Radxa Dragon Q8B: Ein kleiner ARM-Rechner mit Potenzial fürs Amateurfunk-Shack

Im Shack ist Platz meistens knapp. Zwischen Transceiver, Netzteil, Antennentuner und Zubehör möchte ich nicht unbedingt noch einen großen Rechner unterbringen. Gleichzeitig soll der Computer genügend Leistung für digitale Betriebsarten, Logbuch, SDR-Anwendungen und die alltäglichen Aufgaben mitbringen.

Genau deshalb finde ich den Radxa Dragon Q8B interessant. Das kompakte ARM-Board bietet acht CPU-Kerne, schnelle Netzwerkschnittstellen und Platz für zwei NVMe-SSDs. Die Leistung fällt dabei höher aus, als ich zunächst erwartet hätte.

Eine Ergänzung war mir allerdings wichtig: Im ursprünglichen Zustand sind weder WLAN noch Bluetooth vorhanden. Beides konnte ich mit einer AX210NGW-Karte für noch nicht einmal 20 Euro völlig problemlos nachrüsten.

Viel Ausstattung auf wenig Fläche

Der Dragon Q8B basiert auf Qualcomms Snapdragon 8cx Gen 3 beziehungsweise dem SC8280XP. Vier CPU-Kerne arbeiten mit bis zu 3 GHz, vier weitere mit bis zu 2,4 GHz. Dazu kommen LPDDR4X-Arbeitsspeicher und eine Adreno-690-GPU.

Für mich zählen im Shack aber vor allem die Anschlüsse. Zwei Ethernet-Ports mit jeweils 2,5 Gbit/s, mehrere USB-A- und USB-C-Anschlüsse sowie HDMI bieten eine gute Grundlage für einen vielseitigen Stationsrechner. Über USB lassen sich beispielsweise ein geeignetes Transceiver-Interface, ein USB-Audiogerät oder ein SDR-Empfänger anschließen.

Auf der Unterseite befinden sich zwei M.2-Steckplätze für NVMe-SSDs im Format 2280. Einer ist mit PCIe 3.0 ×2 angebunden, der andere mit PCIe 3.0 ×4. Damit bleibt Spielraum für Betriebssystem, Programme und größere Datenbestände. Die genaue Ausstattung beschreibt Radxa in der offiziellen Dokumentation zum Dragon Q8B.

WLAN und Bluetooth für unter 20 Euro nachgerüstet

Beim Kauf sollte man einen Punkt kennen: Der vorhandene M.2-E-Key-Steckplatz bedeutet nicht, dass bereits ein Funkmodul eingebaut ist. Mein Board kam ohne WLAN und Bluetooth.

Ich habe dafür eine AX210NGW-Karte eingesetzt. Sie hat mich weniger als 20 Euro gekostet, und die Erweiterung funktionierte bei mir völlig problemlos. Damit konnte ich beide Funktionen ergänzen, ohne dafür weitere USB-Anschlüsse zu belegen.

Die AX210NGW ist ein M.2-2230-Modul mit Wi-Fi 6E und Bluetooth. Radxa führt die Intel AX210 ausdrücklich als unter Linux getestete Erweiterung für den Q8B auf. Meine positive Erfahrung passt damit zur dokumentierten Unterstützung. Sie lässt sich allerdings nicht pauschal auf andere Betriebssysteme übertragen: Für Intel-Funkkarten nennt Radxa beim Q8B unter Windows Einschränkungen bei den Treibern. Quellen: Radxa – kompatible Funkmodule und Intel – AX210-Produktinformationen.

Im Shack finde ich die Erweiterung praktisch. WLAN schafft mehr Freiheit bei der Aufstellung, während Bluetooth beispielsweise für Tastatur und Maus genutzt werden kann. Für eine feste Verbindung zu Netzwerkgeräten würde ich weiterhin gern die vorhandenen Ethernet-Anschlüsse verwenden.

