Home Assistant im Shack

Ein übriger Raspberry Pi und zwei Abende

Eigentlich sollte es nur ein kurzer Versuch werden: Ein Raspberry Pi 4 lag ungenutzt in der Schublade, und ich wollte endlich einmal sehen, was die FRITZ!Box so alles über mein Heimnetz verrät. Zwei Abende später hängen die FRITZ!Box, sämtliche Hue-Lampen und meine Ecowitt-Wetterstation an einer gemeinsamen Oberfläche – und ich habe zwei Dashboards, auf die ich inzwischen öfter schaue als auf die Wetter-App im Handy.

Das Herzstück dieser Runde ist Home Assistant. In diesem Artikel erzähle ich, wie der Weg dorthin aussah – mit Stolperstein –, welche Hardware du brauchst, was sich alles verknüpfen lässt und wie ein altes Tablet zum Info-Display an der Wand wird.

Was ist Home Assistant – und warum gerade das?

Home Assistant ist eine kostenlose, quelloffene Software für die Hausautomation. Man kann sie sich wie einen Dolmetscher vorstellen: Die FRITZ!Box spricht ihre Sprache, die Hue-Lampen eine andere, die Wetterstation wieder eine andere – Home Assistant versteht sie alle und bringt sie an einem Ort zusammen.

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:

  • Lokal statt Cloud – die Daten bleiben im eigenen Heimnetz, verarbeitet wird zu Hause. Nur wenn ein Gerät keinen anderen Weg kennt, geht es über die Cloud des Herstellers.
  • Herstellerunabhängig – das Projekt nennt über 1.500 Integrationen und mehr als 1.000 unterstützte Marken. Statt fünf Apps gibt es eine Oberfläche.
  • Kostenlos und offen – kein Abo, keine Lizenz. Eine riesige Gemeinschaft entwickelt mit; laut Projektseite läuft Home Assistant in über 2,7 Millionen Haushalten.
  • Automationen – Geräte reagieren aufeinander: Licht an, wenn es draußen dunkel wird; eine Nachricht aufs Handy, wenn der Blitzsensor ein Gewitter meldet.
  • Dashboards – frei gestaltbare Übersichtsseiten im Browser, in der App oder auf einem Wanddisplay.

Für uns Funkamateure kommt ein Punkt dazu: Home Assistant ist eine Spielwiese für alle, die gern basteln – und trotzdem so ausgereift, dass es im Alltag einfach läuft.

Welche Hardware brauchst du?

Die gute Nachricht: Home Assistant ist genügsam. Ein kleiner Rechner, der rund um die Uhr läuft und wenig Strom braucht, reicht völlig. Die offiziellen Mindestanforderungen für den Raspberry Pi:

BauteilMindestensMeine Empfehlung
RechnerRaspberry Pi 4 oder 5Pi 4 oder 5 mit 4 GB
Arbeitsspeicher2 GB4 GB, dann ist Luft für Erweiterungen
SpeichermicroSD, 32 GBMarkenkarte mit A2-Kennzeichnung, lieber größer
Netzteilpassendes Original-Netzteilkein Handy-Ladegerät, kein USB-Port am PC
NetzwerkLAN-Kabel (für die Installation Pflicht)dauerhaft am Kabel lassen

Mein Pi 4 läuft mit einer 400-GB-Karte – das ist üppig, aber sie lag gerade herum.

Alternativen:

  • Home Assistant Green – das fertige Gerät vom Projekt selbst: Vierkern-Prozessor, 4 GB RAM, 32 GB Speicher, vorinstalliert. Stromverbrauch laut Hersteller etwa 1,7 W im Leerlauf, Preisempfehlung 179 €. Ideal, wenn du gar nicht basteln möchtest.
  • Ein alter Mini-PC oder Laptop (Intel/AMD, 64 Bit, UEFI-Boot) – mehr Leistung, aber meist auch mehr Stromverbrauch.
  • Eine virtuelle Maschine auf einem vorhandenen Server oder NAS.

Empfohlen wird das Komplettpaket Home Assistant OS (ein eigenes, schlankes Betriebssystem nur für Home Assistant). Nur damit gibt es Zusatz-Apps, Backups und Updates per Mausklick.

Die Installation – und mein Stolperstein

Die Installation selbst ist erstaunlich einfach:

  1. Im Raspberry Pi Imager am Rechner das Gerät Raspberry Pi 4 wählen, unter Other specific-purpose OS → Home Automation → Home Assistant das passende Image auswählen und auf die microSD schreiben.
  2. Karte in den Pi, LAN-Kabel dran, Strom dran.
  3. Warten. Beim ersten Start lädt Home Assistant noch einiges aus dem Internet nach – das dauert gut 15 bis 20 Minuten.
  4. Im Browser die Adresse aufrufen, die der Pi am Bildschirm anzeigt, oder einfach http://homeassistant.local.
  5. Benutzer anlegen, Standort wählen – fertig.

