Wer sich mit Amateurfunksatelliten beschäftigt, kennt das Problem: Bahndaten sind zwar verfügbar, aber längst nicht jedes Programm erwartet sie im gleichen Format. Neben dem klassischen TLE-Format spielen modernere Datenformate eine zunehmend wichtige Rolle. Genau an dieser Stelle setzt OrbitHub an.
OrbitHub wird entwickelt, um die unterschiedlichen Welten miteinander zu verbinden. Statt sich Gedanken darüber machen zu müssen, welche Quelle welches Format liefert und welche Satellitensoftware damit umgehen kann, übernimmt OrbitHub diese Aufgabe zentral.
Alte und neue Bahndaten unter einem Dach
Das klassische TLE-Format ist seit Jahrzehnten etabliert und wird von zahlreichen vorhandenen Satellitenprogrammen unterstützt. Gleichzeitig existieren modernere Formate wie OMM, die unter anderem als JSON, CSV oder XML bereitgestellt werden können. Diese beseitigen einige Beschränkungen des klassischen TLE-Formats und sind damit gerade für die Zukunft von Bedeutung.
Für den praktischen Einsatz entsteht daraus jedoch ein Problem: Neue Datenquellen treffen auf Programme, die teilweise weiterhin klassische TLE-Daten erwarten.
OrbitHub soll genau diese Lücke schließen. Bahndaten werden eingelesen, verarbeitet und zwischen den unterstützten Formaten konvertiert und wieder bereitgestellt. Damit soll es letztlich keine Rolle spielen, in welchem Format Daten hereinkommen oder welches Format eine vorhandene Anwendung benötigt.
Bereits heute können TLE-Daten beispielsweise als 2- oder 3-Zeilen-Format exportiert und über einen festen Link für den automatischen Import durch externe Satellitenprogramme bereitgestellt werden. Als Datenquellen nutzt OrbitHub CelesTrak und SatNOGS mit automatischem Fallback. Aber auch andere Quellen werden gerade eingebaut und können vom Anwender auch individuell angelegt werden.
Mehr als nur ein Konverter
Aus der ursprünglichen Idee eines Bindeglieds zwischen verschiedenen Bahndatenformaten ist inzwischen deutlich mehr geworden.
OrbitHub bietet eine eigene Weboberfläche, über die Satelliten gesucht und deren Überflüge für den eigenen Beobachtungsstandort berechnet werden können. Angezeigt werden unter anderem Aufgang, höchste Elevation, Azimut und Untergang. Eine interaktive Karte stellt die aktuelle Position, Bodenspur, den eigenen Standort und den Sichtbarkeitsbereich dar. Für geeignete Objekte können zudem sichtbare Überflüge unter Berücksichtigung der Sonnen- und Beobachtungsbedingungen vorhergesagt werden.
Auch die tatsächlichen Bedingungen am eigenen Standort lassen sich berücksichtigen: Neben Rufzeichen, Koordinaten und Maidenhead-Locator kann eine individuelle Horizontmaske hinterlegt werden – beispielsweise wenn Gebäude oder andere Hindernisse Teile des Horizonts verdecken.
Der eigene Raspberry Pi als OrbitHub
OrbitHub ist bewusst als selbst gehostete Anwendung konzipiert. Ein Raspberry Pi reicht dafür aus – getestet wurde die Software bereits auf einem Raspberry Pi 3B. Durch Docker und Docker Compose ist OrbitHub jedoch nicht auf den Raspberry Pi beschränkt und kann auch auf anderen Docker-Hosts betrieben werden.
Ein wichtiger Punkt dabei: Die Bahnberechnungen erfolgen lokal. Beobachtungsstandort und Nutzungsdaten müssen das eigene Netzwerk nicht verlassen. Nach der Installation steht OrbitHub als Webanwendung im lokalen Netzwerk zur Verfügung.
Die Installation und Konfiguration ist ausführlich dokumentiert und so gestaltet, dass für den Betrieb kein eigener Serverdienst erforderlich ist. Raspberry Pi, Docker und wenige Schritte genügen, um eine eigene OrbitHub-Instanz aufzubauen.
Offen und für die Amateurfunk-Community gedacht
OrbitHub ist ein Open-Source-Projekt und wird unter der MIT-Lizenz veröffentlicht. Der Quellcode, die Installationsanleitung und die weitere Entwicklung sind öffentlich auf GitHub verfügbar; Beiträge und Pull Requests sind ausdrücklich willkommen.
OrbitHub auf GitHub
Das Ziel ist dabei recht einfach: Bahndaten sollen sich nach der Software richten – und nicht der Funkamateur nach dem Bahndatenformat. OrbitHub soll dafür eine zentrale, lokale Plattform schaffen, die Daten beschafft, konvertiert und bereitstellt und gleichzeitig die Werkzeuge bietet, die man für die praktische Satellitenbeobachtung und den Amateurfunkbetrieb benötigt.
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