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Die genannten knapp 20 Euro beziehen sich auf meinen Kauf. Bei anderen Angeboten lohnt sich ein Blick auf den Lieferumfang, insbesondere auf passende Antennen und Anschlusskabel.

Mehr Rechenleistung, als ich erwartet hatte

Wie viel Leistung das Board mitbringt, zeigen die Benchmarks aus dem zugrunde liegenden Videotest. Im Sysbench-Primzahlentest erreicht der Dragon Q8B rund 9.183 Ereignisse pro Sekunde. Der Dragon Q6A kommt auf ungefähr 5.896, der Raspberry Pi 5 auf etwa 4.162.

BoardEreignisse pro SekundeTestdauer
Radxa Dragon Q8B9.18310,8 Sekunden
Radxa Dragon Q6A5.89616,95 Sekunden
Raspberry Pi 54.16224,03 Sekunden

Damit liegt der Q8B in diesem Test etwa um den Faktor 1,6 vor dem Q6A und um den Faktor 2,2 vor dem Raspberry Pi 5. Auch Geekbench zeigt einen deutlichen Vorsprung, besonders bei der Nutzung mehrerer CPU-Kerne.

Für meinen Blick auf den Shack ist das interessant, weil dort selten nur eine Anwendung geöffnet ist. Neben dem Programm für digitale Betriebsarten laufen schnell noch Logbuch, Browser, Stationssteuerung und weitere Werkzeuge.

Aus den Benchmarkwerten allein lässt sich zwar keine konkrete FT8- oder SDR-Leistung ableiten. Sie zeigen aber, dass das Board genügend Rechenleistung für einen näheren Praxistest mit mehreren Anwendungen mitbringt.

Wo ich den Q8B im Amateurfunk sehe

Digitale Betriebsarten und Stationssteuerung

Ein naheliegendes Einsatzgebiet sind digitale Betriebsarten. Ich denke dabei vor allem an WSJT-X für FT8 und FT4 sowie an fldigi für weitere Digimodes.

WSJT-X bietet laut aktuellem Handbuch Linux-Pakete auch für ARM64 an. Das macht die Plattform grundsätzlich interessant für einen Rechner wie den Q8B. Ob das eigene Setup vollständig funktioniert, hängt zusätzlich von der Distribution, dem Audiointerface und der Transceiver-Anbindung ab. Quelle: WSJT-X – offizielles Handbuch und Linux-Installation.

Für die Gerätesteuerung kommen je nach Transceiver beispielsweise flrig oder die in fldigi unterstützten Steuerungsmöglichkeiten infrage. Die Projektseite bietet Programme und Dokumentation dazu. Quelle: W1HKJ – fldigi, flrig und weitere Amateurfunkprogramme.

SDR und Aufzeichnungen

Auch für SDR-Anwendungen finde ich die Kombination aus schnellen USB-Anschlüssen, Netzwerk und NVMe-Speicher interessant. Je nach Empfänger und Software könnten darüber Empfangsdaten verarbeitet oder Aufzeichnungen gespeichert werden.

Gerade längere Aufnahmen profitieren von ausreichend schnellem Speicher. Im Videotest erreicht der mit zwei PCIe-Lanes angebundene NVMe-Steckplatz ungefähr 1.394 MB/s beim Lesen, der Steckplatz mit vier Lanes rund 2.887 MB/s. Über einen USB-NVMe-Adapter werden etwa 880 MB/s beim Schreiben gemessen.

Ob eine bestimmte SDR-Konfiguration damit zuverlässig läuft, würde ich mit dem vorgesehenen Empfänger, dessen Treibern und der gewünschten Bandbreite prüfen. Die Schnittstellen machen das Board dafür jedenfalls interessant.

Ein kleiner Rechner für begleitende Aufgaben

Daneben sehe ich Aufgaben wie ein webbasiertes Logbuch, Stationsübersichten, Dokumentation oder kleine Dienste im Stationsnetz. Dafür muss der Rechner nicht ständig unter voller Last arbeiten.