Bei mir lief es beim ersten Anlauf trotzdem nicht rund. Ich hatte zusätzlich das WLAN eingerichtet und an den Netzwerkeinstellungen herumprobiert. Danach meldete die Statusseite (der sogenannte Observer) zwar „alles gesund“, die eigentliche Oberfläche blieb aber unerreichbar. Statt lange Fehler zu suchen, habe ich die Karte einfach neu beschrieben – eine halbe Stunde später stand alles.

Meine Lehren daraus:

  • Nur am LAN-Kabel starten und das WLAN erst einmal in Ruhe lassen.
  • Netzwerkeinstellungen in Home Assistant nicht anfassen. Eine feste IP-Adresse vergibst du besser in der FRITZ!Box (Heimnetz → Netzwerk → Gerät bearbeiten → „Immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen“).
  • Neu installieren ist keine Niederlage. Solange noch nichts eingerichtet ist, geht das schneller als jede Fehlersuche.

Die Verknüpfungen – was ich eingebunden habe

Home Assistant hat nach dem ersten Start von selbst eine ganze Reihe Geräte im Heimnetz entdeckt und zum Hinzufügen angeboten. Diese vier Verknüpfungen – in Home Assistant heißen sie Integrationen – laufen jetzt bei mir:

IntegrationWas sie bringtVoraussetzungen
FRITZ!Box ToolsAnwesenheitserkennung aller Geräte im Heimnetz, externe IP, Datendurchsatz, WLAN-Schaltereigener FRITZ!Box-Benutzer mit dem Recht „FRITZ!Box Einstellungen“; „Zugriff für Anwendungen zulassen“ und „Statusinformationen über UPnP übertragen“ aktiv
Philips Huealle Lampen samt Räumen aus der Hue-App, Schalter und SensorenHue Bridge im Heimnetz; beim Einrichten einmal den Knopf auf der Bridge drücken
FRITZ!Box Netzwerkeine sortier- und filterbare Tabelle aller Netzwerkgeräte mit IP, MAC und VerbindungsartHACS (siehe unten), GitHub-Konto, derselbe FRITZ!Box-Benutzer
Ecowittalle Werte der Wetterstation live, bei mir 57 SensorenGateway GW1200, GW2000 oder GW3000 im Heimnetz; Home Assistant per HTTP erreichbar

Die FRITZ!Box lege ich jedem ans Herz. Lege dafür in der FRITZ!Box unter System → FRITZ!Box-Benutzer einen eigenen Benutzer „homeassistant“ an, statt das Admin-Konto zu verwenden. Danach weiß Home Assistant, welches Handy gerade im WLAN ist – die Grundlage für jede „Ich bin zu Hause“-Automation.

HACS (Home Assistant Community Store) ist eine Art App-Store für Erweiterungen aus der Gemeinschaft. Er wird über das Zusatzprogramm „Get HACS“ installiert und einmalig mit einem GitHub-Konto verbunden. Wichtig: Diese Erweiterungen prüft das Home-Assistant-Team nicht – man nutzt sie auf eigene Verantwortung. Die FRITZ!Box-Netzwerk-Karte ist für mich den kleinen Aufwand aber absolut wert.

Die Ecowitt-Wetterstation ist mein persönliches Highlight. Home Assistant zeigt beim Einrichten Server-Adresse, Port und einen Pfad an. Diese Angaben trägst du in der Ecowitt-App unter DIY-Upload-Server → Angepasst ein (Protokoll: Ecowitt). Ab dann schickt die Station ihre Daten direkt an Home Assistant – ohne Umweg über das Internet. Der Upload zu ecowitt.net oder Wunderground läuft ganz normal weiter.

Ein Stolperstein: In der App muss der Pfad ohne den führenden Schrägstrich eingetragen werden, im Web-Interface des Gateways dagegen mit.

Aus allem habe ich mir zwei eigene Dashboards gebaut: „Netzwerk“ mit der Gerätetabelle und „Wetter“ mit Temperatur, Wind, Blitzen, CO₂, Feinstaub, Bodenfeuchte im Garten und dem Batteriestand aller Sensoren.

