Gridfinity – das modulare Open-Source-Ordnungssystem aus dem 3D-Drucker

1. Juni 2026

Gridfinity ist ein 3D-Druck-Projekt. Genau das sollte man gleich am Anfang wissen, denn darin liegt der große Reiz: Statt fertige Sortierkästen zu kaufen, druckt man sich sein eigenes Ordnungssystem passend zur eigenen Werkstatt, zum Schreibtisch, zur Elektronik-Ecke, zum 3D-Drucker-Zubehör oder sogar für Funk- und Bastelmaterial einfach selbst.

Entwickelt und bekannt gemacht wurde Gridfinity durch Zack Freedman. Die Idee dahinter ist einfach, aber genial: Eine Grundplatte mit einem festen Raster nimmt beliebige Behälter, Halter, Einsätze und Spezialmodule auf. Alles folgt demselben Standard und lässt sich dadurch beliebig kombinieren.


Was ist Gridfinity?

Gridfinity ist ein modulares Aufbewahrungssystem für den 3D-Druck. Die Basis bildet ein Raster von 42 × 42 mm. Die Höhe arbeitet in 7-mm-Einheiten. Dadurch entstehen Bausteine wie 1×1, 1×2, 2×3, 4×5 und viele weitere Größen.

Man druckt zuerst eine Baseplate, also eine Grundplatte. Darauf werden dann passende Boxen, Einsätze oder Halter gesetzt. Diese können einfache Schalen sein, aber auch sehr spezielle Einsätze für Schraubendreher, Bits, SD-Karten, Düsen, Akkus, Messschieber, Lötzubehör, Funkadapter, Kleinteile oder Werkzeuge.

Das Schöne daran: Man muss nicht bei null anfangen. Es gibt bereits unzählige fertige Modelle, Generatoren und parametrisierbare Vorlagen.


Warum ist Gridfinity so spannend?

Gridfinity ist nicht nur ein Ordnungssystem. Es ist ein Baukasten. Man kann klein anfangen und später immer weiter ergänzen.

Ein Beispiel: In einer Schublade liegt zunächst nur eine Grundplatte mit ein paar einfachen Kästchen. Später kommt ein Einsatz für Inbusschlüssel dazu, dann ein Halter für 3D-Druckdüsen, dann ein Sortierkasten für M3-Schrauben und irgendwann vielleicht ein kompletter Arbeitsplatz für Elektronik oder Amateurfunk-Zubehör.

Genau das macht Gridfinity so stark: Es ist nicht starr. Es wächst mit.


Unzählige Möglichkeiten

Die Community hat inzwischen eine riesige Menge an Modulen erstellt. Typische Beispiele sind:

  • einfache Sortierboxen
  • Schrauben- und Mutternkästen
  • Einsätze mit Trennwänden
  • Halter für Bits und Bohrer
  • Werkzeughalter
  • Lötkolben- und Lötzubehör-Organizer
  • 3D-Druck-Zubehörhalter
  • SD-Karten- und USB-Stick-Halter
  • Batterie-Organizer
  • Elektronik-Module für Widerstände, Sensoren und Stecker
  • Schubladeneinsätze
  • Desktop-Organizer
  • mobile Werkzeugkästen
  • Halter mit Magneten
  • beschriftbare Einsätze
  • Spezialhalter für exakt ein bestimmtes Werkzeug

Für eine Funk- und Elektronik-Werkstatt ist Gridfinity besonders interessant für Adapter, Koax-Stecker, SMA/BNC/N-Adapter, Sicherungen, Klemmleisten, Kabelbinder, Ferrite, Crimpkontakte, kleine Messleitungen, Ersatzsicherungen oder Kleinteile rund um Antennenbau und Messtechnik.


Kombinierbar statt festgelegt

Der größte Vorteil ist die Kombinierbarkeit. Ein 1×1-Einsatz passt neben einen 1×2-Einsatz, daneben ein 2×2-Fach und daneben ein Werkzeughalter. Wenn sich der Bedarf ändert, wird einfach umsortiert.

Das unterscheidet Gridfinity von vielen gekauften Sortiersystemen. Bei fertigen Boxen ist die Einteilung oft vorgegeben. Bei Gridfinity bestimmt man selbst, was wohin kommt.

Man kann sogar verschiedene Bereiche bauen:

  • eine Schublade für 3D-Druck
  • eine für Elektronik
  • eine für Amateurfunk-Zubehör
  • eine für Werkzeug
  • eine für Schrauben
  • eine für Fotografie oder Modellbau
  • eine für den Schreibtisch

Alle Teile bleiben trotzdem miteinander kompatibel.


Anpassung an eigene Lösungen

Besonders mächtig wird Gridfinity durch parametrisierbare Generatoren. Damit kann man eigene Behälter erzeugen, ohne jedes Mal komplett CAD lernen zu müssen.

Man gibt zum Beispiel ein:

  • Breite in Rastereinheiten
  • Tiefe in Rastereinheiten
  • Höhe
  • Wandstärke
  • Anzahl der Fächer
  • Trennwände
  • Griffmulden
  • Magnetlöcher
  • Schraublöcher
  • Beschriftungsfelder
  • spezielle Innenaufteilungen

Danach wird ein STL- oder STEP-Modell erzeugt, das direkt im Slicer weiterverarbeitet werden kann.

