Mein KiwiSDR 2 – und plötzlich hört die halbe Welt in Berlin mit

Eigentlich hatte ich mit ein paar neugierigen Funkfreunden gerechnet. Ein Kiwi mehr auf der Weltkarte, gelegentlich schaut jemand vorbei, dreht kurz über 40 m und ist wieder weg. Gekommen ist es anders: Seit Anfang Oktober läuft mein KiwiSDR 2 hier in Berlin, und kaum ein Tag vergeht, an dem nicht jemand zuhört – oft mehrere gleichzeitig, manchmal stundenlang, und viele kommen wieder.

Das weiß ich nicht aus dem Bauch heraus. Der Kiwi hängt an meinem Home Assistant, und der schreibt seit Wochen alles mit.

Ein paar Zahlen, die mich überrascht haben

  • Rund 370 Hörerstunden in gut einem Monat (3. Oktober bis 4. November) – also im Schnitt über elf Stunden am Tag, in denen irgendwo auf der Welt jemand über meine Antenne hört.
  • Bis zu 7 gleichzeitige Zuhörer auf den 8 Kanälen des Kiwi.
  • Der stärkste Tag war der 27. Oktober mit über 37 Hörerstunden.
  • Die längste einzelne Sitzung: knapp 14 Stunden am Stück.
  • Allein in den letzten elf Tagen waren 17 verschiedene Hörer mit eingetragenem Namen da – fast die Hälfte davon an mehreren Tagen. Dazu kommen anonyme Besucher ohne Namen, die an 10 von 11 Tagen reingehört haben.

Die Kurve zeigt schön, wie es anfing: Die ersten Tage fast nichts, dann ab dem 11. Oktober ein ständiges Kommen und Gehen – und Ende Oktober noch einmal ein deutlicher Schub.

Wer da eigentlich zuhört

Ein Blick in die Details lohnt sich, denn nicht jeder „Zuhörer“ ist ein Mensch mit Kopfhörer. Ein guter Teil der Verbindungen stammt von automatischen Mess- und Forschungsclients – Programme, die KiwiSDRs weltweit nutzen, um bestimmte Frequenzen dauerhaft aufzuzeichnen. Bei mir hängt zum Beispiel einer fast durchgehend im Längstwellenbereich bei 23 kHz, ein anderer hat im 30-m-Band um 10,146 MHz über Tage hinweg im IQ-Modus mitgeschnitten.

Spannender finde ich die Menschen:

  • CB-Funk auf 11 m ist der heimliche Spitzenreiter. Hörer aus Berlin und dem Umland sitzen abends teils über drei Stunden auf 26,985 MHz – hier merkt man, dass mitten in der Stadt eben auch reichlich lokaler Funkverkehr unterwegs ist.
  • Digitalbetrieb auf 40 m und 20 m – FT8 auf 7,074 MHz und die Digimodes um 14,070 MHz. Funkamateure, die prüfen, wie ihre Signale in Berlin ankommen, oder einfach die Bandöffnung beobachten.
  • Rundfunk auf 49 m, dazu Abstecher in den Seefunk und Streifzüge über das 30-m-Band.

Die Funkamateure unter den Hörern kommen übrigens aus ganz Deutschland – von München über Köln und Hannover bis Leipzig – und vereinzelt aus Polen und Belarus.

Ein kleiner Hinweis zur Grafik: Der Kiwi ordnet jede Verbindung über ihre IP-Geolokalisierung einem Ort zu. Hinter „USA“ steckt deshalb vor allem Ashburn in Virginia – einer der größten Rechenzentrumsstandorte der Welt. Das sind eher Cloud-Dienste als Hörer in Amerika. Auch hinter Singapur und einem großen Teil der Ukraine stecken Forschungsclients. Die vielen Verbindungen aus Deutschland dagegen sind zu einem guten Teil echte Hörer.

Feierabend ist Kiwi-Zeit

Rechnet man alle Sitzungen auf die Tageszeit um, zeigt sich ein klares Bild:

Die automatischen Clients (orange) laufen rund um die Uhr gleichmäßig durch. Die Menschen (blau) kommen nachmittags und vor allem zwischen 18 und 21 Uhr – genau dann, wenn auch die unteren Kurzwellenbänder aufgehen. Kurzwelle ist eben ein Feierabend-Hobby.

So klingt die Großstadt

Ein KiwiSDR mitten in Berlin ist kein Empfänger auf einem einsamen Hügel. Das hört man – und das sieht man in den Daten.

