Schneller, ja – aber wozu eigentlich? Ein Benchmark-Ausflug durchs Shack

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Test werden: Der neue Radxa Dragon Q8B ist eingerichtet, OrbitHub läuft, und ich wollte einfach mal sehen, wie viel schneller das neue Board gegenüber dem alten Raspberry Pi 3B eigentlich ist. Ein Geekbench-Lauf, ein Ergebnis, fertig. Daraus wurde dann doch mehr – ich habe quer durchs Shack und durch mein Apple-Archiv getestet, vom brandneuen SBC bis zum 14 Jahre alten iMac. Und je länger ich Zahlen verglichen habe, desto mehr hat sich die eigentliche Frage verschoben: Nicht „was ist am schnellsten“, sondern „was brauche ich eigentlich wirklich“.

Die Zahlen

Getestet mit Geekbench, teils in Version 6, teils in der aktuellen Version 7 – die Werte zwischen den Versionen sind nicht eins zu eins vergleichbar, aber die Größenordnung stimmt:

  • Radxa Dragon Q8B (Snapdragon 8cx Gen 3, 8 Kerne): 1456 Single-Core, 7207 Multi-Core
  • Mac mini (2023, Apple M2): 2654 Single-Core, 10015 Multi-Core
  • MacBook Pro 15″ (Late 2013, Intel i7-4750HQ): 747 Single-Core, 2562 Multi-Core
  • iMac 27″ (Late 2012, Intel i5-3470), dank OpenCore Legacy Patcher noch mit aktuellem macOS Sonoma: 740 Single-Core, 2273 Multi-Core
  • Raspberry Pi 4 (2 GB RAM): gar kein Ergebnis – dazu gleich mehr

Der Q8B liegt beim Rechnen ungefähr doppelt so hoch wie mein 13 Jahre altes MacBook Pro, bei Multi-Core sogar fast das Dreifache. Für ein Einplatinencomputer in dieser Preisklasse ist das beachtlich. Gegen den Mac mini mit M2 zieht er trotzdem den Kürzeren, gut die Hälfte bei Single-Core, knapp drei Viertel bei Multi-Core. Kein Wunder – der M2 ist ein Notebook- und Desktop-Chip, kein SBC.

Der Pi 4 und die Sache mit dem Alter

Interessant wurde es beim Raspberry Pi 4. Fünfmal habe ich versucht, dort einen sauberen Lauf hinzubekommen. Erst ist der Test wegen Out of Memory (der Kernel beendet einen Prozess selbst, wenn der Arbeitsspeicher ausgeht) abgestürzt – bei nur 1,8 GB RAM kein Wunder. Mit einer nachgerüsteten Swap-Datei lief der Rechenteil dann zwar durch, aber der automatische Upload der Ergebnisse ist immer wieder an einem internen Fehler gescheitert.

Das zeigt etwas, das ich beim Sortieren der Zahlen übersehen hatte: Es geht nicht immer ums Alter. Der Pi 4 ist jünger als mein MacBook Pro und trotzdem der schwächste Kandidat im Test – nicht weil der Prozessor zu lahm wäre, sondern weil 2 GB RAM für heutige Software knapp bemessen sind. Manchmal ist nicht das Gerät das Problem, sondern eine einzelne, unterdimensionierte Komponente.

Und der 14 Jahre alte iMac?

Der eigentliche Star des Vergleichs ist für mich der iMac von 2012. Mit OpenCore Legacy Patcher – einem Community-Projekt, das aktuelle macOS-Versionen auf offiziell längst ausgemusterte Macs bringt – läuft er heute mit macOS Sonoma, vierzehn Jahre nach seiner Markteinführung. Seine Werte liegen praktisch gleichauf mit dem MacBook Pro von 2013. Für alltägliche Aufgaben – Mail, Web, ein bisschen Textverarbeitung – reicht das nach wie vor locker.

Als Apple-Nutzer seit dem Apple II von 1977 ist mir dieser Gedanke ohnehin vertraut: Ein Gerät muss nicht neu sein, um noch gut zu sein. Es muss zur Aufgabe passen.

Was heißt das fürs Shack?

Genau diese Frage stelle ich mir jetzt beim Q8B. OrbitHub, meine Satelliten-Vorhersage-Webapp, ist technisch gesehen anspruchslos – ein bisschen Python, ein bisschen Webserver, das lief auf dem alten Pi 3B im Grunde schon ordentlich. Für den reinen Betrieb hätte es also nicht zwingend ein Snapdragon-8cx-Gen-3-Board gebraucht.

Aber im Amateurfunk kommt selten nur eine Anwendung allein. Auf meiner Liste für den Q8B stehen noch:

  • IC-705-Rig-Control über kappanhang und rigctld (die Steuerungssoftware, mit der man sein Funkgerät per Software statt per Hand bedient)
  • Perspektivisch mehr Digimodes gleichzeitig – wer schon mal versucht hat, FT8 auf mehreren Bändern parallel zu dekodieren, weiß, dass hier plötzlich jeder Kern zählt
  • Docker-Container, die nebeneinander laufen, statt sich einen einzigen schwachen Prozessor zu teilen

Die klassische Amateurfunk-Software – WSJT-X, fldigi, Direwolf für APRS, Gpredict – ist bewusst genügsam programmiert und läuft seit Jahren zuverlässig auf einem Raspberry Pi. Wer nur eine dieser Anwendungen betreiben will, braucht wirklich kein Hochleistungsboard. Sobald aber mehrere Dinge gleichzeitig laufen sollen – Satellitenverfolgung, Rig-Steuerung, ein Web-Dashboard, vielleicht später noch Doppler-Korrektur in Echtzeit für Satelliten-QSOs –, macht sich Reserve bezahlt. Nicht weil die einzelne Aufgabe mehr Leistung braucht, sondern weil man nicht ständig gegen die Auslastung ankämpfen will.

Und für ein Gerät, das 24 Stunden am Tag im Shack läuft, zählt ohnehin mehr als der reine Spitzenwert: Stromverbrauch, Zuverlässigkeit, genug Luft nach oben, um in einem Jahr noch etwas draufzupacken, ohne gleich wieder neue Hardware zu kaufen.

Muss es also immer das Neueste sein? Nach diesem Nachmittag mit Geekbench sage ich: nein. Aber manchmal lohnt sich der Umstieg trotzdem – nicht, weil das Alte kaputt oder das Neue schneller wäre, sondern weil man vorhat, mehr damit zu tun als vorher. Beim Q8B ist genau das der Fall.

Ich freue mich über eure Erfahrungen – ob mit alter Hardware, die noch klaglos ihren Dienst tut, oder mit neuen Boards im Shack.

Quellen und Links für den Artikel

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