Wer mehr möchte, kann mit Fusion 360, FreeCAD, OpenSCAD, Onshape oder CadQuery eigene Spezialhalter bauen. Dadurch wird Gridfinity sehr flexibel: Ein Halter für genau diesen einen Messschieber? Kein Problem. Ein Einsatz für bestimmte Crimpzangen? Machbar. Eine Sortierbox für exakt die vorhandene Schublade? Ebenfalls möglich.


Open Source und Community

Gridfinity ist stark durch Open Source und Community geprägt. Viele Dateien, Generatoren und Weiterentwicklungen sind frei verfügbar. Genau dadurch konnte sich das System so schnell verbreiten.

Wichtig ist trotzdem: Nicht jedes einzelne Modell im Internet hat automatisch dieselbe Lizenz. Vor dem Weitergeben, Remixen oder kommerziellen Verwenden sollte man immer die jeweilige Lizenz prüfen.

Der Open-Source-Gedanke zeigt sich aber klar: Menschen entwickeln eigene Varianten, verbessern Generatoren, erstellen Kataloge, bauen Dokumentationen und teilen ihre Lösungen mit anderen.


Einfacher 3D-Druck

Gridfinity ist ideal für FDM-3D-Drucker. Die meisten Teile lassen sich ohne exotische Materialien drucken. PLA reicht für viele Anwendungen völlig aus. Für wärmere Umgebungen oder stärker belastete Teile kann PETG sinnvoll sein.

Typische Druckhinweise:

  • PLA oder PETG
  • 0,2 mm Schichthöhe als guter Standard
  • 2–3 Wandlinien
  • 10–20 % Infill reichen oft
  • keine Stützstruktur bei vielen einfachen Boxen nötig
  • Baseplates möglichst sauber und eben drucken
  • bei Magnetmodulen auf die korrekte Magnetgröße achten

Gerade für Anfänger ist Gridfinity gut geeignet, weil einfache Boxen und Grundplatten schnell verständlich sind. Gleichzeitig bietet das System genug Tiefe für Fortgeschrittene, die eigene CAD-Lösungen entwerfen möchten.


Baseplates: die Grundlage

Die Baseplate ist die Grundplatte. Sie kommt in die Schublade, auf den Tisch, in den Werkzeugwagen oder in eine Transportbox. Es gibt verschiedene Varianten:

  • leichte Baseplates mit wenig Materialverbrauch
  • stabile Baseplates für mobile Nutzung
  • Varianten mit Schraublöchern
  • Varianten mit Magnetaufnahmen
  • zugeschnittene Baseplates für bestimmte Schubladenmaße
  • geteilte Baseplates für kleinere Druckbetten

Gerade bei größeren Schubladen ist es sinnvoll, die Fläche vorher genau zu messen und dann passende Platten zu drucken oder mit einem Generator zu erstellen.


Grenzen und ehrliche Einschätzung

Gridfinity ist großartig, aber nicht für alles perfekt. Wer einfach nur schnell ein paar Schrauben sortieren möchte, ist mit einer gekauften Sortierbox manchmal schneller. Gridfinity braucht Druckzeit und Filament.

Der Vorteil entsteht vor allem dann, wenn man Ordnung wirklich passend zum eigenen Arbeitsplatz bauen möchte. Für Werkstatt, 3D-Druck, Elektronik, Amateurfunk, Modellbau und Maker-Arbeitsplätze ist es besonders stark.


Interessante Links & Ressourcen

Offizielle und zentrale Ressourcen


Modelle und Generatoren


YouTube-Beispiele


Fazit

Gridfinity ist eines dieser Projekte, bei denen man schnell versteht, warum 3D-Druck so faszinierend ist. Man druckt nicht einfach irgendein Spielzeug oder Dekoobjekt, sondern eine Lösung für den eigenen Alltag.

Für Werkstatt, Elektronik, 3D-Druck, Amateurfunk und Bastelplätze ist Gridfinity ein enorm flexibles System. Es ist offen, erweiterbar, kombinierbar und durch die vielen Generatoren auch für Einsteiger gut zugänglich.

Wer einen 3D-Drucker besitzt und Ordnung in Schubladen, Werkzeugwagen oder auf dem Arbeitstisch schaffen möchte, sollte Gridfinity unbedingt ausprobieren. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie Open Source, Community und 3D-Druck zusammen ein praktisches, fast grenzenlos anpassbares System ergeben.

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DL7AG

Lizenz seit 1979 (ehemals DC7VS), weltraumbegeistert und bereits Ende der 70er Jahre an der Wilhelm-Foerster-Sternwarte in Berlin (West) aktiv, Gründungsmitglied der Ortsverbände D23 „Freunde des CCC“ und D22 „Soziale Medien“, ehemaliger stellvertretender Distriktsvorsitzender Berlin sowie Distriktsvorsitzender Berlin, DARC Online-Redakteur und Social-Media-Verantwortlicher, Mitglied im Gremium „DARC 2020“, Inhaber des DARC Distrikt D Infomobils (2004), Rufzeichen DK0RBY, DN1RBY, DK0DTM und 5P7Z, nach über 40 Jahren Mitgliedschaft seit 2018 nicht mehr im DARC.

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