HAM-Tools: Eine vielseitige Amateurfunk-Werkstatt für den Mac

Logbuch, Funkgerätesteuerung, Outdoor-Aktivierungen und Antennentechnik unter einem Dach – was HAM-Tools bietet und wie es sich gegenüber anderen Programmen einordnet.

Recherchestand: 3. Oktober 2026

Was ist HAM-Tools – und von wem stammt es?

HAM-Tools ist eine native macOS-Anwendung für Funkamateure. Sie verbindet klassische Logbuchfunktionen mit Contestbetrieb, Outdoor-Diplomprogrammen, Funkgerätesteuerung und technischen Werkzeugen. Hinzu kommen Funktionen für SSTV, WSPR und E-Mail über das Winlink-Netz.

Als Entwickler und Ansprechpartner nennt das Projekt HB9HJI. Veröffentlicht wird es unter „HB9HJI · Funkwelt“. Die Website beschreibt funkwelt.net als persönliche Amateurfunk-Domain dieses Funkamateurs, auf der Werkzeuge, Notizen und Experimente entstehen. Ein vollständiger bürgerlicher Name wird auf den hier verwendeten Projektseiten nicht genannt. Projektübersicht, Funkwelt-Toolbox

Dabei sind zwei Angebote zu unterscheiden: Die Mac-Anwendung bietet das umfassende Stations- und Logbuchpaket. Die Web-Toolbox enthält technische Rechner, die direkt im Browser laufen. Beide werden gemeinsam gepflegt, die Browserseite ersetzt jedoch nicht das vollständige Stationsprogramm. Web-Toolbox

Welche Möglichkeiten bietet das Programm?

Logbuch für Alltag, DX und Outdoor-Funk

Im Mittelpunkt steht ein Logbuch mit mehreren getrennten Logs. So lassen sich das persönliche Hauptlog, einzelne Aktivierungen und Contestwochenenden unabhängig verwalten. Die Daten liegen lokal in Dateien mit der Endung .htlog, die auf SQLite basieren.

Unterstützt werden unter anderem POTA, SOTA, WWFF, BOTA, LLOTA, WCA und GMA. Die Eingabemasken passen sich dem jeweiligen Programm an und helfen bei Referenzen sowie bei Verbindungen zwischen aktivierenden Stationen. ADIF dient zum Austausch mit anderen Logbüchern; für SOTA ist ein eigener CSV-Export vorgesehen. Die Dokumentation weist darauf hin, dass ein ADIF-Export keine vollständige Sicherung der internen Datenbank ersetzt. Logbuch-Dokumentation

Online-Dienste lassen sich ebenfalls anbinden: Dokumentiert sind Uploads zu QRZ Logbook, Club Log, eQSL, LoTW, Wavelog und HRDLOG.net. Für LoTW muss zusätzlich TQSL installiert sein. Die Einreichung bei POTA und SOTA erfolgt weiterhin über den Browser mit den dafür erzeugten Exportdateien. Logbuch-Dokumentation, FAQ

Contestbetrieb

Für Wettbewerbe bietet HAM-Tools laut Dokumentation 40 Vorlagen, darunter CQ WW, CQ WPX, IARU HF, ARRL DX und verschiedene europäische sowie schweizerische Contests. Ein Assistent führt durch die Einrichtung; während des Betriebs helfen Punkteanzeige, Erkennung doppelter Kontakte und angepasste Austauschfelder. Die Abgabe wird durch Cabrillo-V3-Export unterstützt. Contest-Modul

Der Entwickler schränkt die Aussage zur Wertung ausdrücklich ein: Die Berechnung wurde noch nicht für jeden Wettbewerb mit offiziellen Ergebnislisten abgeglichen. Die angezeigte Endpunktzahl sollte deshalb vor einer Einreichung geprüft werden. Bekannte Probleme

Funkgerät und Antenne steuern

Über CAT, also die Computersteuerung des Transceivers, kann HAM-Tools Frequenz und Betriebsart übernehmen oder das Gerät auf eine ausgewählte Station abstimmen. Die Projektübersicht nennt 34 Geräteprofile verschiedener Hersteller und eine Anbindung über Hamlib. Mehrere Konfigurationen erleichtern den Wechsel zwischen Geräten.

