein kann

2 m bekommt häufig mehr Aufmerksamkeit, weil dort mehr Stationen aktiv sind und entsprechend mehr Beobachtungsdaten zur Verfügung stehen.

70 cm sollte man bei einer guten Tropolage trotzdem keinesfalls ignorieren.

Troposphärische Effekte können auf UHF ausgesprochen interessant sein. Gleichzeitig ist die normale Reichweite auf 432 MHz häufig stärker durch Standort, Gelände und Antennenbedingungen geprägt. Wenn sich die Bedingungen deutlich verbessern, kann der Unterschied zum normalen Bandzustand deshalb besonders auffällig wirken.

Allerdings gibt es einen praktischen Nachteil: Auf 70 cm sind deutlich weniger Stationen mit digitalen Empfangsmeldungen aktiv als auf den populären Bändern. Eine leere PSK-Reporter-Karte bedeutet deshalb gerade auf 70 cm nicht zwangsläufig, dass das Band geschlossen ist.

Hier bekommen DXMAPS, Baken und der eigene Empfänger noch mehr Bedeutung.

Ein wichtiger Fehler: „Auf der Karte ist nichts, also geht nichts“

Diesen Schluss sollte man vermeiden.

Alle Live-Dienste haben dasselbe grundsätzliche Problem: Sie benötigen Aktivität.

Wenn niemand sendet, kann niemand etwas empfangen.

Wenn niemand einen Spot meldet, erscheint keine Verbindung auf einer Spotkarte.

Wenn keine digitale Empfangsstation auf 70 cm aktiv ist, kann PSK Reporter dort auch keine Öffnung sichtbar machen.

Die Abwesenheit von Daten ist deshalb kein Beweis für schlechte Ausbreitungsbedingungen.

Genau hier ist die Kombination mit einer meteorologischen Prognose wie Tropocast und bekannten Baken so sinnvoll.

Und noch ein Fehler: FT8 geht – also muss SSB auch gehen

Auch das ist nicht automatisch der Fall.

Digitale Betriebsarten können Signale noch dekodieren, die für ein komfortables SSB-QSO viel zu schwach wären. Wer auf PSK Reporter eine außergewöhnlich lange FT8-Strecke entdeckt, weiß zunächst nur:

Auf dieser Strecke ist ein 144- oder 432-MHz-Signal angekommen und wurde dekodiert.

Das ist ein hervorragender Hinweis auf die Ausbreitung – aber keine Garantie für dieselbe Strecke in FM oder SSB.

Umgekehrt können natürlich gute Bedingungen vorhanden sein, während auf der beobachteten FT8-Frequenz gerade niemand aus der gewünschten Richtung sendet.

Meine Empfehlung für Einsteiger

Wer sich bisher kaum mit VHF-/UHF-Ausbreitung beschäftigt hat, muss nicht sofort alle Dienste gleichzeitig verstehen.

Startet mit:

DXMAPS + Tropocast.

DXMAPS zeigt euch sehr anschaulich, wo etwas passiert. Tropocast zeigt euch, warum beziehungsweise wo meteorologisch etwas passieren könnte.

Danach nehmt PSK Reporter hinzu.

Nach einigen Wochen regelmäßiger Beobachtung erkennt man erstaunlich schnell Zusammenhänge. Noch interessanter wird es, wenn man parallel zwei oder drei entfernte Baken regelmäßig kontrolliert.

Meine Empfehlung für erfahrene VHF-/UHF-Funkamateure

Wer gezielt DX auf 144 und 432 MHz betreibt, bekommt den größten Nutzen aus der Kombination aller Daten:

  • Tropocast für die meteorologische Entwicklung
  • DXMAPS für aktuelle QSO-/Spot-Aktivität
  • PSK Reporter für reale digitale Empfangsdaten
  • APRS-basierte Propagationskarten als zusätzlichen 2-m-Indikator
  • ON4KST für Beobachtungen und Skeds
  • Baken als Referenz für die eigene Funkstrecke

Keine dieser Quellen ersetzt die andere vollständig.

Alle wichtigen Links auf einen Blick

DXMAPS – QSO/SWL Real Time Maps
https://www.dxmaps.com/spots/mapg.php

PSK Reporter
https://www.pskreporter.info/pskmap.html

Tropocast – VHF/UHF Tropospheric Propagation Forecast
https://tropocast.eu/

VHF Real Time Propagation Map
https://vhf.dxview.org/

ON4KST
https://www.on4kst.org/

IARU Region 1 – VHF Beacon Coordination
https://www.iaru-r1.org/about-us/committees-and-working-groups/vhf-uhf-shf-committee-c5/vhf-beacon-coordination/

Fazit

Wer auf 2 m und 70 cm nur das Funkgerät einschaltet und kurz über das Band dreht, kann außergewöhnliche Bedingungen leicht verpassen. Gerade troposphärische Überreichweiten können sich entwickeln, ohne dass man sie im Alltag sofort bemerkt.

Mit den heute verfügbaren Diensten lässt sich die Situation wesentlich besser einschätzen.

DXMAPS zeigt sehr schnell, wo ungewöhnliche Verbindungen gemeldet werden. PSK Reporter liefert reale digitale Empfangsberichte. Tropocast schaut gewissermaßen voraus und zeigt, wo sich aufgrund der Wettermodelle interessante troposphärische Bedingungen entwickeln könnten. Die VHF Real Time Propagation Map liefert auf 2 m einen weiteren interessanten Live-Indikator, während ON4KST die Erfahrungen aktiver VHF-/UHF-DXer hinzufügt.

Und am Ende bleiben die guten alten Baken.

Wenn die Tropo-Prognose interessant aussieht, auf DXMAPS lange Verbindungen auftauchen, PSK Reporter ungewöhnliche Dekodierungen meldet und eine normalerweise schwache Bake plötzlich deutlich aus dem Lautsprecher kommt, gibt es eigentlich nur noch eine sinnvolle Reaktion:

Karten schließen, Antenne drehen und CQ rufen.

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