Der Kiwi misst regelmäßig seinen SNR (Signal-Rausch-Abstand – wie weit die Signale über dem Grundrauschen liegen). Dieser Wert wird auch in der weltweiten Kiwi-Liste angezeigt und ist so etwas wie die Visitenkarte eines Standorts.

Am Anfang lag der SNR bei mageren 3 bis 4 dB – da hing noch die aktive Loop am Kiwi, die sich an meinem Standort einfach nicht bewährt hat. Mit jedem Umbau ging es aufwärts, und seit der Multi-Dipol angeschlossen ist, liegt der Wert stabil bei rund 18 dB über den gesamten Bereich und 12 bis 13 dB auf Kurzwelle.

Das ist ordentlich – für die Stadt. Ruhige Standorte auf dem Land schaffen deutlich mehr. Der Grund ist bekannt: Man-made Noise (vom Menschen verursachtes Störrauschen) aus Netzteilen, LED-Lampen, Solarwechselrichtern, Powerline und Co. Die ITU beziffert in ihrer Empfehlung P.372, dass der Rauschpegel in Städten auf Kurzwelle deutlich über dem ländlicher Gegenden liegt. Der Rauschpegel auf Kurzwelle liegt bei mir um –77 dBm.

Dazu kommen starke Signale aus der Nachbarschaft: Der Zähler für ADC-Übersteuerungen (der Analog-Digital-Wandler wird kurzzeitig von zu starken Signalen übersteuert) steht seit dem letzten Neustart bei über 40.000. Auch das gehört zum Großstadtempfang.

Und trotzdem: Gerade diese Mischung macht den Kiwi offenbar interessant. Wer wissen will, wie Kurzwelle mitten in einer Millionenstadt klingt, findet hier eine ehrliche Antwort – mit allem Knistern und Brummen.

Home Assistant behält den Kiwi im Blick

Die ganzen Auswertungen wären ohne Home Assistant kaum möglich. Der Kiwi liefert über seine Statusschnittstelle laufend Daten, und Home Assistant macht daraus Sensoren, Diagramme und kleine Automatisierungen:

  • Zuhörer und belegte Kanäle – mit Name, Frequenz, Betriebsart und grobem Standort jeder Sitzung.
  • SNR und Rauschpegel – damit sehe ich sofort, ob eine Antennenänderung etwas gebracht hat.
  • GPS-Überwachung – Satelliten und Fixes pro Minute, für die exakte Frequenz- und Zeitbasis.
  • Benachrichtigung bei neuen Zuhörern – ja, ich gebe zu, da schaue ich manchmal neugierig aufs Handy.
  • Watchdog – meldet sich, wenn der Kiwi hängt oder nicht erreichbar ist.

Die Statistiken bleiben dauerhaft gespeichert, die Details zu einzelnen Sitzungen rund zehn Tage. Für die Grafiken in diesem Artikel habe ich genau diese Daten ausgewertet.

Live auf dl7ag.de – für jeden sichtbar

Ein Teil davon ist nicht nur für mich: Home Assistant schickt alle 30 Sekunden den aktuellen Status des Kiwi an meine Webseite. Dort seht ihr live, ob der Kiwi online ist, wie viele Kanäle gerade belegt sind und auf welchen Frequenzen gehört wird.

Wichtig war mir dabei der Datenschutz: IP-Adressen werden nicht übertragen. Angezeigt wird nur, was der Kiwi ohnehin in seiner öffentlichen Benutzerliste zeigt.

So könnt ihr vorher schauen, ob noch ein Kanal frei ist – oder einfach beobachten, wer gerade wo zuhört.

Danke fürs Zuhören

Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ein Empfänger in einer Berliner Wohnung so viel Zuspruch findet. Jede Sitzung, jeder wiederkehrende Hörer zeigt mir: Das Teilen lohnt sich.

Wenn ihr noch nicht da wart – schaut gern vorbei: kiwi.dl7ag.de. Und wer regelmäßig reinhört: Schreibt mir, was ihr empfangt und wie ihr den Berliner Empfang erlebt. Als Nächstes stehen FT8- und WSPR-Skimmer auf 40 und 20 m auf meiner Liste – dann gibt es auch dazu Zahlen.

Quellen und weiterführende Informationen

Alle Zahlen und Grafiken stammen aus meinem eigenen Home Assistant (Zeitraum 3. Oktober bis 5. November 2026; Sitzungsdetails 26. Oktober bis 5. November 2026). Standortangaben beruhen auf der IP-Geolokalisierung des KiwiSDR und sind nur ungefähr.

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