IKEA ALPSTUGA im Praxistest: CO₂-Sensor per Thread an Home Assistant

Eigentlich wollte ich nur wissen, wie die Luft in einem unserer Schlafzimmer morgens wirklich ist. Am Ende stand ein neuer Funkstick am Raspberry Pi, ein eigenes Thread-Netz – und ein Sensor für knapp 30 Euro, der mehr kann, als sein Preis vermuten lässt.

Die Rede ist vom IKEA ALPSTUGA, einem kleinen Luftqualitätssensor mit Display. Er misst CO₂, Feinstaub, Temperatur und Luftfeuchte und funkt über Matter over Thread. Wie er sich in der Praxis schlägt und warum ich ihn direkt an Home Assistant angebunden habe statt an IKEAs eigenen Hub, beschreibe ich hier.

Was ist der ALPSTUGA?

Der ALPSTUGA (Typ E2495) ist IKEAs Nachfolger der früheren Luftsensoren – und der erste aus Schweden mit echtem CO₂-Sensor. Er kam Anfang 2026 in die Märkte; Techtest.org hatte ihn bereits im Februar auf dem Prüfstand.

Preis29,99 € (IKEA Deutschland), lokal teils schon für 19,99 € im Angebot
MesswerteCO₂ (ppm), Feinstaub PM2,5 (µg/m³), Temperatur, Luftfeuchte
Anzeigeweißes LED-Display, Taste oben schaltet durch die Werte, alternativ Uhrzeit
AmpelLichtpunkt vorn, grün bis orange je nach CO₂
FunkMatter over Thread, arbeitet selbst als Thread-Router
StromUSB-C, ca. 0,4–0,6 W – Netzteil und Kabel nicht dabei (SMÅHAGEL-Set 4,99 €)
Größe90 × 40 × 40 mm

Wichtig zu wissen: Ohne Thread-Border-Router bleibt der ALPSTUGA ein hübsches Tischgerät mit Display. Erst ein solcher Router verbindet das Thread-Funknetz mit deinem Heimnetz – IKEA nennt dafür den eigenen Hub DIRIGERA. Es geht aber auch anders.

Die Daten – vor allem CO₂

Kaum war der Sensor gekoppelt, zeigte er im Schlafzimmer 941 ppm CO₂ und 26 µg/m³ Feinstaub – die Luftqualität meldete er schlicht als „poor“. Ein Fenster stand da schon ein paar Stunden nicht mehr offen.

CO₂ ist der beste Indikator für verbrauchte Atemluft. Draußen liegen wir bei rund 420 ppm, in einem geschlossenen Schlafzimmer mit zwei Personen steigt der Wert über Nacht schnell auf 1.500 ppm und mehr. Die Folge kennt jeder: schwerer Kopf am Morgen, schlechterer Schlaf. Für meine Anzeigen nutze ich diese Stufen:

CO₂Bewertung
unter 800 ppmgute Luft
800–1.000 ppmin Ordnung
1.000–1.400 ppmLüften empfohlen
über 1.400 ppmbitte lüften

Feinstaub PM2,5 (Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer) kommt vom Kochen, von Kerzen oder schlicht von draußen herein. Die WHO empfiehlt im Jahresmittel höchstens 5 µg/m³ – innen sind 10 bis 15 noch unauffällig.

Temperatur und Luftfeuchte runden das Bild ab. Zusammen ergeben sie den Taupunkt – die Temperatur, bei der Feuchtigkeit an kalten Wänden kondensiert. Gerade im Schlafzimmer ist das der Wert, der über Schimmel entscheidet.

Zur Genauigkeit: Techtest.org hat den ALPSTUGA gegen ein Air-Q Basic für über 400 Euro gemessen. Der CO₂-Verlauf passt, der Referenzsensor reagiert etwas empfindlicher. Die Temperatur liegt rund 0,5 °C zu hoch, weil sich das Gehäuse leicht erwärmt. Neue Werte kommen etwa alle 10 Sekunden – für Raumluft mehr als genug.

Die Anbindung: Home Assistant, Raspberry Pi und ZBT-2

Bei mir läuft Home Assistant auf einem Raspberry Pi. Was fehlte, war Thread. Die Lösung ist der Home Assistant Connect ZBT-2 von Nabu Casa – ein USB-Funkstick mit Silicon-Labs-Chip MG24 und kleiner Antenne. Er spricht wahlweise Zigbee oder Thread; ich habe ihn als Thread-Border-Router eingerichtet.