Eine Besonderheit ist die direkte WLAN-Steuerung des Icom IC-705. Dabei werden unter anderem Frequenz, Betriebsart und PTT unterstützt; Audio wird über diese Verbindung nicht übertragen. Mit „Share CAT“ lässt sich die Steuerverbindung auch anderen Programmen wie WSJT-X zugänglich machen. CAT-Dokumentation, FAQ

Auch Antennenrotoren sind vorgesehen. Allerdings nennt die Fehlerübersicht noch ausstehende Tests mit realer Rotorhardware. Die vorhandenen Profile sollten daher nicht als pauschale Zusicherung für jede Stationskonfiguration verstanden werden. Bekannte Probleme

SSTV und Winlink

Das SSTV-Modul ermöglicht das Senden und Empfangen von Bildern direkt in der Anwendung. Dokumentiert sind automatische Betriebsartenerkennung, Wasserfalldarstellung, Galerie und Vorlagen mit eingeblendetem Rufzeichen. SSTV-Modul

Winlink ergänzt ein Postfach für E-Mails über Internet oder Funk. Für den Funkweg ist ARDOP integriert; passende Audio- und PTT-Einstellungen sowie eine Verbindung zum Funkgerät sind erforderlich.

Bei VARA gibt es eine wesentliche Einschränkung: Das eigentliche Modemprogramm läuft unter Windows. HAM-Tools verbindet sich damit über das Netzwerk, beispielsweise zu einem Windows-Rechner oder einer virtuellen Maschine. Die VARA-Unterstützung bedeutet somit nicht, dass VARA nativ in der Mac-Anwendung enthalten ist. Winlink-Modul

WSPR zum Antennenvergleich

Besonders interessant für experimentierfreudige Funkamateure ist das WSPR-Modul. Es unterstützt Senden und Empfangen, Bandwechsel über CAT sowie benannte Messzeiträume für unterschiedliche Antennenaufbauten.

Beim Vergleich zweier Zeiträume berücksichtigt die Auswertung nur Empfangsstationen, die beide Messungen gehört haben. Aus deren Signal-Rausch-Abständen wird eine typische Differenz ermittelt. Das ist aussagekräftiger als ein bloßer Vergleich der Anzahl empfangener Meldungen.

Ein kontrollierter Antennentest bleibt trotzdem notwendig: Zeitlich weit auseinanderliegende Messungen können durch wechselnde Ausbreitungsbedingungen verzerrt werden. HAM-Tools erleichtert die Auswertung, beseitigt diese physikalische Unsicherheit aber nicht. WSPR-Dokumentation

Antennen berechnen und simulieren

Der Antennensimulator verwendet NEC2, ein Rechenverfahren, auf dem auch bekannte Programme wie EZNEC und 4nec2 aufbauen. Aus Drahtgeometrie, Einspeisung und Bodenmodell entstehen unter anderem Speisepunktimpedanz, SWR, Gewinn und Strahlungsdiagramm. Seit Version 1.41 arbeitet der Rechenkern lokal und benötigt keine Internetverbindung. Antennensimulator

Die ergänzende Browser-Toolbox nennt derzeit 38 Rechner und Werkzeuge. Dazu gehören Antennendimensionierung, Spulen, Baluns und Ununs, Anpassnetzwerke, Kabeldämpfung, Smith-Chart, Linkbudget und Akkulaufzeit. Laut Betreiber laufen diese Werkzeuge vollständig im Browser, ohne Backend, Werbung oder Tracking. Web-Toolbox

Was ist gegenüber anderen Programmen besonders?

Die einzelnen Grundfunktionen sind im Amateurfunk längst bekannt. Logbücher, CAT, DX-Cluster, SSTV und Antennensimulation existieren bereits in anderen Anwendungen.