Die im Video gemessene Leistungsaufnahme von ungefähr 4 Watt im Leerlauf ist für solche Anwendungen attraktiv. Unter Geekbench steigt sie auf etwa 20 Watt. Zusätzliche SSDs, Funkmodule und USB-Geräte verändern den Verbrauch des vollständigen Aufbaus entsprechend.

Kühlung und Betrieb im Shack

Der Dragon Q8B wird mit Kühlkörper und Lüfter geliefert. Im Videotest liegt die CPU-Temperatur im Leerlauf bei ungefähr 36 °C. Nach etwa zehn Minuten unter Last bleibt sie mit laufendem Lüfter unter 54 °C.

Für einen kompakten Stationsrechner gefällt mir das. Neben Temperatur und Leistung würde ich im Shack aber noch einen anderen Punkt gezielt prüfen: Verändert sich der Störpegel am Empfänger, wenn Rechner, Netzteil und angeschlossene Geräte eingeschaltet werden?

Die Benchmarks beantworten diese Frage nicht. Für die endgültige Aufstellung würde ich deshalb auch Gehäuse, Stromversorgung und Kabelführung im eigenen Aufbau berücksichtigen.

Beim Betriebssystem lohnt sich ein genauer Blick

Die Software-Unterstützung ist für mich ebenso wichtig wie die Hardware. Im ursprünglichen Videotest funktionieren Radxas Ubuntu-basiertes System und Armbian deutlich besser als die ausprobierten generischen Installationsmedien. Unter Radxas System stehen zudem Grafikbeschleunigung und flüssige 4K-Videowiedergabe zur Verfügung.

Die damaligen Installationsprobleme sind jedoch eine Momentaufnahme. Inzwischen dokumentiert Radxa auch eine Windows-11-ARM64-Installation mit einem eigenen Treiberpaket. Die Aussage, dass grundsätzlich keine Windows-Treiber vorhanden seien, wäre deshalb heute zu pauschal. Quelle: Radxa – Windows 11 auf dem Dragon Q8B.

Für meinen Einsatz würde ich zuerst prüfen, welche Amateurfunkprogramme und Interfaces ich tatsächlich brauche, und danach das passende System auswählen. Die erfolgreiche AX210NGW-Erweiterung ist dabei ein Pluspunkt für meinen Aufbau.

Mein Fazit: Ein interessanter Kandidat für den Stationsrechner

Der Radxa Dragon Q8B verbindet viel Rechenleistung mit einer Ausstattung, die ich im Amateurfunk-Shack gut gebrauchen kann. Besonders gefallen mir die beiden Ethernet-Anschlüsse, die zwei NVMe-Steckplätze und die vielen Möglichkeiten, Peripherie anzuschließen.

Dass WLAN und Bluetooth zunächst fehlen, sollte man vor dem Kauf wissen. Mit meiner AX210NGW-Karte konnte ich beides für weniger als 20 Euro völlig problemlos ergänzen. Damit ist dieser Punkt für meinen Aufbau schnell erledigt gewesen.

Für digitale Betriebsarten, Stationssteuerung und SDR sehe ich interessante Einsatzmöglichkeiten. Wie gut der Q8B den eigenen Stationsrechner ersetzen kann, entscheidet am Ende das Zusammenspiel mit den verwendeten Programmen und Funkgeräten.

Mein Interesse hat das Board jedenfalls geweckt: kompakt genug für einen vollen Stationstisch und leistungsfähig genug, um damit mehr als nur eine einzelne Aufgabe auszuprobieren.

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Weitere Informationen und Quellen

Die Benchmarkwerte stammen aus dem bereitgestellten Video „This ARM SBC Is Faster Than I Expected! — Radxa Dragon Q8B — InDepth Performance Benchmark“. Die Erfahrung mit der AX210NGW-Erweiterung und der Kaufpreis von unter 20 Euro beziehen sich auf meinen eigenen Aufbau.
Siehe auch meinen Test.

Ergänzende Hersteller- und Projektinformationen:

Stand der ergänzenden Quellenrecherche: 28. September 2026.

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