Zweites Leben für alte Tablets: das Wanddisplay

Aber wer kennt es nicht: In irgendeiner Schublade liegt ein altes Tablet, zu langsam für den Alltag, zu schade zum Wegwerfen. Als Wanddisplay für Home Assistant ist es genau richtig – im Flur, in der Küche oder im Shack. Mehr als einen Browser braucht es dazu nicht.

Die gängigen Wege:

  • Home Assistant App (die offizielle Companion App für Android und iOS) – einfach installieren, anmelden, fertig. Gut für den Anfang.
  • Fully Kiosk Browser (Android) – der Klassiker für Wanddisplays. Er zeigt das Dashboard bildschirmfüllend, sperrt das Tablet gegen versehentliches Verlassen und bringt einen Bildschirmschoner mit. Mit der kostenpflichtigen Plus-Lizenz lässt sich das Tablet sogar aus Home Assistant heraus steuern: Bildschirm an und aus, Helligkeit, Bewegungserkennung über die Kamera.
  • Einfach der Browser – auf alten iPads, Fire-Tablets oder einem ausgedienten Laptop reicht oft schon der Webbrowser im Vollbild.
  • Ein Raspberry Pi mit kleinem Display – wer sowieso bastelt, baut sich ein festes Info-Terminal.

Ein paar Tipps aus der Praxis:

  • Eigenes Dashboard anlegen – große Kacheln, nur das Wichtigste: Wetter, Licht, wer ist zu Hause.
  • Dauerstrom mit Bedacht – ein Tablet, das jahrelang am Ladegerät hängt, strapaziert den Akku. Manche Geräte bieten ein Ladelimit; alternativ schaltet eine smarte Steckdose das Netzteil zeitweise ab.
  • Sehr alte Geräte mit längst nicht mehr aktualisiertem Browser können mit der Oberfläche Probleme haben. Ausprobieren kostet aber nichts.

Was noch alles geht

Zwei Abende sind erst der Anfang. Auf meiner Liste stehen schon die nächsten Schritte – und die Auswahl ist groß:

  • Smarte Steckdosen – meine WLAN-Steckdosen von Meross sind HomeKit-fähig. Über die Integration HomeKit Device lassen sie sich komplett lokal einbinden. Voraussetzung: Die Steckdose darf nicht gleichzeitig in Apple Home angemeldet sein, und du brauchst den achtstelligen Code vom Aufkleber.
  • Energie im Blick – das eingebaute Energie-Dashboard erfasst Strom, Gas und Wasser: was verbraucht, erzeugt und gespeichert wird, bis hinunter zum einzelnen Gerät an einer Messsteckdose. Spannend auch für das Balkonkraftwerk.
  • Zigbee und Matter – viele günstige Sensoren, Schalter und Lampen funken per Zigbee. Mit einem USB-Stick als Koordinator (der Funkzentrale) steuert Home Assistant sie direkt – ganz ohne Hersteller-Bridge. Der neue Standard Matter ist ebenfalls an Bord.
  • Automationen – Licht, das sich nach Sonnenstand richtet; eine Push-Nachricht, wenn die Bodenfeuchte im Garten zu niedrig ist; eine Warnung, wenn das CO₂ im Raum steigt und Lüften angesagt ist.
  • Fürs Shack – der Blitzsensor der Wetterstation meldet Gewitter im Umkreis von rund 40 km. Eine Automation könnte bei näherkommenden Blitzen aufs Handy warnen: Zeit, die Antennen abzuklemmen. Und wer eine smarte Steckdose am Netzteil hat, schaltet die Station auch aus der Ferne ab.
  • Unterwegs erreichbar – per App, VPN der FRITZ!Box oder dem kostenpflichtigen Dienst Home Assistant Cloud.

Nicht zuletzt: Home Assistant macht Backups auf Knopfdruck. Wer einmal alles eingerichtet hat, sollte das regelmäßig nutzen – am besten auf ein anderes Gerät im Netz.

Mein Fazit

Frustrierend war eigentlich nur der erste Anlauf – und der war selbst verschuldet. Danach ging es Schritt für Schritt voran, und jede neue Integration hat das System ein Stück nützlicher gemacht. Aus einem vergessenen Raspberry Pi ist eine kleine Schaltzentrale geworden, die Netzwerk, Licht und Wetter an einem Ort zusammenführt – lokal, ohne Abo und ohne fünf verschiedene Apps.

Wenn du selbst schon mit Home Assistant arbeitest oder gerade überlegst einzusteigen: Ich freue mich über jeden Austausch, Tipps für sinnvolle Automationen oder Ideen für die Funkecke. Die nächste Baustelle – die Steckdosen – wartet schon.

73 de DL7AG

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 29. September 2026.

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