Der besondere Ansatz von HAM-Tools liegt aus meiner Sicht in der Zusammenführung dieser Aufgaben in einer nativen Mac-Oberfläche. Eine Station kann damit Kontakte erfassen, Outdoor-Referenzen verwalten, Funkgeräte steuern, Bilder übertragen und Antennen untersuchen, ohne für jeden Arbeitsschritt eine eigene Bedienoberfläche zu benötigen.

Das kann vor allem für Mac-Anwender attraktiv sein, die mehrere Bereiche des Hobbys betreiben. Ob daraus im persönlichen Betrieb tatsächlich weniger Einrichtungsaufwand entsteht, hängt allerdings von Funkgerät, Schnittstellen und benötigten Betriebsarten ab. Die dokumentierte Funktionsbreite allein belegt noch keine Überlegenheit bei Bedienbarkeit oder Zuverlässigkeit.

Betriebssysteme und Installation

Die vollständige Anwendung benötigt macOS 14 Sonoma oder neuer. Unterstützt werden Apple-Silicon- und Intel-Macs über eine Universal2-Ausgabe. Die Dokumentation nennt Tests bis macOS 26 Tahoe. macOS 12 und 13 werden nicht unterstützt. Native Ausgaben für Windows oder Linux werden auf den untersuchten Projektseiten nicht angeboten. Systemvoraussetzungen

Die Web-Rechner sind dagegen über den Browser zugänglich. Damit können auch Nutzer anderer Betriebssysteme einen Teil des Angebots verwenden.

Die Installation der Mac-Anwendung erfolgt in wenigen Schritten:

  1. Über die offizielle Anleitung die aktuelle DMG-Datei herunterladen.
  2. Das Disk-Image öffnen.
  3. HAM-Tools.app in den Ordner „Programme“ ziehen.
  4. Das Disk-Image auswerfen und die Anwendung starten.
  5. In den Stationseinstellungen Rufzeichen und QTH-Locator eintragen.
  6. Zum Testen ein Log anlegen oder eine vorhandene ADIF-Datei importieren.

Die aktuelle Ausgabe wird als Apple-notarisiert beschrieben. Alte Hinweise zur Umgehung von Gatekeeper beziehen sich auf frühere Vorabversionen. Das eigentliche Loggen funktioniert offline; Online-Abfragen, Spots und Uploads benötigen eine Verbindung. Installationsanleitung

Lizenz und Kosten

Ohne Lizenz lässt sich HAM-Tools mit insgesamt 50 QSOs über alle Logs hinweg ausprobieren. Danach bleiben vorhandene Kontakte lesbar und exportierbar, neue können jedoch nicht mehr erfasst werden.

Eine Lizenz wird per E-Mail an hb9hji@funkwelt.net angefragt. Das dokumentierte Modell besteht aus einem einmaligen Kauf mit dauerhafter Nutzung der abgedeckten Programmversionen und zwölf Monaten Updates. Für später veröffentlichte Versionen ist eine Verlängerung des Updateanspruchs erforderlich. Ein verlässlich ausgewiesener aktueller Kaufpreis war auf den ausgewerteten Seiten nicht zu finden. Lizenzinformationen

Vergleich mit ähnlicher Software

ProgrammPlattform und SchwerpunktEinordnung gegenüber HAM-Tools
MacLoggerDXNative Mac-Anwendung für DX, Logbuch, CAT, Rotoren und QSL-DiensteDie offizielle Übersicht nennt mehr als 100 unterstützte Funkgeräte und zahlreiche Schnittstellen. HAM-Tools fällt besonders durch die Kombination mit Winlink, SSTV und Antennentechnik auf.
RUMlogNGKostenloses Mac-Logbuch von Thomas Lindner, DL2RUM; DX, QSL und ContestEine leistungsfähige Alternative für klassisches Logging, Diplomverwaltung und Wettbewerbe. Auch CW-Keyer und RTTY sind enthalten.
N1MM Logger+Kostenloses Contestprogramm für WindowsFür einen starken Wettbewerbsschwerpunkt relevant. HAM-Tools bietet Mac-Anwendern ein breiteres Paket für verschiedene Amateurfunkaktivitäten.
WavelogFreies, quelloffenes Logbuch im Browser; auf einem Server betriebenInteressant für gemeinsame Logs und Zugriff von mehreren Geräten. HAM-Tools arbeitet lokal und kann Kontakte an Wavelog übertragen.
WSJT-XQuelloffene Software für Windows, macOS und Linux; schwache digitale Signale, etwa FT8 und FT4Ein ergänzendes Spezialprogramm. Die WSPR-Funktion von HAM-Tools macht es nicht zu einem vollständigen Ersatz für WSJT-X.