So bin ich vorgegangen:

  1. ZBT-2 anstecken – über das mitgelieferte 1,5-m-Kabel, damit er nicht direkt neben den USB-3-Ports des Pi sitzt. Die stören auf 2,4 GHz spürbar.
  2. Firmware wählen – Home Assistant erkennt den Stick von selbst und fragt: Zigbee oder Thread? Nach Auswahl von Thread spielt es die Firmware auf und installiert die App OpenThread Border Router gleich mit.
  3. Thread-Netz prüfen – unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Thread erscheint das neue Netz als bevorzugtes Netzwerk.
  4. ALPSTUGA koppeln – über den Matter-Code auf der Rückseite.

Beim letzten Schritt wurde es spannend. Der übliche Weg führt über die Home-Assistant-App auf dem Smartphone. Mein Pixel meldete jedoch hartnäckig, das Gerät benötige einen Thread-Border-Router – obwohl einer lief. Das Handy hatte die Zugangsdaten des Thread-Netzes schlicht nicht übernommen.

Die Abhilfe: Der Matter Server von Home Assistant kann Geräte inzwischen selbst über Bluetooth in Betrieb nehmen – mit der Option BLE-Proxy, die den Bluetooth-Stack von Home Assistant nutzt. Dort habe ich die Thread-Zugangsdaten hinterlegt und den Code direkt übergeben. Eine Minute später war der ALPSTUGA im Netz, ganz ohne Handy.

Bluetooth dient dabei nur dem ersten Handschlag. Danach läuft alles über Thread – ein Mesh-Netz, in dem jedes Gerät mit Dauerstrom die anderen weiterreicht. Auch der ALPSTUGA selbst ist so ein Router und vergrößert das Netz für künftige Geräte.

Warum nicht einfach IKEAs DIRIGERA?

IKEA empfiehlt für den ALPSTUGA den eigenen Hub DIRIGERA. Er ist Thread-Border-Router und Matter-Zentrale in einem und kostet inzwischen 75 Euro – rund 25 Prozent mehr als zum Start (iphone-ticker.de). Wer ohnehin Home Assistant betreibt, fährt mit dem ZBT-2 besser:

DIRIGERAHome Assistant + ZBT-2
Zusätzliches Geräteigener Hub am RouterUSB-Stick am vorhandenen Pi
Datenweg zu Home AssistantUmweg über den Hub (Matter-Freigabe)direkt, ohne Zwischenstation
Messwertewas der Hub weiterreichtalle Sensoren, Display-Schalter, Firmware-Update
Verlauf und StatistikIKEA-AppLangzeitstatistik in Home Assistant
AutomationenIKEA-App, begrenztalles, was Home Assistant kann
Weitere FunkgeräteIKEA-Weltjedes Thread-/Matter-Gerät, auf Wunsch Zigbee

Der größte Vorteil ist für mich der direkte Weg: Die Daten bleiben im Haus, kein Hersteller-Hub und keine App sitzen dazwischen. Fällt der Hub eines Herstellers aus oder ändert sich die Firmware, betrifft das meine Sensoren nicht. Und mit jedem weiteren Thread-Gerät wächst ein Netz, das mir gehört – nicht IKEA.

Was ich daraus gemacht habe

In Home Assistant heißt der Sensor jetzt „Luftsensor Schlafzimmer #1“ und gehört zum Raum Schlafzimmer. Seine Werte tauchen an mehreren Stellen auf:

  • Startseite – eine Kachel mit dem CO₂-Wert in Ampelfarbe. Ab 1.400 ppm pulsiert sie rot.
  • Wetter-Board – neben dem Ecowitt-CO₂-Sensor im Shack, mit eigener 24-Stunden-Kurve.
  • Raumklima-Board – ein neues Dashboard für alle Räume, mit animiertem Grundriss, Verlaufskurven und Lüftungstipps. Die Tipps vergleichen die absolute Feuchte innen und außen – so sieht man, ob Lüften gerade wirklich trocknet.
  • Lüften-Hinweis – liegt CO₂ fünf Minuten über 1.200 ppm, meldet sich der Mac.

Das Display am Gerät lässt sich übrigens aus Home Assistant schalten – nützlich, wenn es nachts im Schlafzimmer stört.

Fazit

Für knapp 30 Euro bekommt man mit dem ALPSTUGA einen ehrlichen CO₂-Sensor mit Feinstaub, Temperatur und Feuchte – klein, leise und ohne Akku-Sorgen. Seine wahre Stärke zeigt er erst im Smart Home. Wer Home Assistant betreibt, braucht keinen IKEA-Hub: Ein ZBT-2 am Pi macht daraus ein eigenes Thread-Netz, das mit jedem weiteren Gerät wächst.

Die nächsten Thread-Sensoren liegen schon bereit. Ich freue mich über eure Erfahrungen mit dem ALPSTUGA – gerne auch über Vergleichsmessungen mit anderen CO₂-Sensoren.

Quellen

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