Quellen zum Vergleich: MacLoggerDX, RUMlogNG – Entwicklerbeschreibung im App Store, N1MM Logger+ und Plattforminformationen, Wavelog, WSJT-X.

Eine Rangliste wäre ohne vergleichende Praxistests wenig belastbar. Entscheidend ist der eigene Schwerpunkt: DX und QSL-Verwaltung, intensiver Contestbetrieb, gemeinsame Online-Logs oder eine möglichst vielseitige lokale Stationssoftware.

Aktueller Status und Aussichten

HAM-Tools ist bereits als Anwendung mit Download, Lizenzierung, Updatefunktion und umfangreicher Dokumentation verfügbar. Es handelt sich damit um ein nutzbares Projekt, dessen einzelne Bereiche weiterhin erprobt und erweitert werden.

Die Hilfeseiten dokumentieren Änderungen bis Version 1.54.0, darunter kompaktere Logbucheingabe, überarbeitete Statistikfunktionen und Anpassungen beim Datenexport. Andere Abschnitte tragen noch den Stand 1.53.0 oder älter. Da sich das Updateverzeichnis bei dieser Recherche nicht abrufen ließ, ist 1.54.0 hier als dokumentierter Funktionsstand zu verstehen; die aktuell ausgelieferte Downloadversion konnte nicht unabhängig bestätigt werden. Logbuch und Versionshinweise

Die öffentlich geführte Problemliste nennt noch offene Praxisprüfungen bei Rotorsteuerung, HRDLOG.net-Upload und Contestwertung. Diese Transparenz ist hilfreich, zeigt aber auch, an welchen Stellen weitere Rückmeldungen aus dem Funkbetrieb nötig sind. Bekannte Probleme

Als mögliche Weiterentwicklung erwähnt die FAQ eigene Contestdefinitionen. Einen verbindlichen Termin nennt sie nicht. Ein Rückport auf macOS 13 wird in der Startanleitung als mittelfristig möglich beschrieben, ist für die 1.x-Reihe jedoch nicht vorgesehen. Eine angekündigte Windows- oder Linux-Ausgabe lässt sich aus den untersuchten Quellen nicht ableiten. FAQ, Startanleitung

Die aussichtsreichste Stärke des Projekts ist die Verbindung von Funkbetrieb und technischer Erprobung: Antennen modellieren, mit WSPR vergleichen und die Kontakte im selben Umfeld verwalten. Wie weit HAM-Tools damit etablierte Lösungen ersetzen kann, wird vor allem von weiterer Hardwareerprobung, verlässlicher Pflege und Erfahrungen der Anwender abhängen.

Fazit

HAM-Tools ist für Mac-Funkamateure eine interessante Option, wenn das Programm mehr leisten soll als Kontakte zu speichern. Outdoor-Workflows, digitale Anwendungen und Antennenwerkzeuge ergeben ein ungewöhnlich vielseitiges Gesamtpaket.

Für die Auswahl empfiehlt sich ein Test mit dem eigenen Funkgerät und einigen vorhandenen Logdaten. Die 50-QSO-Demo bietet dafür einen Einstieg. Wer hauptsächlich Wettbewerbe bestreitet, ein gemeinsames Serverlog benötigt oder spezielle digitale Betriebsarten nutzt, sollte die jeweiligen Spezialprogramme in den Vergleich einbeziehen.

Quellennachweise und weiterführende Links

Alle Quellen wurden für diesen Artikel am 4. Oktober 2026 recherchiert. Funktionsangaben zu HAM-Tools stammen überwiegend vom Entwickler.

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